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Entwaldung durch EU-Verbrauch stoppen

Quelle/Bild: Ria Sopala/pixabay.

"Mehr als zehn Prozent der in der EU gehandelten Produkte wie Fleisch, Soja für Futtermittel, Palmöl, Kaffee und Kakao tragen zur Entwaldung der Tropen bei“, sagt Hannah-Heidi Schindler, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung. 

Die EU-Kommission hat für das kommende Jahr eine Gesetzesinitiative für eine nachhaltigere Produktpolitik angekündigt. Unternehmen sollen zur Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren Lieferketten verpflichtet werden. Bis 6.10. läuft eine öffentliche EU-Konsultation zu diesem Thema. 

#together4forests, eine Koalition aus mehr als 100 Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO), darunter der WWF, Greenpeace, Friends of the Earth und die Fridays For Future-Bewegung, ruft alle EU-Bürgerinnen und Bürger auf, an der öffentlichen Befragung der Europäischen Kommission teilzunehmen.

Ein gekürztes, deutschsprachiges Formular, bei dem die Antworten, die die beteiligten Naturschutzorganisationen empfehlen, bereits angekreuzt sind, steht u.a. auf der Seite der Tropenwaldstiftung OroVerde.

 

Tag der Tropenwälder 2020  (Pressemitteilung von OroVerde, 14.9.20)

Rekord-Entwaldung versus Zukunfts-Chance: Die schlimmsten Brände im brasilianischen Amazonasgebiet seit 13 Jahren, fortschreitende Entwaldung in der Demokratischen Republik Kongo und Umwandlung von artenreichem Wald in Monokulturen in Indonesien und Malaysia. Die negativen Nachrichten rund um die Tropenwälder der Erde bestimmen inzwischen unseren Alltag. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, dass wir uns nicht an Negativrekorde gewöhnen und stattdessen die erstaunlichen Leistungen der Regenwälder wieder mehr in den Fokus rücken.

In Brasilien brennen laut Fachexperten die schlimmsten Feuer seit 13 Jahren. Allein in den ersten Tagen des Septembers sollen rund 1 000 Feuer im brasilianischen Amazonasgebiet gewütet haben. Experten sind sich einig: Die Maßnahmen der Regierung, die Brandrodungen seit Juli verbieten sollten, zeigen keine Wirkung. Es seien Maßnahmen ohne Kontrolle oder Nachverfolgung – effizienter Regenwaldschutz sieht anders aus! Die Kritik an Brasiliens Präsident Bolsonaro reißt nicht ab, aber deutliche Konsequenzen sind in der weltweiten Politik nicht zu spüren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Eine Ratifizierung des umstrittenen EU-Mercosur-Abkommens wird aktuell nicht zwingend forciert – angepasst wird es jedoch auch nicht. Doch nicht nur die Politik ist gefragt, sondern jede und jeder Einzelne von uns: Mit unserem Fleischkonsum tragen wir eine Mitverantwortung am Zustand des Regenwaldes in der Amazonasregion:

Im brasilianischen Amazonasregenwald breiten sich Brände aus wie schon lange nicht mehr. Die Verantwortung dafür hat nicht nur der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Denn 41 % der Soja-Importe der Europäischen Union stammen aus Brasilien. 20 % dieser Soja-Importe kommen von Farmen, die illegal Wälder roden. Handelserleichterungen, die das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südamerika vorsieht, würden sicher noch zu mehr Importen führen. Das Abkommen darf nicht ratifiziert werden, solange der Schutz von Natur, Menschenrechten und Klima nicht überprüfbar sichergestellt werden kann. 

Neue Rekorde an Regenwaldzerstörung

Mehr als 5 Millionen Fußballfelder an Primärwald gingen laut der University of Maryland (UMD) und dem World Resources Institute (WRI) allein im letzten Jahr verloren. Diese neuen Daten zeigen, dass der Primärwaldverlust in den 2010er Jahren fast 30 Prozent höher war als in den 2000er Jahren.Traurige Rekordhalter der Jahre 2001 – 2019 sind Brasilien (24,5 Millionen Hektar), Indonesien (9,5 Millionen Hektar) und die Demokratische Republik Kongo (4,8 Millionen Hektar). 

Schnell geraten bei so viel Negativnachrichten positive Leistungen und Lösungen, die uns intakte Tropenwälder tagtäglich bringen, aus dem Fokus. 

  • Der Regenwald als Vorbild für medizinische Innovationen
    Die Anzahl an Heilpflanzen ist in Waldgebieten besonders hoch: Jedes 4. Medikament aus unserer Apotheke enthält Wirkstoffe, die ursprünglich aus Waldpflanzen entwickelt wurden. Mit einer hohen Biodiversität, wie es sie in Tropenwäldern gibt, erhöhen wir die Chancen Behandlungsmethoden für eine Krankheit zu finden.
     
  • Intakter Tropenwald als Pandemieschutz
    Rund 2/3 aller bekannten Tier- und Pflanzenarten leben in den Tropenwäldern. Auf einem Hektar Regenwald kommen rund 18 000 Tier- und Pflanzenarten vor. Und genau diese Vielfalt sorgt für ein ausgeglichenes Ökosystem. Doch dieses Gleichgewicht ist nicht nur im Kleinen wichtig, sondern auch im Großen: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Zerstörung von Ökosystemen und der Wahrscheinlichkeit von Infektionen bei Wildtieren mit potenziell auch Menschen gefährdenden Krankheiten.
     
  • Regenwaldschutz als effizienter Klimaschutz
    Tropenwälder leisten Erstaunliches, wenn es um Kohlenstoff geht: Sie speichern über 17 % des weltweit in der Vegetation und dem Boden gebundenen Kohlenstoffes. Ein Fußballfeld großes Stück Wald in den Tropen speichert etwa die Menge CO2, die 59 Deutsche in einem Jahr ausstoßen! 
     
  • Tropenwald als Manager des Wasserhaushalts
    Der Amazonas-Regenwald gilt als Regenspender für rund die Hälfte des südamerikanischen Kontinents: Die Regenfälle im Süden Brasiliens, Paraguays und des zentrale Osten Argentiniens sowie Uruguays stehen in direkter Abhängigkeit zum Wasserkreislauf des Amazonas. Der Regenwald dort ist es, der diese Regionen im Winter mit ausreichend Regen versorgt. 
     
  • Tropischer Wald als Heimat der Superlativen:
    Der wahrscheinlich kleinste Frosch der Welt – winziger als ein Fingernagel, der kleinste Vogel der Welt – mit dem Gewicht einer Mandel oder eines der größten Blätter der Welt – 2,50 Meter in der Länge – Sie alle sind in den Tropenwäldern dieser Erde zu finden. 

OroVerde – Die Tropenwaldstiftung


 

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Entwaldungsstopp gefordert: Lebensmittelhändler unterstützen „Rettet den Cerrado“ (16.6.2020)

Deutschlands größte Lebensmittelhändler setzen sich für einen Stopp der Entwaldung und Zerstörung der einheimischen Vegetation in der Cerrado Savanne ein. In einer gemeinsamen Deklaration fordern Aldi-Nord, Aldi-Süd, EDEKA, Kaufland, Lidl, Metro, Netto Marken-Discount und Rewe die brasilianischen Sojahändler auf, die Entwaldung für die Sojaproduktion zu beenden.  

 

15.9.2020