Heute können Tierbewegungen mit modernsten Methoden verfolgt werden. Hier ein Gepard mit elektronischer Ohrmarke in Namibia. (Foto: Sergio Izquierdo/Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie)
Das Bewegungsverhalten von Tieren – seien es Zugvögel, wandernde Wale und Gazellen oder Bestäuber und Samenverbreiter – spielt eine zentrale Rolle für die Vernetzung, Widerstandsfähigkeit und die Vielfalt von Ökosystemen auf der ganzen Welt. Ihre Wege und Aktionsräume nachzuvollziehen liefert uns wichtige Erkenntnisse über den Zustand von Lebensräumen, Umweltveränderungen, die Ausbreitung invasiver Arten oder neu auftretende Krankheiten. Durch technologische Fortschritte wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer genauere Beobachtungen von Tierbewegungen möglich – gleichzeitig blieb der Großteil dieser wertvollen Daten bisher verstreut, wurde nicht einheitlich erfasst und konnte kaum in wissenschaftliche Berichte zum Zustand der Biodiversität oder politische Entscheidungen einfließen. Das neue globale Forschungsnetzwerk Animal Movement Biodiversity Observation Network, kurz Move BON – ein Zusammenschluss von weltweit über 50 Einrichtungen auf Initiative der US-amerikanischen Smithsonian Institution und WILDLABS des World Wildlife Fund (WWF) – hat das Ziel, diesen Datenschatz für Wissenschaft und Politik systematisch nutzbar zu machen. Zu seiner Leitung gehören Forschende des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, ermöglicht wurde die Einrichtung durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Initiative Life on a Sustainable Planet der Smithsonian Institution sowie des NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL). Move BON wurde jetzt offiziell vom übergeordneten Forschungsnetzwerk Group on Earth Observations Biodiversity Observation Network (GEO BON) anerkannt, das weltweite Beobachtungen zur biologischen Vielfalt zusammenführt und für Forschung und Naturschutz nutzbar macht.
„Die jetzt erfolgte Anerkennung durch GEO BON ist ein wichtiger Meilenstein“, betont Dr. Aidin Niamir, Head of International Science Policy der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, und fährt fort: „Die internationale Sichtbarkeit von Move BON wird so gestärkt. Und es bestätigt, dass die Initiative höchsten Standards der wissenschaftlichen Arbeit, Kooperation und der Datenqualität genügt. Die Anerkennung ist ein wichtiger Schritt, um die aktuelle Lücke zwischen Wissenschaft und Politik zu schließen. Mit Move BON vernetzen wir eine globale Fachgemeinschaft, durch deren Arbeit Forschungsergebnisse und Daten zu Tierwanderungen, die bei Senckenberg und den Partnerinstitutionen gewonnen werden, in Zukunft gezielt und gebündelt in umweltpolitische Entscheidungen einfließen können.“
„Tierwanderungen spielen für viele internationale Umweltabkommen eine zentrale Rolle“, ergänzt Prof. Dr. Martin Wikelski, Direktor der Abteilung für Tierwanderungen am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „Bislang fehlten aber definierte Abläufe, um Rohdaten, die wir mit modernsten Methoden der Tierverfolgung gewinnen, in aussagekräftige Informationen für den Naturschutz zu übersetzen und für politische Zielgruppen aufzubereiten. Dass diese Werkzeuge jetzt geschaffen werden, eröffnet für Projekte wie Icarus des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, bei dem wir die Wanderungen tausender Tiere aus dem Weltraum verfolgen können, völlig neue Möglichkeiten.“
Mit Move BON entsteht ein globales „Netzwerk von Netzwerken“, das die Zusammenarbeit bestehender Projekte zu Tierwanderungen fördert – über geografische, technologische und Ökosystemgrenzen hinweg. „Ein zentrales Ziel ist dabei, gemeinsame Standards für die Erhebung und Verknüpfung von Daten zu definieren“, erklärt Sarah C. Davidson, Datenkuratorin der Online-Plattform für Tierbewegungsdaten Movebank am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „In Datenbanken wie Movebank, einem gemeinsamen Projekt von Senckenberg und dem Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, sind bereits große Mengen an Daten zu Tierbewegungen zusammengeführt. Allerdings ist der Großteil davon für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger bislang nicht zugänglich. Mit Move BON können wir aussagekräftige Informationen für die Politik aufbereiten – und dabei zugleich den Schutz sensibler Daten gewährleisten.“
„Unsere Vision ist ein gemeinsames globales Beobachtungssystem, das die Bewegungen wandernder Tiere erfasst und interpretiert“, sagt Prof. Dr. Thomas Müller, Direktor des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt und schließt: „So können wir die weltweite Entwicklung der biologischen Vielfalt besser verstehen und bewerten, Veränderungen vorhersagen und im Einklang mit multilateralen Umweltabkommen – wie dem Kunming-Montreal-Vertrag oder der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) – internationale Schutzmaßnahmen gezielt unterstützen.“
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
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