Thermobilder (Aufnahme mit Wärmebildkamera Tc001 Plus der Firma TOPDON, Darstellung mit TopInfrared, 12.8.2025) einer Brandfläche bei Treuenbrietzen in Südwestbrandenburg (nach Waldbrand 2018, Kahlschlag, Pflügen, gescheiterter Pflanzung, mit spontaner Sukzession) an einem heißen Tag bei ca. 30 °C Lufttemperatur. a) 12:49 Uhr: lückiger Bestand von Zitterpappeln (Populus tremula) mit Bodentemperaturen auf nach wie vor vegetationsfreien Flächen bis über 70 °C; im Schatten bis unter 30 °C. b) 12:27 Uhr: unter einem gerade umgewendeten, sich zersetzenden und deutlich feuchten Stück Totholz wurden Temperaturen unter und um 20 °C gemessen, auf exponiertem Boden in direkter Nähe um 60 °C. (Fotos: Pierre L. Ibisch)
Wiederbewaldung und Waldentwicklung nach Bränden – Strategien für resiliente Waldökosysteme
von Pierre L. Ibisch und Susanne Rönnefarth
Ausgedehnte Waldbrände sowie längere Hitze- und Trockenphasen stellen die Wiederbewaldung v. a. in den Kiefernlandschaften Nordostdeutschlands vor grundsätzliche Herausforderungen. Der Beitrag diskutiert gängige Strategien – von Räumung, Bodenbearbeitung und Pflanzungen bis zur ungelenkten Sukzession – und plädiert dafür, die Gegenüberstellung „aktiv vs. passiv“ durch eine ökosystembasierte, funktionsorientierte Perspektive zu ersetzen. Ziel ist eine pyrophobe Vegetationsentwicklung, die die Brennbarkeit absenkt, Beschattung und Verdunstungskühlung früh gewährleistet und den Wasserhaushalt stützt. Auf Basis von Befunden des Projekts PYROPHOB wird gezeigt, dass intensive Eingriffe (z. B. vollständige Totholzräumung und Pflügen) ungünstigere mikroklimatische Verhältnisse (u. a. höhere Temperaturen und Dampfdruckdefizite) sowie geringere Biomasse der Kraut-/Moosschicht und geringeren Artenreichtum verursachen, während das Belassen von Totholz, geringe Bodenstörung und frühe Laub-/Pionierbaumbeteiligung (u. a. Populus tremula – Zitterpappel) die Regeneration fördern. Die zeitliche Dynamik der Totholzphase (Umstürzen der Bäume, Zersetzung, Feuchteakkumulation, bodennahe Kühlung) wirkt dabei positiv auf Mikroklima und Bodenbildung. Landschafts- und Standortbedingungen können Managementeffekte überlagern und in kritischen Phasen bleiben Brandprävention und eine proaktive Einsatzplanung zentral. Insgesamt wird ein evidenzbasiertes, adaptiv lernendes Vorgehen empfohlen, das Produktionsziele mit der Förderung von Klima- und Störungsresilienz verbindet, anstatt die rasche Rückkehr zu vormals produktiven, aber risikobehafteten Monokulturen anzustreben.
DOI: 10.19217/NuL2026-07-02
---------------------------------------------------------------------------
Möchten Sie Ausgabe 7-2026 nicht verpassen?
Wir erinnern Sie gerne mit unserem monatlichen Newsletter daran.
Melden Sie sich hier für den kostenlosen Newsletter an und bleiben Sie informiert über die Beiträge in der aktuellen und nächsten Ausgabe von „Natur und Landschaft“ sowie über interessante Termine und Meldungen aus dem Naturschutzbereich.