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Grünflächen bringen Städten Nutzen in Millionenhöhe

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) aus Berlin haben gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung berechnet, welchen ökonomischen Mehrwert Stadtgrün durch Klimaregulierung, Wasseraufnahme und -rückhaltung, Luftverbesserung und positive Gesundheitswirkungen haben könnte. Ihre Ergebnisse diskutierten sie am 12. September 2019 auf der Konferenz „Stadtgrün ist Mehrwert“ mit Akteuren aus ganz Deutschland.

Das Wissenschaftlerteam kommt zu dem Schluss, dass Ökosystemleistungen, die Grünflächen in der Stadt erbringen, Millionen wert sind und plädiert dafür, diese bei Stadtplanungsprozessen stärker zu berücksichtigen. Eine repräsentative Umfrage unter 2.500 Stadtbewohnern ergab zudem, dass sich die Menschen mehr Grünflächen, mehr Straßenbäume und mehr Natur in der Stadt wünschen.

Das dreijährige Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und will Kommunen dabei unterstützen, urbanes Grün zu erhalten und zu stärken. Im ersten Schritt wurde unter anderem ein Erhebungsbogen zur Dokumentation der Qualität städtischer Grünflächen, eine  Konzeptvorlage zur Erarbeitung kommunaler Strategien sowie ein Leitfaden zur Bürgerbeteiligung erarbeitet. In einer zweiten Projektphase soll zudem ein Online-Berechnungstool entstehen, mit dessen Hilfe der ökonomische Nutzen von Stadtgrün berechnet werden kann.

 

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Vorreiter für mehr Stadtnatur: 14 Kommunen erhalten Label „StadtGrün naturnah“
Bad Saulgau in Baden-Württemberg, Riedstadt in Hessen sowie die Gemeinde Haar in Bayern  erhielten am 19.9. das Label in Gold. Auszeichnungen in Silber und Bronze gehen an die Städte Bad Langensalza, Bonn, Bremerhaven, Dortmund, Friedrichshafen, Glauchau, Hildesheim, Köln, Mittelangeln, Neustadt an der Weinstraße und Trier.

 

Hintergrund:

Der Ausbau öffentlicher Grünflächen im Rahmen der Klimaanpassung ist Aufgabe der Kommunen. Jedoch zeigt die kommunale Praxis, dass bei der Stadtentwicklung Biodiversität und Klimawandel selten berücksichtigt werden. Oftmals fehlt es den Kommunen an Wissen und Argumenten über den Wert urbaner Grünflächen, die Integration der biologischen Vielfalt, sowie die durch Grünflächen erbrachten Ökosystemleistungen. Gleichzeitig gibt es Potenzial, beispielsweise durch lokal verankertes Fachwissen oder vereinzelt entwickelte Strategien. Das Projekt STADTGRÜN hat zum Ziel, darauf aufbauend eine Argumentationsgrundlage für den Erhalt und Ausbau kommunaler Grünflächen zu schaffen und eine Strategie zu entwickeln, die von einer breiten Bevölkerung akzeptiert wird.

Das Forschungsvorhaben unterstützt die vier Städte Augsburg, Karlsruhe, Leipzig und Nürnberg dabei, Maßnahmen der Grünflächengestaltung zu identifizieren, auszuwählen und umzusetzen, die gleichzeitig sowohl die Klimaresilienz urbaner Räume erhöhen als auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Hierzu werden zentrale Ökosystemleistungen urbaner Grünflächen erfasst und ökonomisch bewertet. Durch die Monetarisierung soll der Wert von Stadtgrün sichtbar werden.

Ein geplantes Onlinetool wird es Kommunen ermöglichen, die Effekte urbaner Grünflächen und deren Wert in ihrer Vielschichtigkeit abzubilden und Argumente zu deren Erhalt und Ausweitung zu generieren. Mit dem Ziel, weitere Akteure in den Erhalt und die Erweiterung von Stadtgrün einzubinden, soll gemeinsam mit den vier Partnerkommunen eine Kommunikations- und Beteiligungsstrategie erarbeitet und erprobt werden. Dadurch wird der Transformationsprozess durch breite Bürgerbeteiligung unterstützt und Akzeptanz und Mitgestaltung gefördert.

Das Vorhaben „Stadtgrün wertschätzen – Bewertung, Management und Kommunikation als Schlüssel für eine klimaangepasste und naturnahe Grünflächenentwicklung“ führt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung durch. Als Partnerstädte sind die Städte Augsburg, Karlsruhe, Leipzig und Nürnberg beteiligt. Das Projekt ist Teil der Fördermaßnahme „Nachhaltige Transformation urbaner Räume“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms Sozial-ökologische Forschung (SÖF).

UN-Dekade Biologische Vielfalt Geschäftsstelle

 

 

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15.10.2019