Heft 09/10-2006:
Themenheft „Internationaler Naturschutz“ bei „Natur und Landschaft“
Die Natur kennt keine Grenzen, besonders nicht in einer von der Globalisierung geprägten Welt. Globale Entwicklungen entstehen aus einer Vielzahl lokaler und regionaler Verhältnisse und wirken auf sie ein; der weltweite Klimawandel ist hierfür ein besonders eindrückliches Beispiel. Dieser Wechselwirkung entsprechend nutzt der „internationale Naturschutz“ die heutigen Möglichkeiten, Konzepte und Strategien zum Schutz der Natur zu entwickeln, zu transportieren, wo sinnvoll zu vereinheitlichen und wieder an (andere) lokale Bedingungen anzupassen.
Wie Menschen mit der Natur umgehen, wie sie sie nutzen, dass sie sie schützen und bewahren wollen und die Art und Weise, wie sie dies tun, ist von der jeweiligen Kultur und Tradition, aber auch der ökologischen, ökonomischen und politischen Situation abhängig. Dies führt zu den unterschiedlichsten Ausprägungen von Schutzbemühungen. Nur eine große Vielfalt an Akteuren und Instrumenten, die auf internationaler Ebene kooperieren, kann den aktuellen Herausforderungen beim weltweiten Schutz der Natur begegnen, denn ein global anwendbares Patentrezept für den Naturschutz gibt es nicht. Diese Vielfalt des internationalen Naturschutzes spiegelt sich auch in den Themen, die in diesem Heft präsentiert werden.
„Umwelt“ und „Entwicklung“ werden seit Jahrzehnten als zwei Seiten einer Medaille betrachtet, wie „Use it or lose it“ („Nutze es oder verliere es“) provozierend verbalisiert: Ziegler & Melisch beschreiben in ihrem Beitrag die Schwierigkeiten und Lösungswege, Schutz und Nutzung miteinander zu vereinbaren. Die Herausforderungen an Schutzgebiete als einem „klassischen“ Naturschutzinstrument erörtert Niekisch in dem anschließenden Beitrag.
Wie gelingt es den unterschiedlichsten Akteuren, gemeinsame Ziele im Bereich von Umwelt und Entwicklung zu finden? Unter diesem Aspekt betrachtet Mack die Milleniumsziele der Vereinten Nationen. Wer die wichtigsten Akteure im internationalen Naturschutz sind, beschreibt Christophersen. Über gemeinsame rechtliche Grundlagen und internationale Abkommen berichten Heugel & Hendrischke, ergänzende Programme der unterschiedlichsten Formen beleuchtet Specht.
Auch im internationalen Naturschutz müssen wegen knapper Mittel Prioritäten gesetzt werden. Je nachdem, welche Kriterien man hierbei anlegt, gelangt man jedoch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, wie Stadler deutlich macht. Kohl geht anschließend exemplarisch auf das Konzept der Global 200 des WWF ein.
Zur Bewertung der – unbestrittenen - „Leistungen“ von Ökosystemen für das menschliche Wohlergehen gibt es verschiedene Ansätze, die Hedden-Dunkhorst zusammenfasst. Der Frage nach einer langfristigen Finanzierung von Naturschutz gehen Evers, von Bechtolsheim & Mack nach.
Investitionen in die Aus- und Fortbildung – „capacity building“ – sind unerlässlich, um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu sichern. Ein Beispiel hierfür geben Burmester & Stolpe von der Internationalen Naturschutzakademie des BfN auf der Insel Vilm.
In seinem zweiten Beitrag beleuchtet Niekisch die Notwendigkeit, eine internationale Entwicklungspolitik zu gestalten, in die der Naturschutz als unverzichtbare und tragende Säule integriert ist.
Wenn auch der größte Teil der terrestrischen Biodiversität durch internationale Abkommen „abgedeckt“ ist, gilt dies jedoch nicht für die Weltmeere. Dem Meeresnaturschutz kommt daher eine unmittelbare Dringlichkeit zu, wie Schumm in seinem Beitrag untermauert.
Alle Naturschutzkonzepte werden sich in den kommenden Jahrzehnten den gewaltigen Herausforderungen des globalen Klimawandels stellen müssen. In ihrem Beitrag schildert Epple, welche internationalen Instrumente hierfür bisher geschaffen worden sind.
Wir danken den Autorinnen und Autoren dieses Schwerpunktheftes dafür, dass sie ein wenig Übersicht in die große Themenbreite des internationalen Naturschutzes gebracht haben. |