Natur und Landschaft

Aktuelles

Bündnis fordert mehr Bodenschutz in Deutschland und Europa

Landwirtschaft und Biodiversität brauchen gesunde Böden

Auch in diesem Jahr führen Hitze und Trockenheit in den meisten Teilen Deutschlands den Menschen vor Augen, wie abhängig gerade Felder, Wiesen und Wälder von den elementaren Naturgrundlagen Wasser und Boden sind.

Ein Bündnis aus Umweltbehörden, Wissenschaft und Verbänden zeigt nun auf, was zu tun wäre, um der Klimakrise zu begegnen und stellen Schritte für mehr Bodenschutz vor.

Boden und Biodiversität – Forderungen an die Politik

Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt: Prof. Dr. Gabrielle Broll
Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz: Dr. Christian Düker, christian.dueker(at)senckenberg.de
BUND: Dr. Andreas Faensen-Thiebes, andreas.faensen-thiebes(at)bund.net
Bundesverband Boden e.V. (BVB): Maike Bosold, bvboden(at)bvboden.de
Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG): Christian Ahl, dbg(at)dbges.de
WWF Deutschland: Michael Berger, michael.berger(at)wwf.de
Zukunftsstiftung Landwirtschaft: Benedikt Haerlin, haerlin(at)zs-l.de

Die Beteiligten fordern von der Politik, dass die laufenden politischen Prozesse wie das Aktionsprogramm Insektenschutz, die Ackerbaustrategie, die Pestizidreduktionstrategie, die Zukunftskommission Landwirtschaft, die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau sowie die naturschutzgerechte Ausgestaltung der künftigen gemeinsamen Agrarpolitik aufeinander abgestimmt werden müssen.

„Der bislang vernachlässigte Schutz der Bodenbiodiversität, der kontinuierliche Humusaufbau und die Regeneration der Ökosystemleistungen des Bodens insgesamt müssen stärker als bisher in den Fokus rücken. Der langfristige Erhalt des Bodenlebens und der Bodenfruchtbarkeit müssen Vorrang vor kurzfristigen landwirtschaftlichen Produktivitätssteigerungen haben. Der Handlungsbedarf ist riesig, augenfällig und überfällig“, so das Bündnis.

Parteien, Ministerien  und Regierungen sind nun gefragt, auf deutscher wie europäischer Ebene Rahmenbedingungen rasch und effektiv zu verbessern und zugleich die öffentliche Aufmerksamkeit, nicht nur für die Naturgrundlage Wasser, sondern auch auf die Unverzichtbarkeit gesunder Böden und ihrer vielfältigen Leistungen im Naturhaushalt zu richten.

„Wir werden den Dialog mit all denjenigen suchen, die sich mit dem Boden beschäftigen – sei es praktisch oder theoretisch. So hoffen wir, das Bewusstsein für die Bedeutung unserer Böden zu stärken und gemeinsam mit allen Beteiligen Lösungen für den Schutz der Böden zu entwickeln,“ so das Bündnis.

Die zur Verfügung stehenden Mittel der Europäischen Agrarpolitik (GAP), derzeit pro Jahr über 50 Milliarden Euro für die ganze Europäische Union  müssten dazu so verteilt werden, dass eine standortangepasste Bodenbewirtschaftung, eine größere Fruchtfolgevielfalt, eine ganzjährige Bodenbedeckung erreicht und der Pestizid- sowie Mineral- und Wirtschaftsdünger-Einsatz reduziert werden können. Dazu gehört auch die Schaffung dauerhafter Gehölzstrukturen in ausgeräumten Agrarlandschaften sowie die Erhöhung des Waldanteils in waldarmen Regionen.

Langfristig soll die Diskussion um eine EU-Bodenrahmenrichtlinie wieder aufgenommen werden, um einen wirksamen und verbindlichen Rechtsrahmen für alle Staaten der EU sicherzustellen, wie dies die EU-Wasserrahmenrichtlinie bereits für den Gewässerschutz leistet.

Die Allianz für mehr Bodenschutz und Biodiversität formierte sich anlässlich der von der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt organisierten Konferenz „Mit Alexander von Humboldt den Boden neu entdecken. Boden und Biodiversität – alles hängt mit allem zusammen“ am 5. Dezember 2019, um die Bedeutung der lebendigen Böden und die Dringlichkeit des Bodenschutzes stärker in der politischen Arbeit zu verankern.

Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde


 

Das könnte Sie auch interessieren:

Dr. Martin Schädler im Interview bei Planet Wissen: Lebendiger Boden – Was wir von der Natur lernen können – Planet Wissen 04.03.2020 58:55 Min. 

Das Schrumpfen der Zwerge: Durch den Klimawandel werden Bodentiere kleiner, durch eine intensive Landnutzung weniger (29.7.2020)
Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Dr. habil. Martin Schädler, UFZ-Department Biozönoseforschung, martin.schaedler(at)ufz.de

 

9.9.2020