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Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe wird Höhlentier des Jahres 2017

Quelle/Bild: © Klaus Bogon

Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe (Diphyus quadripunctorius) wurde von dem dänischen Zoologen Otto Friedrich Müller erstmals im Jahre 1776 erwähnt. Die Tiere überwintern in großer Zahl in Naturhöhlen, Bergwerksstollen und Felsenkellern. Diese Tatsache führte dazu, dass diese Schlupfwespenart zum „Höhlentier 2017“ gewählt wurde. Die Höhlenschlupfwespe steht für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.

Das Verbreitungsgebiet der Vierfleck-Höhlenschlupfwespe erstreckt sich von Nordafrika und dem Nahen Osten über ganz Europa bis zu den britischen Inseln und Skandinavien. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis in den europäischen Teil Russlands. In Deutschland ist die Art aus allen Höhlengebieten bekannt. 

Die Weibchen der schwarzgelben Vierfleck-Höhlenschlupfwespe haben einen weißen Ring auf den langen Fühlern. Auf ihrem schwarzen Hinterleib befinden sich vier helle Flecken, die Oberschenkel der Hinterbeine sind gelb. Beim Männchen fehlt der weiße Fühlerring und die Oberschenkel der Hinterbeine sind orange. Die vorderen Segmente des Hinterleibs sind bei den Männchen gelb. Die Körperlänge der Schlupfwespen beträgt 13 bis 15 Milimeter.

Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe lebt im Frühling und Sommer an Waldrändern und auf Wiesen. Bei der Eiablage ist das Weibchen wenig wählerisch: Zahlreiche Schmetterlingsarten aus mehreren Familien sind als Wirte bekannt. Nur ein einziges Ei wird in der Schmetterlingsraupe abgelegt. Diese verpuppt sich, bevor die parasitische Wespenlarve zu fressen beginnt. Die ausgewachsene Schlupfwespe schlüpft schließlich aus der Schmetterlingspuppe. Die Männchen der Vierfleck-Höhlenschlupfwespe findet man nur im Sommer. Nach der Paarung sterben diese und nur die begatteten Weibchen überwintern. Zur Überwinterung suchen die zur Ordnung der Hautflügler gehörenden Tiere frostfreie Orte wie Höhlen, Bergwerkstollen und Felsenkeller, aber auch Felsspalten oder Baumhöhlen auf. Hier sind sie bereits ab Juni anzutreffen. In unterirdischen Hohlräumen bilden die Weibchen sehr oft große Überwinterungsgesellschaften von bis zu 100 Tieren, die dicht gedrängt in Felsspalten oder Felsnischen sitzen. Dort ist sie mit Abstand die häufigste Schlupfwespenart und dringt bis in die Tiefenregion der Höhlen vor.

Mit der Wahl des Höhlentiers will der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hoehlentier.de.

 

Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V.

 


 

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