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BUND: Insektenschutz für Kommunen leicht gemacht

Mehr als 500 Städte und Gemeinden verzichten deutschlandweit bereits ganz oder teilweise auf chemisch-synthetische Gifte und schützen so die Gesundheit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner und retten Lebensraum für Insekten. Um noch mehr Kommunen für den Insektenschutz zu gewinnen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen seines Projekts "Pestizidfreie Kommune" einen Handlungsleitfaden zum Insektenschutz zusammengestellt. Diese detaillierte Anleitung soll es zukünftig noch leichter machen, kommunale Flächen insektenfreundlich und ohne den Einsatz von Pestiziden zu pflegen.

"Während die Kommunen aktiv nach Wegen suchen, um Insekten zu schützen, sich untereinander vernetzen und innovative Projekte umsetzen, verhält sich die Bundesregierung beim Insektenschutz zögerlich", sagt Corinna Hölzel, BUND-Expertin für Pestizide und Leiterin des Projekts. Zwar wurde im September ein Aktionsplan Insektenschutz verabschiedet, allerdings sind die dort aufgeführten Maßnahmen zu wenig und zu unkonkret, um das dramatische Insektensterben stoppen zu können. "Spätestens seit der Diskussion um Glyphosat und die bienengefährlichen Neonikotinoide hat unser Projekt 'Pestizidfreie Kommune' riesigen Zulauf", so Hölzel. "Bürgermeisterinnen, Stadträte und Bauhofleiter fragen, was sie tun können, um Insekten zu schützen und Pestizide zu vermeiden. Auf diese Fragen geben wir mit dem BUND-Leitfaden jetzt umfassende Antworten."

Im BUND-Leitfaden "Insekten schützen leicht gemacht!" werden die notwendigen Schritte zum Insektenschutz skizziert, beginnend bei der Planung und Kommunikation. Die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen sind immens. Im Leitfaden gibt es Anregungen für artenschützende Maßnahmen auf Wegen, Spielplätzen, Friedhöfen, in Parks und entlang von Gewässern. Ebenso finden sich Informationen, wie Kommunen eine Blühfläche richtig anlegen oder welche Möglichkeiten sie haben, Streuobstwiesen zu fördern oder ihre Straßenbeleuchtung so umzustellen, dass diese nicht mehr so häufig zur tödlichen Falle werden.

Auch die landwirtschaftlichen Flächen, die Kommunen verpachten, haben ein großes Potenzial für den Artenschutz, gleiches gilt für die Wegraine an öffentlichen Wegen, die meist in kommunaler Hand sind. Kommunen können dort neuen Lebensraum für Insekten schaffen.

Hölzel abschießend: "Insektenschutz und Grünpflege schließt sich nicht aus. Die Biodiversität auf den eigenen Flächen zu fördern, muss zudem gar nicht teuer sein. Oftmals kann man das Gute mit dem Günstigen verbinden. Denn eine Umstellung in der Bepflanzung ist meist ökonomisch günstiger." So muss eine insektenfreundliche Blühwiese mit heimischen Arten zum Beispiel nur einmal im Jahr gemäht werden, während eine Rasenfläche kaum Insekten anlockt, aber ständige Pflege sowie in Hitzesommern sogar Bewässerung braucht. Mehr Natur in der Stadt ist darüber hinaus eine riesige Chance für Umweltbildung und Erholung.

Die BUND-Tipps aus dem Leitfaden finden Sie auch online aufbereitet unter https://www.bund.net/themen/umweltgifte/pestizide/pestizidfreie-kommune/insektenschutz/:

 

Inhalt:
1 Einleitung 
2 Was nützt es Ihnen, Insekten zu schützen? 
   Die Kostenersparnis 
   Die höhere Attraktivität für Naherholung und Tourismus 
   Ein leichterer Zugang zu Fördermitteln 
3 Insektenschutz: Wie geht das? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung 
4 An welchen Orten kann man Insekten besonders gut schützen? 
   Rathaus 
   Infotafeln/Öffentlichkeitsarbeit 
   Grünflächen 
   Pflanzbeete 
   Straßenbegleitgrün 
   Kleingärten und Privatgärten 
   Insektenfreundliche Beleuchtung 
   Streuobstwiesen 
   Friedhöfe 
   Landwirtschaftliche Flächen und Pachtflächen 
   Gehwege 
   Straßenbäume 
   Spielplätze, Sportplätze und Schulhöfe 
   Neue Blühflächen auf alten Brachen 
   Gewässerschutz und -renaturierung 
   Hecken und Knicks 
   Wegränder in der Landwirtschaft in kommunaler Verantwortung 
   Wälder 

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.,


♦ Lesen Sie zu diesem Thema

Risikobewertung von Pestiziden: Wissenschaftler fordern Überarbeitung des Zulassungsverfahrens
(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), 4.4.2019 )

sowie im Schwerpunktheft 6/7-2019 von Natur und Landschaft (Rückgang der Insektenvielfalt. Fakten, Folgen und Handlungserfordernisse):

  • No Insect Respect. Eine kritische Analyse der Risikobewertung und -regulierung von Pflanzenschutzmitteln vor dem Hintergrund des Insektenrückgangs
    von Klaus Swarowsky, Steffen Matezki, Tobias Frische und Jörn Wogram

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29.10.2019