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Feldhamster weltweit vom Aussterben bedroht

Aktuelle Einstufung der IUCN lässt keine Ausflüchte mehr zu

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) dokumentiert es schwarz auf weiß: Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist weltweit vom Aussterben bedroht. „Das muss jetzt für alle Länder mit noch vorhandenen Feldhamsterpopulationen ein Weckruf sein“, sagt Christian Kemnade, Artenschützer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Uns war klar, dass sich in den nächsten Jahren entscheidet, ob wir die Art in Deutschland retten können. Aber wir hatten gehofft, dass wenigstens in Osteuropa noch einige stabile Populationen existieren.“

Die Rote Liste der IUCN beschreibt seit 1964 die bedrohten Wildtier- und Pflanzenarten weltweit. Diese werden in verschiedene Kategorien eingeteilt. Der Feldhamster war bislang in der Kategorie „least concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Nun hat er auf einen Rutsch drei Stufen übersprungen und wird als „critically endangered“ (vom Aussterben bedroht) geführt. Damit steht er mit dem Rücken an der Wand, denn die nächste Stufe wäre „extinct in the wild“ (in der Natur ausgestorben).

Im internationalen Feldhamsterschutz gibt es eine gut vernetzte Community. Über die „International Hamster Workgroup" tauscht sich die Deutsche Wildtier Stiftung regelmäßig mit internationalen Feldhamsterschützern aus. 2021 soll ein Treffen in Deutschland stattfinden.

Feldhamster aufzuspüren ist sehr schwierig. Selbst in Deutschland bedeutet das Kartieren von Feldhamsterbauen für Artenschützer einen großen Aufwand. „In unserem bundesweiten Schutzprojekt Feldhamsterland gehen wir systematisch mit Freiwilligen über die oft riesigen Ackerschläge und dokumentieren die Feldhamsterbaue“, erklärt Christian Kemnade. „Der Feldhamster kommt mit den gravierenden Veränderungen in seinem Lebensraum nicht klar. Er braucht eine Landwirtschaft, die ihm Vielfalt auf dem Acker bietet.“ Nur ein Beispiel: „In Deutschland stehen auf der Hälfte aller Ackerflächen Winterweizen und Mais; aber das ist viel zu einseitig.“ Denn wenn alles zum gleichen Zeitpunkt geerntet wird – meist ab Ende Juli – liegt der Acker blank. „Gerade, wenn das Weibchen seinen zweiten Wurf hat, finden die Hamster keine Deckung mehr und auch nichts mehr zu futtern“, sagt Kemnade.

Die alarmierende Klarheit schafft auch Chancen. Denn jetzt realisieren auch diejenigen Länder, die dem Schutz des Feldhamsters bisher keine Bedeutung gaben, dass grenzübergreifend etwas für den Ackerbewohner getan werden muss. „Im bundesweiten Projekt „Feldhamsterland“, das von der Deutschen Wildtier Stiftung koordiniert wird, sollen die Situation der verbleibenden Hamsterbestände in Deutschland auf wissenschaftlicher Basis eingeschätzt und gemeinsam mit Landwirten Schutzmaßnahmen ergriffen werden. „Unser Fokus liegt auf Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, da es hier noch Chancen gibt, die bestehenden Populationen zu retten“, erläutert Kemnade.

Eine spätere Ernte, ein späterer Umbruch der abgeernteten Felder, das Stehenlassen längerer Stoppeln über 20 Zentimeter nach der Ernte oder der Anbau von Luzerne – auch Schneckenklee genannt –  sind einfach und effektiv umzusetzen

Hessen:

Fortbildung – Rettung für die Letzten ihrer Art – Feldhamsterschutz praktisch – am 25. Juli 2020 um 9:30 Uhr in der Vogelschutzwarte für Hessen, Frankfurt am Main

Fortbildung – Rettung für die Letzten ihrer Art – Feldhamsterschutz praktisch – am 01. August 2020 um 9:30 Uhr im Technologie- und Innovationszentrum Gießen

Sommerexkursionen in das Reich des Feldhamsters. Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten. Für nähere Infos einfach auf den entsprechenden Termin klicken:

Deutsche Wildtier Stiftung

 

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Der Feldhamster (Cricetus cricetus) gilt in Hinblick auf Höchstspannungs-Erdkabeltrassen, die derzeit in Deutschland geplant werden, als verfahrenskritische Art. Hierbei können sich vor allem infolge baubedingter Auswirkungen durch Erdarbeiten und Bodenbewegungen artenschutzrechtliche Konflikte für die streng geschützte Art ergeben. Diese Auswirkungen sind daher bereits im Rahmen der Planung und Zulassung entsprechender Vorhaben zu berücksichtigen. Ist es aufgrund der Größe des Vorhabens sowie anderer gewichtiger Belange nicht möglich, die Lebensräume des Feldhamsters zu umgehen, müssen in der Regel Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen geplant werden, um einen Eintritt der Verbotstatbestände gem. § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zu vermeiden. Zur Wahrung der ökologischen Funktion der Fortpflanzungs- und Ruhestätten, die durch ein Vorhaben betroffen sind, können auch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) erforderlich werden. Grundsätzlich steht eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung, um die Auswirkungen von Erdkabelvorhaben auf Feldhamster-Vorkommen zu vermeiden bzw. zu minimieren, für die bei fachgerechter Durchführung eine überwiegend hohe Wirksamkeit angenommen werden kann.

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14.7.2020