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21. Vilmer Sommerakademie: Wälder im Stress


Quelle/Bild: Thomas Potthast

21. Vilmer Sommerakademie: Wälder im Stress

Der Frage, wie Waldnaturschutz unter sich radikal ändernden Bedingungen gestaltet werden kann, widmeten sich vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 21. Vilmer Sommerakademie der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm. Insgesamt nehmen „Stressoren“ (auch) in Waldökosystemen zu: Veränderungen des Wasserhaushalts, Hitze- und Trockenperioden, Verschwinden und biogeographische Verschiebungen von Arten und Lebensräumen. Die Folgen des Klimawandels sind in Wäldern bereits jetzt deutlich zu erkennen. Zugleich sollen Wälder im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen als CO2-Senke dienen. Holz unterliegt extremen Preisschwankungen. Und die Bevölkerung nutzt den Wald wieder häufiger für verschiedene Freizeitaktivitäten.
Wie soll das Verhältnis von Naturschutz und Nutzung künftig aussehen? Welche Nutzungsformen sind mit Naturschutzzielen in Wäldern kompatibel? Und wie lassen sich bei ökologischen Waldzykluszeiten von Jahrhunderten sinnvolle Planungen anstellen? Vertreterinnen und Vertreter von Behörden und Verbänden, aus Umwelt- und Kommunalpolitik, aus Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Naturschützerinnen und Naturschützer waren eingeladen, diese Fragen zu diskutieren und Ansätze für den Umgang mit diesen Herausforderungen (weiter) zu entwickeln.
Drei Referentinnen und Referenten der diesjährigen Sommerakademie beleuchteten den Wald zunächst aus sozialwissenschaftlicher, philosophischer und ökologischer Perspektive. Außerdem stand das Thema Klimaschutz und Naturschutz im Wald auf der Agenda, hier wurden auch das Thema Windkraft im Wald und das Konzept der Nature Based Solutions kritisch diskutiert. Die Vorträge beleuchteten die Herausforderungen für das Schutzgebietsmanagement sowie die Rolle unterschiedlicher Akteure für die Waldbewirtschaftung (siehe Abb.).
Während viele Ziele wie etwa die notwendige drastische CO2-Emissionsreduktion sowie die Anpassung von Wäldern an den Klimawandel unstrittig waren, wurden Fragen, wie diese Ziele genau verwirklicht werden können bzw. sollten, durchaus kontrovers diskutiert, so etwa ob und wie aktiv eine Veränderung der Baumartenzusammensetzung im Zuge der Anpassung an den Klimawandel gestaltet werden müsse.
Deutlich wurde, dass unter Bedingungen des rasanten Wandels langfristige Planung noch schwieriger wird als bisher. Im Sinne eines Konzepts der multifunktionalen Landschaft, wie es z. B. der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) vorschlägt, sollten für die jeweiligen Wälder angepasste Nutzungs- bzw. Nichtnutzungsstrategien entwickelt werden, um auf den zur Verfügung stehenden Flächen möglichst viele Ziele umzusetzen. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass klare Schwerpunktsetzungen nötig seien, da nicht alle Ziele gleichzeitig auf allen Flächen realisiert werden könnten. Der öffentlichen Hand komme aufgrund der Flächengröße, die in ihrem Besitz stehe, eine besondere Verantwortung und Vorreiterrolle zu, doch zugleich seien die privaten Waldbesitzerinnen und -besitzer in all ihrer Unterschiedlichkeit einzubeziehen, damit Naturschutz im Wald auch unter Klimastress erfolgreich praktiziert werden könne.
Die Sommerakademie wird jährlich von der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm (INA) des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), der Universität Tübingen und der Universität Kiel organisiert. Sie bietet Interessierten die Möglichkeit, grundsätzliche Fragen des Naturschutzes interdisziplinär aus natur-, sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive zu erörtern und mit Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis und Wissenschaft in den Austausch zu treten. Als Ergebnis entstehen im Nachgang zum Thema jeder Tagung die „Vilmer Thesen“, die in der Zeitschrift „Natur und Landschaft“ erscheinen. Eine Tagungsdokumentation zum diesjährigen Treffen, die in den BfN-Schriften erscheinen wird, ist ebenfalls in Vorbereitung.
Jutta Stadler und Julia Laux (BfN)

Lesen Sie zu diesem aktuellen Thema auch die Natur und Landschaft-Schwerpunktausgabe 7-2022 "Wälder der Zukunft" – hier geht es zur Ausgabe