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"Bremsenfallen" – ein überflüssiger (und wahrscheinlich illegaler) Beitrag zum Insektensterben

Quelle/Bild: © Foto: Nina Jäckel

Aus Ausgabe 3-2020

Nina Jäckel, Manfred Kraemer, Bernhard Walter und Holger Meinig

Sogenannte Bremsenfallen werden meist im Umfeld von Pferdehaltungen installiert und sollen die Pferde vor Bremsen und deren Bissen schützen. Wie effektiv und selektiv dieser Fallentyp ist, wurde in einer in diesem Beitrag vorgestellten Studie untersucht. Hierzu wurden sechs Fallen im Kreis Gütersloh und eine Falle in der Stadt Bielefeld (NRW) von Mai bis Oktober 2017 einmal wöchentlich geleert und der Fang wurde im Labor bestimmt. Insgesamt wurden 53 438 Individuen aus verschiedenen Gruppen der Gliederfüßer (Arthropoda) gefangen, davon 80 – 95 % Dipteren (Zweiflügler). Die Fallen fingen insgesamt nur wenige Individuen der Bremsen (< 4 %), darunter kein einziges Individuum der Pferdebremse (Tabanus sudeticus). Bremsenfallen entnehmen nicht nur eine große Menge Biomasse aus den Nahrungsnetzen, sondern töten auch gesetzlich besonders geschützte Arten. Da nicht nur Bremsen gefangen werden, sondern überwiegend Insekten anderer Artengruppen, sollten Bremsenfallen genehmigungspflichtig sein. In Schutzgebieten und deren direktem Umfeld ist ein generelles Aufstellungsverbot zu fordern. Auch in Hinblick auf das großräumige Insektensterben ist ein Fallentyp, der nicht selektiv Insektenbestände dezimiert und damit die Biodiversität zusätzlich schädigt, nicht akzeptabel.

Bremsenfallen – Insektenrückgang – Nahrungsnetze – gesetzlicher Schutz – Genehmigungspflicht

DOI: 10.17433/3.2020.50153787.129-135

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♦ Lesen Sie auch im Schwerpunktheft 6/7-2019 von Natur und Landschaft:

Rückgang der Insektenvielfalt. Fakten, Folgen und Handlungserfordernisse

  • Analyse der bundesweiten Roten Listen zum Rückgang der Insekten in Deutschland
    von Melanie Ries, Timm Reinhardt, Ursula Nigmann und Sandra Balzer
  • Insektenvielfalt und ökologische Prozesse in Agrar- und Waldlandschaften
    von Christoph Scherber, Hannah Reininghaus, Jana Brandmeier, Georg Everwand, Vesna Gagic, Tabea Greiwe, Urs G. Kormann, Michael Meyer, Stefanie Nagelsdiek, Verena Rösch, Stephanie Sobek-Swant, Carsten Thies und David Ott
  • Bestandsrückgänge von Insekten in Schutzgebieten – bisherige Erkenntnisse aus einem laufenden Forschungsprogramm
    Martin Sorg, Axel Ssymank und Thomas Hörren

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1.3.2020