Natur und Landschaft

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Drastische Biomasseverluste bei Zikaden verschiedener Grasländer in Deutschland innerhalb von sechs Jahrzehnten

Aus Ausgabe 4-2019
 

Von Sebastian Schuch, Stefan Meyer, Julian Bock, Roel van Klink und Karsten Wesche

Der aktuellen Debatte über den allgemeinen Rückgang der Insekten in Deutschland mangelt es an gut dokumentierten Langzeitstudien. Dies ist der immensen Insektenvielfalt und dem damit einhergehenden Erfassungs- und Bestimmungsaufwand sowie fehlenden standardisierten Verfahren, insbesondere bei früheren Erfassungen, geschuldet. Wir präsentieren neuerlich Ergebnisse zur Bestandsentwicklung von Zikaden aus den Jahren 2008 – 2010, die ihrerseits auf Arbeiten aus den 1950er- und 1960er-Jahren basieren. Dank einer standardisierten Methodik sind historische und neuere Daten miteinander vergleichbar, so dass ein Verlust an Individuenzahlen klar gezeigt werden konnte. Um einen Vergleich mit den aktuell intensiv diskutierten Biomasserückgängen bei Insekten zu ermöglichen, reichen wir außerdem für unseren Datensatz erstmals berechnete Biomassen nach. Wir konnten für die wesentlichen Zikadengruppen Regressionen zwischen Trockengewicht und Individuengröße ermitteln, die es uns erlauben, von der Abundanz auf die Biomasse zu schließen. Der ermittelte Biomasserückgang für Zikadenpopulationen auf geschützten Trockenrasen Ostdeutschlands beträgt 54 % und für genutztes Feuchtgrünland in Niedersachsen sogar 78 % über einen Zeitraum von 40 bis 60 Jahren. Diese Daten unterstreichen, dass die aktuell viel zitierten Verluste der Insektenbiomasse tatsächlich beträchtlich sind und sich wohl auch verallgemeinern lassen. Darum sollten zügig Maßnahmen zur Erhaltung und zum Wiederaufbau von Insektenpopulationen ergriffen werden.

DOI: 10.17433/4.2019.50153677.141-145

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29.03.2019