Bayerischer Charaktervogel ist stark bedroht

Quelle/Bild: Ralf / pixelio.de

Trotz des großen Verbreitungsgebiets ist der Spatzenbestand in vielen Ländern rückläufig. Und das, obwohl der Spatz der Kulturfolger schlechthin ist: Schon vor Jahrtausenden hat er sich dem Menschen angeschlossen und wie kaum ein anderer Wildvogel eng an uns gebunden. Die indische Naturschutzorganisation „Nature Forever Society“ hat deshalb den Weltspatzentag ins Leben gerufen, der seit 2010 weltweit am 20. März auf den Rückgang von Spatzen und anderen sogenannten Allerweltsarten aufmerksam macht. Auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat sich der Initiative angeschlossen, denn es ist höchste Zeit: Seit 2016 steht der Haussperling in Bayern nun erstmals auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel. Vor allem in Großstädten und Stadtzentren tschilpen kaum mehr Spatzen. „Der Haussperling findet in bayerischen Städten immer weniger Brutmöglichkeiten und Nahrung für die Jungvogelaufzucht“, erklärt Lorena Heilmaier vom LBV-Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“ den Grund für den Rückgang. 

Der ehemalige Allerweltsvogel, der Haussperling, kann mittlerweile vielerorts gar nicht mehr als häufig bezeichnet werden. Und für viele Bayern kaum vorstellbar: „Als Charaktervogel der bayerischen Biergärten ist der Hausspatz auf der Suche nach Brezenbröseln unter vielen Biertischen im Freistaat mittlerweile verschwunden“, weiß die LBV-Spatzenexpertin. In Bayreuth zum Beispiel sieht man über ein Drittel weniger Spatzen als noch vor einem Jahr. Das zeigen erste LBV-Erhebungen.

In unseren Städten mangelt es dem Spatz vor allem an geeigneten Nistplätzen. Als Gebäudebrüter ist er auf Nischen und Hohlräume an Häusern angewiesen. Durch energetische Bauweisen und Fassadendämmungen bleibt für den Haussperling und andere Gebäudebrüter aber kaum noch Platz. „Dabei gibt es gute Beispiele, wie bei einer Gebäudesanierung verloren gegangene Brutplätze ersetzt werden können“, erklärt Heilmaier.

„Haben die Haussperlinge einen Nistplatz gefunden, stehen sie vor dem nächsten Problem, denn für die Aufzucht ihrer Küken brauchen die Spatzeneltern Insekten als Nahrung“. Um alle Jungvögel mit genügend Nahrung zu versorgen, müssen die Spatzen oft hin und her fliegen. Daher ist ein reiches Insektenangebot in der nahen Umgebung unbedingt notwendig. Städtische Grünanlagen und Gärten sind durch englischen Rasen und exotische Ziergehölze für die bayerische Insektenwelt jedoch nicht ansprechend. „Ohne Insekten gibt es aber auch kein Futter für die Spatzenküken“, bemängelt die LBV-Spatzenexpertin. „Dabei haben sich Haussperlinge als wahre Schädlingsvernichter herausgestellt, weil sie oft mehrmals im Jahr brüten und zu ihrem eigenen Schutz immer in größeren Trupps unterwegs sind“.

 

Landesbund für Vogelschutz

 


 

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20.3.2017