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Genetische Grundlagen für den botanischen Artenschutz in Deutschland

Aus der Schwerpunktausgabe 9/10-2021 „Erfassung und Schutz der Pflanzenvielfalt

Genetische Grundlagen für den botanischen Artenschutz in Deutschland

Von Thomas Borsch und Elke Zippel

Angesichts des derzeitigen drastischen Verlusts pflanzlicher Vielfalt bekommt das Fachgebiet der Naturschutzgenetik weltweit wachsende Aufmerksamkeit. Die technischen Fortschritte, mit denen wir durch die Entschlüsselung der Genome von Organismen Einblicke in deren ­Evolution erhalten, können auch für den Schutz der heimischen Flora gewinnbringend genutzt werden. Für den Naturschutz, der zum Ziel hat, die genetische Integrität von Arten und deren Evolutionspotenzial in der sich verändernden Landschaft zu erhalten, haben molekulargenetische Daten eine herausragende Bedeutung. Mit Hilfe solcher naturschutzgenetischer Informationen können Populationsstützungen und Wiederansiedlungen gefährdeter Arten gezielt entwickelt werden. Genauso bildet eine Kenntnis der innerartlichen genetischen Vielfalt die Grundlage für den Einsatz von Regiosaatgut. Bisher liegen allerdings nur von wenigen mitteleuropäischen Arten entsprechende ausführliche Daten über ihr gesamt­deutsches Verbreitungsgebiet vor. Diese zeigen stets artspezifische Muster, die die dynamische Evolutionsgeschichte der Arten bis zu rezenter ­Fragmentierung von Populationen ­widerspiegeln. Um das Potenzial der Naturschutzgenetik in Zukunft besser und v. a. zielgerichtet einsetzen zu können, ist eine starke Vernetzung von Akteuren aus praktischem Naturschutz und Wissenschaft notwendig. Wir regen an, bundesweit geeignete Strukturen und Programme zu schaffen sowie einen regelmäßigen Austausch und den Aufbau von Kooperationen zu fördern.

DOI: 10.17433/9.2021.50153947.450-460


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1.9.2021