Natur und Landschaft

Aktuelles

Das Mitmachprojekt „Schmetterlinge Deutschlands“ ruft Bürgerinnen und Bürger zur Meldung von Frostspannern auf

Quelle/Bild: Eva-Maria Bäßler. Ein Männchen des Großen Frostspanners (Erannis defoliaria).

„Schmetterlinge“ – das sind nicht nur die bunten Tagfalter, die während der warmen Jahreszeit auf Wiesen und in Gärten fliegen. Die allermeisten Falterarten sind nachtaktiv. Das Portal „Schmetterlinge Deutschlands“ zählt aktuell 3 739 einheimische Schmetterlingsarten. Sie alle sind auch jetzt in den kälteren Jahreszeiten in der Natur zu finden – als Ei, Raupe, Puppe oder Falter. „Das Gros der Arten befindet sich allerdings bereits im Überwinterungsmodus“, erklärt Dr. Matthias Nuß von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und fährt fort: „Die ‚Frostspanner‘ haben dagegen im November Hochsaison!“ Als „Frostspanner“ bezeichnet man Schmetterlinge, deren Männchen und Weibchen auch nach den ersten Nachtfrösten aktiv sind, bei abendlichen Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes.

Zu den „Frostspannern“ zählen der Große Frostspanner (Erannis defoliaria), der Orangegelbe Breitflügelspanner (Agriopis aurantiaria), der Herbst-Kreuzflügel (Alsophila aceraria), der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) und der Buchenfrostspanner (Operophtera fagata). Diese und weitere Schmetterlingsarten können im Mitmachprojekt „Schmetterlinge Deutschlands“ auf der Webseite lepidoptera.de oder mit der gleichnamigen App gemeldet werden. Verfügbar ist die Anwendungssoftware sowohl im Apple App- als auch im Google Play Store.

Die beiden Geschlechter der nachtaktiven Frostspanner unterscheiden sich deutlich. Während die Männchen – wie für einen Schmetterling üblich – vier Flügel besitzen und fliegen können, sind die Weibchen flügellos. Die Männchen werden während ihres abendlichen Fluges regelmäßig von Kunstlicht angelockt. So lassen sich die „Frostspanner“ zwar leicht nachweisen, doch das Kunstlicht stört gleichzeitig die Partnerfindung der Nachtfalter und verringert bei den Weibchen die Fruchtbarkeit. Als Folge gibt es im nächsten Frühjahr weniger Raupen in den Gehölzen, welche unter anderem Singvögel zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen.

Im Online-Portal „Schmetterlinge Deutschlands“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Freizeitforschende und Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bislang 4,2 Millionen Beobachtungen über Schmetterlinge zusammengetragen. Diese Daten fließen unter anderem in die Gefährdungsanalyse für die Rote Liste Schmetterlinge ein, deren Neubearbeitung gerade begonnen hat.
„Mindestens 60 Schmetterlings-Arten sind in Deutschland bereits ausgestorben, 114 weitere Arten sind vom Aussterben bedroht. Insgesamt 1 644 der 3 682 in Deutschland vorkommenden Arten sind bislang auf ihre mögliche Gefährdung untersucht worden“, erläutert Dr. Sandra Balzer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und ergänzt: „Für die Überarbeitung der Roten Liste werden noch aktuelle Nachweisdaten auf den Schmetterlingslandkarten benötigt. Diese können nur mit der Hilfe Vieler zusammengetragen werden! Mit der Meldung im Online-Portal kann man dazu beitragen, das Wissen über die Bestandssituation der einheimischen Schmetterlinge zu verbessern!“

Das Online-Portal und die zugehörige App sind Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens mit dem Titel „Analyse der Gefährdung der Schmetterlinge Deutschlands auf der Grundlage von Online-Verbreitungskarten zur Erstellung der neuen Roten Liste“. Projektpartner sind das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das Museum für Tierkunde in Dresden. Das Projekt wurde von 2016 bis 2019 mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert und fachlich durch das BfN begleitet und betreut. Es wird als Sektion „Schmetterlinge Deutschlands“ im Lepiforum e. V. fortgeführt. Ziel ist eine zusammenfassende, online frei zugängliche Verbreitungsdarstellung aller Schmetterlinge Deutschlands.

 

Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

 


 

♦ Lesen Sie von Natur und Landschaft auch die Beiträge

Weitere interessante Fachbeiträge finden Sie über die Artikelrecherche. ♦

 

15.11.2021