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CBD-Sekretariat und EU-Parlament fordern 30% Naturschutzgebiete

UNO-Experten empfehlen, mindestens 30 Prozent der Erdoberfläche bis zum Jahr 2030 unter Naturschutz zu stellen (Deutschlandfunk Nova, 14.01.2020).

Im Oktober treffen sich die Länder der Welt in China, um über eine neuen Vertrag zum Schutz der Natur zu verhandeln – so ähnlich wie das 2015 in Paris fürs Klima gemacht wurde. Jetzt haben die Vereinten Nationen schon mal vorab einen ersten Entwurf für den Vertragstext ins Netz gestellt.

Darin schlagen Uno-Experten unter anderem vor, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Erdoberfläche – Land und Meere – unter Naturschutz gestellt werden sollen. So soll das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten gebremst und Ökosysteme geschützt werden. Es gibt auch jetzt schon Vorgaben für das Jahr 2020: Bis zur Weltnaturschutzkonferenz sollen 17 Prozent der Landfläche und Binnengewässer unter Schutz stehen und zehn Prozent der Weltmeere. Das Ziel wird möglicherweise noch erreicht.

Mindestens zehn Prozent der Erdoberfläche sind laut dem Vertragsentwurf für den Erhalt der Artenvielfalt besonders wichtig. Diese Gebiete sollen noch strenger als bisher geschützt werden. Außerdem soll die Umweltverschmutzung durch Pestizide und Plastik in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte reduziert werden.

Einige Forschende und Naturschützer halten es sogar für notwendig, 50 Prozent der Erde unter Naturschutz zu stellen. Welche Auswirkungen das hätte, haben sich Forschende auch schon angesehen, unter anderem in der Fachzeitschrift Nature.

 

Zero Draft of the Post-2020 Global Biodiversity Framework published by the Secretariat (Secretariat of the Convention on Biological Diversity, 13.1.2020)

The Open-Ended Working Group on the Post-2020 Global Biodiversity Framework has been tasked with advancing preparations for the development of the post-2020 global biodiversity framework. It is expected that this process will culminate in the adoption of a post-2020 global biodiversity framework by the Conference of the Parties to the CBD, at the UN Biodiversity Conference in 2020 in Kunming, China as a stepping stone towards achieving the 2050 Vision of “Living in harmony with nature".

The zero draft text of the post-2020 global biodiversity framework was released to the public on 13 January 2020.

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Schutz der Biodiversität weltweit: EU-Parlament fordert verbindliche Ziele (Pressemitteilung des Europäischen Parlaments, 16.01.2020):

  • Mindestens 10 % des EU-Haushalts zur Verbesserung der biologischen Vielfalt

  • 30 % des EU-Gebiets soll aus Naturräumen bestehen

  • Einführung von verbindlichen Reduktionszielen für die Verwendung von Pestiziden in der EU

Das Parlament fordert die Vereinbarung rechtsverbindlicher Ziele auf der bevorstehenden UN-Biodiversitätskonferenz COP 15, so wie bei der Pariser Vereinbarung zum Klimawandel geschehen.

Das Parlament hat seine Position im Hinblick auf die bevorstehende 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP 15) des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt in Kunming, China, angenommen.

Um den voranschreitenden Verlust der Artenvielfalt zu bremsen, muss die Konferenz die Ausarbeitung rechtsverbindlicher Ziele, eines detaillierten zeitlichen Ablaufs, eindeutiger Leistungsindikatoren, und von Mechanismen für Berichterstattung auf der Grundlage gemeinsamer Vorgaben „tatkräftig voranbringen“, so die Entschließung.

EU muss mit gutem Beispiel vorangehen

Das Parlament möchte, dass die geplante Strategie der EU zur Erhaltung der biologischen Vielfalt für 2030 gewährleistet, dass die EU ein Vorbild abgibt,

  • indem sichergestellt wird, dass mindestens 30 % des EU-Gebiets aus Naturgebieten bestehen;
  • durch die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme bis 2030;
  • durch Berücksichtigung der biologischen Vielfalt in allen EU-Politikbereichen und
  • indem mindestens 10 % des langfristigen EU-Haushalts (2021-2027) für die durchgängige Berücksichtigung der biologischen Vielfalt vorgesehen werden.

Die Abgeordneten unterstreichen auch die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit in der Land- und Forstwirtschaft, einschließlich eines EU-weit verbindlichen Reduktionsziels für die Verwendung von Pestiziden.

Zitat

"Für das Parlament ist entscheidend, dass europäische und weltweite Ziele für die biologische Vielfalt festgelegt werden, zu denen ein besserer Schutz der natürlichen Ökosysteme, die Verringerung des Pestizideinsatzes in Europa und die nachhaltige Gestaltung der Landwirtschaft und des Fischereisektors gehören sollten. 2020 wird ein Schlüsseljahr für die biologische Vielfalt sein, mit der Weltnaturschutzunion IUCN im Juni in Marseille und der COP15 im Oktober in China", sagte Pascal Canfin (RE, FR), Vorsitzender des Umweltausschusses.

Hintergrundinformationen

Für das Parlament hatte die Artenvielfalt stets Vorrang, und es hat wiederholt vor deren voranschreitendem Verlust gewarnt.

Das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist am 29. Dezember 1993 in Kraft getreten. Eine Delegation des Europäischen Parlaments wird vom 19. Oktober bis zum 1. November 2020 an der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP 15) des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt in Kunming, China, teilnehmen.

Die COP 15 wird voraussichtlich einen globalen Biodiversitätsrahmen für die Zeit nach 2020 verabschieden, in dem die Weichen für die biologische Vielfalt weltweit für die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus gestellt werden.

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Lesen Sie dazu auch:

Biodiversität: "Nullter Entwurf" der UN und Abstimmung im EU-Parlament

Pressemitteilung des Deutschen Naturschutzrings, 16.1.2020

17.01.2020