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Bericht der Europäischen Umweltagentur: „Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2020“ (SOER 2020)

Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2020 (SOER 2020).
Aus der Zusammenfassung:

 

SOER 2020 kurz und bündig

2020 steht Europa vor umweltbezogenen Herausforderungen ungekannten Ausmaßes und noch nie dagewesener Dringlichkeit. Obwohl die Umwelt- und Klimapolitik der EU in den vergangenen Jahrzehnten Wesentliches geleistet hat, steht Europa vor ungelösten, schwerwiegenden Problemen, etwa beim Verlust von Biodiversität, der Ressourcennutzung, den Auswirkungen des Klimawandels und den umweltbedingten Risiken für Gesundheit und Wohlergehen. [...]

Die Umwelt in Europa im Jahr 2020

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Angesichts der übergeordneten Vision und der ergänzenden Politikziele ist eindeutig festzustellen, dass Europa nicht ausreichend Fortschritte bei der Verbesserung des Umweltzustands macht. Die Ergebnisse des SOER 2020 sind klar: Maßnahmen im Bereich der Resourceneffizienz bzw. Kreislaufwirtschaft und Emissionsreduktion waren erfolgreicher als jene zum Schutz der Biodiversität und der Ökosysteme, sowie der menschlichen Gesundheit und des Wohlergehens. Trotz Erfolgen in der europäischen Umweltpolitik bleiben schwerwiegende Probleme bestehen und der Ausblick für die Umwelt in Europa für die kommenden Jahrzehnte ist besorgniserregend (Tabelle ES.1).

Es ist klar, dass das Naturkapital noch nicht entsprechend den Zielsetzungen des 7. UAP geschützt, erhalten und verbessert wird. Nur ein kleiner Teil der geschützten Arten (23 %) und Lebensräume (16 %) ist in einem befriedigenden Erhaltungszustand. Deshalb wird das europäische Ziel, den Biodiversitätsverlust bis 2020 zu stoppen, vorraussichtlich nicht erreicht. Zwar hat Europa seine Ziele in Bezug auf die Ausweisung terrestrischer Schutzgebiete und Meeresschutzgebiete erreicht, und die Bestände einiger Arten konnten sich erholen, die meisten anderen Ziele werden jedoch wahrscheinlich verfehlt.

Auf das Naturkapital gerichtete Maßnahmen haben in einigen Bereichen zu Erfolgen geführt, viele Probleme bleiben jedoch bestehen und einige verschlimmern sich. So konnte die Wasserqualität durch geringere Schadstoffeinträge zwar verbessert werden, die EU ist jedoch noch weit davon entfernt, dass alle Gewässer bis 2020 einen guten ökologischen Zustand erreichen. Das Landmanagement hat sich verbessert, die Fragmentierung der Landschaft nimmt jedoch weiter zu, worunter Lebensräume und Biodiversität leiden. Die Luftverschmutzung beeinträchtigt weiterhin Biodiversität und Ökosysteme, und 62 % der europäischen Ökosystemflächen leiden unter einem überhöhten Stickstoffgehalt, was zur Eutrophierung führt. Es wird erwartet, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität und die Ökosysteme verstärken, während Aktivitäten wie Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Industrie und Energieproduktion weiter zu einem Verlust an Biodiversität, zur Ausbeutung von Ressourcen und zu schädlichen Emissionen führen.

Im Hinblick auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft hat Europa mehr Fortschritte erzielt. Der Materialverbrauch ist zurückgegangen und die Ressourceneffizienz hat sich bei steigendem Bruttoinlandsprodukt verbessert. Die Treibhausgasemissionen sind zwischen 1990 und 2017 sowohl aufgrund politischer Maßnahmen als auch ökonomischer Faktoren um 22 % zurückgegangen. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Endenergieverbrauch ist stetig bis auf einen Wert von 17,5 % im Jahr 2017 gestiegen. Die Energieeffizienz hat sich verbessert und der Endenergieverbrauch ist in etwa auf das Niveau von 1990 zurückgegangen. Schadstoffemissionen sowohl in die Luft als auch in Gewässer wurden reduziert und die Wasserentnahme in der EU ist zwischen 1990 und 2015 um 19 % zurückgegangen.

Die jüngsten Trends sind jedoch nicht so positiv. So ist etwa der Endenergieverbrauch seit 2014 wieder angestiegen. Bei einer Fortsetzung dieses Trends könnte das Energieeffizienziel der EU für 2020 verfehlt werden. Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft sind ebenfalls gestiegen und Produktion und Verbrauch gefährlicher Chemikalien sind nicht gesunken. Der Ausblick bis 2030 zeigt, dass das aktuelle Tempo der Fortschritte nicht ausreichen wird, um die Klima- und Energieziele für 2030 und 2050 zu erreichen. Zusätzlich haben sich die Bemühungen zur Verringerung der Umweltbelastungen durch Wirtschaftssektoren mittels Umweltintegration als nicht erfolgreich erwiesen, wie das Beispiel der Landwirtschaft mit ihren anhaltenden Auswirkungen auf die Biodiversität und die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden zeigt.

Europa hat vereinzelte Erfolge beim Schutz vor umweltbedingten Risiken für die Gesundheit und das Wohlergehen erzielt. So ist etwa die Qualität des Trinkwassers und der Badegewässer in ganz Europa generell auf einem hohen Niveau. Jedoch gibt es auch hier anhaltende Probleme in einigen Bereichen und der Ausblick ist besorgniserregend. So widerstehen einige persistente und mobile Chemikalien sogar hochentwickelten Trinkwasseraufbereitungsmethoden. Auch lebt fast 20 % der städtischen Bevölkerung in der EU in Gebieten mit einer Konzentration von Luftschadstoffen, die zumindest eine der EU-Luftqualitätsnormen übersteigt, obwohl die Emissionen von Luftschadstoffen insgesamt zurückgegangen sind. Feinstaub ist für jährlich rund 400 000 vorzeitige Todesfälle in Europa verantwortlich, wobei Länder in Osteuropa überproportional betroffen sind.

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Europäische Umweltagentur: „Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2020 – Zusammenfassung“ (SOER 2020)
ISBN 978-92-9480-118-0
Doi: 10.2800/9893

 

Pressemitteilung der Europäischen Umweltagentur zu SOER 2020 vom 4.12.2019:

"Die Umwelt Europas befindet sich an einem Scheidepunkt. Wir haben in den nächsten zehn Jahren ein enges Zeitfenster, um Maßnahmen zum Schutz der Natur auszuweiten, Auswirkungen des Klimawandels zu verringern und unseren Verbrauch an natürlichen Ressourcen drastisch zu reduzieren."  
(Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA.)

 

02.01.2020