Im Untersuchungsgebiet Gülpe (Brandenburg) ist die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata) häufig im extensiv genutzten Grasland anzutreffen. Foto a) wurde am 25.5.2023, Foto b) am 24.6.2023 aufgenommen. (Fotos: Nina Pellny)
Lebensraum Straßenrand: Dynamik der Vorkommen der Sand-Grasnelke Armeria maritima subsp. elongata im Landschaftskontext in Brandenburg
von Nina Pellny, Dorothea Oberschelp de Meneses, Michael Ristow und Kolja Bergholz
In den vergangenen Jahrzehnten führte der Landnutzungswandel bei vielen Offenlandarten zu einem drastischen Habitatverlust und zur Fragmentierung der Landschaft. Häufig bleibt unklar, inwieweit die Dynamik von Ausbreitung und Rückgang von Pflanzenarten innerhalb moderner Landschaften funktioniert und ob eine Konnektivität zwischen den Standorten gegeben ist. In der vorliegenden Studie analysieren wir die Dynamik der Vorkommen (Neuansiedlung, Verschwinden und Überdauern) der Bestände einer typischen Trockenrasenart − der Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata) − in 6 Landschaftsausschnitten Brandenburgs. Wir zeigen, dass Straßen- und Wegränder ein zentrales Habitat darstellen, in dem ein Großteil der Bestände vorkommt und sich hier die meisten Bestände in den vergangenen 14 Jahren neu etablierten. Einen maßgeblichen Grund hierfür sehen wir in der regelmäßigen Nutzung durch Pflegemahd in straßenbegleitenden Lebensräumen. Hingegen hatte
die Nutzung keinen statistischen Effekt auf das Aussterberisiko. Trotzdem vermuten wir, dass zahlreiche Bestände der Sand-Grasnelke durch Landnutzungsaufgabe künftig gefährdet sind. Ein Drittel der Bestände wurde im Siedlungsbereich gefunden, jedoch stieg der Anteil mit der Nutzungsintensivierung innerhalb der Landschaft nicht wie erwartet an. Unsere Studie zeigt, dass Straßen- und Wegränder aufgrund der steten Nutzung für Offenlandarten ein zentrales Habitat darstellen und somit im Sinne einer breiten Vernetzung von Biotopen in der Planung stärker berücksichtigt werden sollten. Zudem verdeutlicht sie, dass die Dynamik der Bestände zwischen Landschaften stark variieren kann. Dies muss bspw. bei Biotopverbundplanungen beachtet werden.
DOI: 10.19217/NuL2026-06-02
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