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Global Biodiversity Outlook 5 veröffentlicht

Quelle/Bild: Jens Junge/pixabay.

Versagen der Weltgemeinschaft beim Schutz der biologischen Vielfalt   

Der Global Biodiversity Outlook ist ein seit 2001 regelmäßig erscheinender Bericht über den Zustand der Biodiversität und wird im Auftrag der Vertragsstaaten vom Sekretariat des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt erstellt.

GBO-5 provides global summary of progress towards the Aichi Biodiversity Targets and is based on a range of indicators, research studies and assessments (in particular the IPBES Global Assessment on Biodiversity and Ecosystem Services), as well as the national reports provided by countries on their implementation of the CBD. The national reports provide rich information about the steps taken in countries worldwide in support of biodiversity conservation, sustainable use, and the fair and equitable sharing of benefits. This body of Information provides a wealth of information on the successes and challenges in implementing the Strategic Plan for Biodiversity 2011-2020 and in reaching the Aichi Biodiversity Targets.

Summary for Policy Makers

Die Weltgemeinschaft hat ihre Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt deutlich verfehlt. Nach dem am 16.9. veröffentlichten „Global Biodiversity Outlook 5“ wurde kein einziges der vor zehn Jahren für 2020 gesetzten Ziele von den 196 Vertragsstaaten des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) vollständig erreicht. Zerstörung von Lebensraum, zu intensive Landnutzung, Überfischung, Umweltverschmutzung, die Einwanderung invasiver Arten und die Erdüberhitzung bedrohen Millionen von Tieren und Pflanzen. Der Bericht zum Zustand der Biodiversität lässt nur wenige Fortschritte erkennen, wie etwa bei der Ausweisung von Schutzgebieten.

„Das Abkommen krankt an seiner Unverbindlichkeit, so ist es leider nicht verwunderlich, dass die Ziele verfehlt wurden“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas-Krüger. Ein großes Problem sei auch der falsche Einsatz von Subventionen: „Naturschädliche Subventionen sind in im vergangenen Jahrzehnt kaum reduziert worden, obwohl sich die Regierungen dazu 2010 verpflichtet hatten. Gleichzeitig fehlt es an finanziellen Anreizen für naturverträgliches Wirtschaften. Die aktuelle EU-Agrarpolitik ist ein trauriges Beispiel dafür, wie man mit viel Geld großen Schaden anrichten kann.“

Zudem fehlen vielen Schutzgebieten die Mittel für effektive Betreuung und Pflege. Allein in Deutschland fehlen nach Angaben der Bundesregierung 900 Millionen Euro jährlich für Arten- und Naturschutz. Die EU-Kommission schätzt einen europaweiten Bedarf von mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr. Der NABU unterstützt daher die Forderung des Europäischen Parlaments in den aktuell laufenden Haushaltsverhandlungen, zehn Prozent aller EU-Gelder für den Erhalt der biologischen Vielfalt bereitzustellen. Dies sollte für den mehrjährigen EU-Finanzrahmen genauso gelten wie für das geplante Corona-Hilfspaket.

In den nächsten Tagen steht die nächste Verhandlungsrunde zwischen dem EU-Parlament und der deutschen Ratspräsidentschaft an. „Angela Merkel muss im Namen der Staats- und Regierungschefs der Forderung des Parlaments nach zehn Prozent des EU-Haushalts für biologische Vielfalt nachgeben. Funktionsfähige Ökosysteme und die Artenvielfalt sind unsere Lebensgrundlage. Wir dürfen sie nicht weiter aufs Spiel setzen“, so der NABU-Präsident weiter, „Investitionen in die Biodiversität sind Investitionen in eine gesunde Zukunft. Daher muss die EU auch bei den laufenden Verhandlungen zu einem neuen globalen Übereinkommen für die biologische Vielfalt eine Führungsrolle übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen.“

Hintergrund
Im Jahr 2010 hatten sich die Vertragsstaaten der CBD auf ihrer 10. Konferenz (CBD-COP10) in Japan auf 20 konkrete Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt verständigt – die sogenannten Aichi-Ziele. Diese Ziele sollten im Rahmen des „Strategischen Plans 2011-2020“ bis zu diesem Jahr erreicht werden, um den dramatischen Verlust der Vielfalt an Arten, Genen und Ökosystemen zu stoppen. Die CBD-Vertragsstaaten hatten sich dazu verpflichtet, nationale Strategiepläne auszuarbeiten, um die Ziele gemeinsam zu erreichen. 2021 soll auf der nächsten CBD-Vertragsstaatenkonferenz ein neuer strategischer Plan verabschiedet werden.

NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


 

Lesen Sie dazu auch:

Kein einziges Ziel erreicht    (die tageszeitung, 16.9.2020)

Die Biodiversitätskonvention zeigt, wie schlecht es um den Artenschutz bestellt ist. Für das Folgeabkommen schlägt sie breite Transformationen vor.

 

und in der Ausgabe 2-2020 von Natur und Landschaft

Post-2020-Prozess der CBD: der globale Rahmen für die biologische Vielfalt wird neu verhandelt

sowie

"Das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt – Rückblick über die vergangenen 25 Jahre" von Dr. Horst Korn.

Die letzten 25 Jahre des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) werden in ihrer Entwicklung beschrieben und bewertet. Ausgehend von einer Beschreibung der globalen politischen Veränderungen Ende der 1980er-Jahre werden die ersten Schritte bei der Etablierung der CBD dargelegt, aus denen sich im weiteren Verlauf Routinen entwickelten. Schon bald nach der Gründung der CBD war der generelle Wille der Menschen zur globalen Zusammenarbeit und zur Teilhabe des Globalen Südens verflogen und die Egoismen der einzelnen Staaten traten wieder verstärkt in den Vordergrund. Trotzdem konnten global anerkannte Zielsysteme und eine Vielzahl spezifischer Arbeitsprogramme der CBD gemeinsam entwickelt und teilweise umgesetzt werden. Beispielhaft wird die Entwicklung des Arbeitsprogramms zu Wäldern über eine Zeitspanne von mehr als 20 Jahren hinweg aufgezeigt …

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17.9.2020