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Alarmstufe Rot: Aktuelle Rote Liste zeichnet „düsteres Bild der Lage von Flora und Fauna“

Die am Dienstag von der Weltnaturschutzunion IUCN vorgestellte Aktualisierung der Roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten zeichnet ein „düsteres Bild der Lage von Flora und Fauna“, so der WWF Deutschland. Mittlerweile haben die Experten der IUCN mehr als 112.000 Arten hinsichtlich ihres Gefährdungsstatus untersucht, mehr als 30.000 davon gelten als bedroht. „Der Mensch ist der größte Feind der biologischen Vielfalt. Lebensraumzerstörung, Wilderei sowie die Klimakrise machen uns zum Artenkiller Nummer Eins“, erklärt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Noch haben wir es selbst in der Hand, das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier zu stoppen.“

Auffällig dramatisch ist die Situation für 18 Affenarten aus Afrika und Südamerika, die aufgrund von fortschreitendem Lebensraumverlust und direkter Bejagung bedrohter sind als zuvor. Drei Schuppentierarten, zwei aus Afrika und eine aus Asien, nehmen ebenfalls in ihrem Bestand ab, so dass sie eine Bedrohungsstufe nach oben rutschen und nun als stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Schuppentiere gelten als die meistgewilderten Säugetiere der Welt. In Europa gilt das Wildkaninchen fortan in seinem ursprünglichen Lebensraum, der sich auf Portugal, Spanien und das südliche Frankreich erstreckt, als stark gefährdet. Ihr Bestand dort ist im letzten Jahrzehnt um bis zu 70 Prozent zurück gegangen, wodurch auch Beutegreifer wie der Iberische Luchs oder der Spanische Kaiseradler in ihrem Bestand bedroht werden.

Immer deutlicher wird auch die Gefährdung der Artenvielfalt durch die Erderhitzung. Das gilt sowohl an Land als auch im Meer. 37 Prozent der australischen Süßwasserfischarten sind laut IUCN inzwischen bedroht, über die Hälfte von ihnen leidet direkt unter extremen Wetterbedingungen wie Wassermangel oder einer erhöhten Wassertemperatur. Zusätzlich zur Klimakrise besteht in den Meeren weiterhin hoher Druck durch unregulierte Fischerei, was sich auch in einer höheren Gefährdungskategorie von zehn Hai- und Rochenarten bemerkbar macht. Dazu zählt auch der in Korallenriffen lebende Kurzschwanz-Ammenhai, der nun vom Aussterben bedroht ist.

Mit der Aktualisierung der Roten Liste wurden auch alle Arten von Eukalyptus untersucht. Das Ergebnis: fast ein Viertel davon ist bedroht. 812 der insgesamt 826 Eukalyptusarten kommen nur in Australien vor. Der Rückgang der australischen Eukalyptuswälder wirkt sich auch auf die Koalas aus, die auf ihn als Nahrungsquelle angewiesen sind. Aktuell machen den Beutelbären zusätzlich die Buschbrände zu schaffen, die aufgrund der klimawandelbedingten Trockenheit dieses Jahr besonders verheerend sind.

Artenschutzerfolge machen Hoffnung in der Krise

Dass es trotzdem gelingen kann, den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten, zeigen zehn Erfolgsgeschichten des IUCN-Berichts. Durch gezielte Zuchtprogramme und gutes Management wilder Populationen konnten sich acht Vogelarten sowie zwei Arten von Süßwasserfischen erholen.

Doch die Zeit zum Handeln drängt, betont die Umweltschutzorganisation WWF. Neben den aktuell stattfindenden Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz in Madrid stehen im kommenden Jahr weitere wichtige Weichenstellungen für den Schutz der weltweiten Biodiversität an: Unter anderem geht es auf der 15. UN-Konferenz zum Schutz der Biologischen Vielfalt (CBD) in China um die neue Biodiversitätsstrategie bis 2030. Der WWF fordert, dass sich die Staats- und Regierungschefs zu konkreten Maßnahmen verpflichten, mehr für den Schutz der Artenvielfalt zu tun, indem sie unter anderem bessere und wirkungsvollere Gesetze schaffen, die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln fördern, naturschädliche Subventionen abbauen und die Finanzierung von Schutzgebieten steigern. Mit dem Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 hat die Bundesregierung als Repräsentant der 28 EU-Mitgliedsstaaten während der COP15 hier eine besondere Verantwortung für den Erfolg der Verhandlungen.

Weltnaturschutzunion IUCN

WWF Deutschland (World Wide Fund For Nature)

 

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Bundesamt für Naturschutz

11.12.2019