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Der Feldhamster – vom Aussterben bedroht

Dem Feldhamster droht der Hungertod während des Winterschlafes. „Dem Feldhamster geht es schlecht“, sagt Moritz Franz-Gerstein, Leiter des Projekts Feldhamsterland der Deutschen Wildtier Stiftung. Bei der Getreideernte bleiben auf den Feldern nicht genug Körner übrig, um sein Überleben zu sichern. In einer intensiven Landwirtschaft findet er obendrein kaum noch Deckung vor Fressfeinden wie Fuchs oder Rotmilan. „Wenn nicht bald die Trendwende kommt, wird der Feldhamster schon in 10 bis 15 Jahren ausgestorben sein“, fürchtet Franz-Gerstein.

Der Architekt unterm Acker ist in der Roten Liste für Deutschland bereits als vom Aussterben bedroht eingestuft. Er ist in der FFH-Richtlinie in Anhang IV aufgeführt und steht unter strengem Schutz. Ihm fehlen kleine Felder, ein vielfältiges Nahrungsangebot und strukturreiche Landschaften, wie es sie vor 60 Jahren noch gab. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft macht dem bunten Nager heute das Überleben schwer. „Circa die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands wird nur mit Winterweizen und Mais bestellt“, betont Franz-Gerstein. Die Deutsche Wildtier Stiftung steuert gegen. „Team Feldhamsterland entwickelt gemeinsam mit Landwirten Maßnahmen, die den Nager schützen“, so der Projektleiter. Eine spätere Ernte, ein späterer Umbruch der abgeernteten Felder, das Stehenlassen längerer Stoppeln über 20 Zentimeter nach der Ernte oder der Anbau von Luzerne - auch Schneckenklee genannt –  sind einfach und effektiv umzusetzen. „Je mehr Landwirte beim Schutzprogramm mitmachen, desto besser“, so Franz-Gerstein. So bekommt der Feldhamster vielleicht schon zum nächsten Erntedankfest ein paar Körner mehr ab. 

Freiwillige gesucht!

Ab Mitte April wacht der Feldhamster aus seinem Winterschlaf auf – dann finden die ersten Frühjahrskartierungen statt – bis in den Mai hinein. Die meisten Felder sind zu dieser Zeit noch nicht so hoch bewachsen, so dass die typischen Fallröhren, die der Feldhamster jedes Jahr als erstes gräbt, um ans Tageslicht zu kommen, gut zu sehen sind. Der zweite und etwas längere Kartier-Zeitraum fällt in den Hochsommer hinein. Auf den abgeernteten Feldern wird dann zwischen Ende Juni und Ende August die Suche fortgesetzt. Im Feldhamsteratlas Deutschland auf unserer Webseite werden alle Daten von den Kartierungen aus den verschiedenen Projektregionen gesammelt. Nur wenn man weiß, wo der kleine Nager noch vorkommt, können mit den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort gezielt Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Für die Kartierungen auf dem Acker sind keine Vorkenntnisse notwendig. Kontakt.


Feldhamsterland ist das deutschlandweit größte Projekt zur Rettung des Feldhamsters (Cricetus cricetus). In fünf Bundesländern sind wir aktiv, um den sympathischen Nager vor dem Aussterben zu bewahren. Denn der „Architekt unter dem Acker“ mit seinem gelblich braunen Rückenfell ist inzwischen vielerorts verschwunden. Mehr Infos: www.feldhamster.de

Das Projekt Feldhamsterland wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Bundesprogramm Biologische Vielfalt über fünf Jahre gefördert (2018 - 2023). Ziel ist es, den dramatischen Rückgang des Feldhamsters in fünf Projektregionen (Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen) aufzuhalten und eine langfristige Koexistenz zwischen Feldhamster und Landwirtschaft zu ermöglichen. Die Unterstützung durch die Landwirtschaft ist entscheidend, denn der Nager ist in vielen Gebieten auf die vom Menschen genutzte Agrarlandschaft als Lebensraum angewiesen. Die Projektkoordinatorinnen und Projektkoordinatoren setzen in den Regionen die wichtigsten Säulen des Projektes um:

  • intensive Öffentlichkeitsarbeit
  • valide Aufnahme der verbleibenden Bestände mithilfe von Ehrenamtlichen
  • gezielte Umsetzung von Maßnahmen in der Landwirtschaft

 

Deutsche Wildtier Stiftung

 

♦ Lesen Sie auch folgende Beiträge aus Natur und Landschaft in Schwerpunktheft "Feldhamster in Deutschland, 8-2014:

 

  • Der Status des Feldhamsters (Cricetus cricetus) in Deutschland von Meinig et al.
  • Maßnahmen zum Schutz des Feldhamsters (Cricetus cricetus) in Deutschland von Köhler et al.
  • Die Berücksichtigung des Feldhamsters (Cricetus cricetus) im Rahmen von Eingriffsvorhaben von Mammen et al.
  • Nicht invasive genetische Untersuchungen des Feldhamsters und ihr Beitrag zu Erfassung, Monitoring und Populationsabgrenzung von Reiners und Nowak
  • Baustopper oder Schutzobjekt? von Cyriacks

 

Weitere interessante Fachbeiträge finden Sie über die Artikelrecherche. ♦

17.10.2019