Natur und Landschaft

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Heute: Tag des Ehrenamts

Quelle/Bild: © NABU (Freianzeige)

Gemeinnützige Vereine sind Stütze der Gesellschaft
Politisches Engagement stärkt die Demokratie – Beteiligungsrechte nicht schwächen, sondern stärken

Ohne das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre es um die wildlebenden Pflanzen und Tiere mit ihren Lebensräumen schlecht bestellt. Allein im NABU kümmern sich in 2.000 örtlichen Gruppen rund 40.000 Naturschutzmacherinnen und Naturschutzmacher um wertvolle Streuobstwiesen, Trockenrasen oder Fließgewässer. Nicht weniger als drei Millionen Stunden unbezahlter Arbeitszeit leisten sie jährlich im Sinne der guten Sache. Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Arten- und Klimaschutz wächst nach Beobachtungen des NABU die Bereitschaft von Bürgerinnen und Bürgern,  sich aktiv am Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu beteiligen.

„Umso wichtiger ist es, dass die Politik die richtigen Weichenstellungen unternimmt, um das Engagement zu fördern. Notwendig sind konkrete Hilfen auf lokaler Ebene, damit zum Beispiel ehrenamtliche Vereinsvorstände mit der wachsenden Zahl von Gesetzen und Vorschriften, die auch das Ehrenamt betreffen, besser und rechtssicher umgehen können“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.  Die von der Bundesregierung geplante Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt  müsse daher so ausgerichtet sein, dass sie tatsächlich praktische Hilfestellungen gibt und das Engagement konkret fördert und unterstützt. Das bedeute auch gezielte Unterstützung bei bürokratischen Anforderungen wie zum Beispiel der Datenschutzgrundverordnung.

Ein klares Bekenntnis zur Bedeutung ihres dem Gemeinwohl dienenden Engagements erwarten die NABU-Ehrenamtlichen auch, wenn es um die steuerrechtliche Würdigung ihrer Arbeit geht. „Wer die Gemeinnützigkeit des verbandlichen Natur- und Umweltschutzes in Frage stellt,  nur weil sich ein Umweltverband kritisch zur Umwelt-, Naturschutz- oder Klimapolitik der Regierung äußert, brüskiert alle diejenigen, die sich selbstlos und unentgeltlich in den Dienst der guten Sache stellen.  Am Recht von Umweltverbänden, sich politisch einzumischen, darf sich nichts ändern“, so Krüger. Umweltverbände seien eine notwendige Stimme der Zivilgesellschaft und kritische und engagierte Bürgerinnen und Bürger ein Fundament der Demokratie.

Kritisch sieht der NABU auch die von interessierten politischen Kreisen immer wieder eingeforderte Beschneidung von Mitwirkungsrechten und die Beschleunigung von Verfahren, die zu Eingriffen in den Naturhaushalt führen.  Umweltverbände haben durch ihr gerichtliches Engagement erst dafür gesorgt, dass EU-Umweltvorgaben oder Völkerrecht in Deutschland tatsächlich auch umgesetzt werden.

Die Herausforderungen im Arten- und Klimaschutz können nur unter aktiver Beteiligung einer engagierten Öffentlichkeit bewältigt werden. „Ohne Bürgerinnen und Bürger, die aktiv mithelfen, ihre Wohnorte an sich verändernde Klimabedingungen anzupassen oder vor Ort dafür sorgen, dass Moore durch Naturschutzmaßnahmen wieder zu Verbündeten im Klimaschutz werden, wird es nicht gehen. Die Bereitschaft zum Anpacken und Mitmachen ist da. Die Politik muss fördern und dort, wo es notwendig ist, Steine aus dem Weg räumen, damit auch in Zukunft viele Menschen Interesse und Spaß am ehrenamtlichen Engagement haben“, so der NABU-Präsident.

Naturschutzbund Deutschland e.V.

 

Ehrenamt im BUND: Zukunft mit Herausforderung.
(Auszug aus: Natur und Landschaft 3-2019, Schwerpunktausgabe Naturschutz und Ehrenamt)

Fangen wir mit guten Nachrichten an: Der Anteil engagierter Personen im Umwelt-, Natur- und Tierschutz hat sich in den vergangenen 15 Jahren
verdoppelt (Simonson et al. 2016). Die Potenziale für freiwilliges, ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich sind hoch. [...] Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) wider. Konkret: Die Zahl der Unterstützerinnen und Unterstützer steigt kontinuierlich an und hat sich seit 2010 um 135 000 auf 585 000 erhöht. Die Zahl der ehrenamtlich Aktiven bleibt in den 16 Landesverbänden mit 2 000 Orts- und Kreisgruppen sowie Landes- und Bundesarbeitskreisen bei rund 30 000 relativ konstant. Neue Aktive werden weiterhin gewonnen. Die Zahlen bilden jedoch nicht ab, dass gesellschaftliche Veränderungen – wie ein verändertes Engagementverhalten oder die abnehmende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – den BUND vor Herausforderungen stellen. [...]

Bürokratisierung im Ehrenamt

Die steigenden rechtlichen Anforderungen und bürokratischen Hürden bedeuten einen erheblichen Aufwand für Ehrenamtliche. Dies hält  ehrenamtliche in ihren Augen vom eigentlichen Engagement ab. Mit dem eigenen Anspruch an verbandliche Information und Partizipation sowie an Kooperation mit Bündnispartnern vergrößert sich die Aufgabenfülle zusätzlich. Die Politik ist deshalb dringend gefragt zu entbürokratisieren. Innerhalb des Verbands werden mehr unterstützende Rahmenbedingungen – wie Fortbildungen, passgenaue Vorlagen oder konkrete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner – benötigt. So könnte dem nötigen Maß an Bürokratie der Schrecken genommen werden. 

Steigende Anforderungen an Fachkompetenz 

Die zunehmende Professionalisierung des Natur- und Umweltschutzes stellt immer höhere Anforderungen, die ehrenamtlich kaum noch zu erfüllen
sind. Um Naturschutzinteressen kompetent vertreten zu können, werden langjährige Erfahrung und Fachwissen benötigt. Die damit einhergehende
hohe zeitliche Inanspruchnahme wirkt immer weniger attraktiv auf neue Aktive. Mentoringprogramme bieten ein hohes Potenzial, Interessierten
den Einstieg zu ermöglichen. Sie können mit der Gewissheit anfangen, nicht mit den hohen fachlichen und zeitlichen Anforderungen alleingelassen
zu werden.

Digitalisierung

Die Digitalisierung erleichtert Engagement – stellt aber auch neue Anforderungen. Es entstehen neue Angebote – beginnend beim Internetauftritt der BUND-Gruppen über E-Mailings, Newsletter und soziale Medien bis hin zur Verwendung von Petitions- und Kollaborationstools. Digitalisierung bedeutet aber auch die Auseinandersetzung mit neuen Strategien, Techniken und Datenschutzanforderungen, die Bewältigung von hohem Kommunikationsaufkommen und zusätzlichen Ressourcen sowie die Zusammenarbeit von Digital Natives und „Neuland“-Betretenden.

[...]

Martina Löw,  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)

 

Folgende Artikel finden Sie in Natur und Landschaft 3-2019
(ausführlicher: siehe https://www.natur-und-landschaft.de/de/news/naturschutz-und-ehrenamt-1103)

  • Die Rolle des Ehrenamts in unserer Gesellschaft – Entwicklungen und Herausforderungen für den Naturschutz
    Von Ulrike Hoffmann, Beate Job-Hoben, Karl-Heinz Erdmann und Joachim Winkler
  • Freiwilligenarbeit im Naturschutz – Motivation und Hemmnisse
    Von Anke Blöbaum und Hannah Wallis
  • Digitale Medien und Technologien im ehrenamtlichen Naturschutz
    Von Anett Richter
  • "Ehrensache Natur" – Erfahrungen aus 15 Jahren Freiwilligenmanagement in den Nationalen Naturlandschaften
    Von Anne Schierenberg und Manfred Lütkepohl
  • Fachverbände strukturieren ehrenamtliche Arbeit im Naturschutz
    Von Christoph Sudfeldt und Marco Thines

 

05.12.2019