Natur und Landschaft

Aktuelles

Moorschutzprojekte mit Vorbildcharakter

Die Renaturierung beziehungsweise die Vernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden hat ein enormes CO2-Minderungspotenzial. Nur noch fünf Prozent der Moore in Deutschland gelten als naturnah. Und die entwässerten und intensiv genutzten Moore sind für über vier Prozent der Gesamtemissionen Deutschlands an CO2-Aquivalenten verantwortlich. Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, besucht derzeit auf einer Reise zum Thema "Naturschutz im Zeichen des Klimawandels" Projekte mit Vorbildcharakter. 

Dass sich in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft Moorlebensräume wiederherstellen lassen, zeigt der Feldversuch "Optimoor", geleitet vom "Europäischen Fachzentrum Moor und Klima" (EFMK) aus Wagenfeld und wissenschaftlich begleitet von der Universität Rostock. Hochmoore gehören zu den in Deutschland am stärksten gefährdeten Biotoptypen und sind mittlerweile auf ein Prozent ihrer ehemaligen Ausdehnung zurückgedrängt worden. Gute Ausgangsbedingungen für eine Wiedervernässung bieten als Grünland genutzte Hochmoore. Denn dort sind noch wasserdurchlässige Weißtorfe im Untergrund vorhanden, die das Wasser schnell in die ganze Fläche leiten. Bisherige Hochmoorsanierungen konzentrieren sich vor allem auf ehemalige Torfabbauflächen, wo stark verdichtete und dadurch schlechter vernässbare Schwarztorfe anstehen. Auf der Modellfläche "Optimoor" wurden unterschiedliche Ausgangsbedingungen geschaffen und bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Entwicklung einer moortypischen Vegetation und Fauna sowie der Kohlenstoffspeicherung getestet, erläuterte Gerald Jurasinski von der Universität Rostock. Aus den Ergebnissen sollen übertragbare Sanierungsempfehlungen für entwässertes und landwirtschaftlich intensiv vorgenutztes Hochmoorgrünland abgeleitet werden.

Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz

Die "Hammeniederung" im Landkreis Osterholz weist als Teil der Teufelsmoorregion fast vollständig Moorböden auf. Das ehemalige Naturschutzgroßprojekt ist heute nicht nur Naturschutzgebiet. Die erfolgreiche Renaturierung von Mooren in der Hammeniederung kann auch beispielgebend für andere Projekte sein – in Niedersachsen und darüber hinaus. Die Hammeniederung ist eines von zehn Projekten zum Moorschutz, die bislang im Programm "chance.natur" – Bundesförderung Naturschutz" finanzielle Unterstützung erhalten haben. Im Naturschutzgroßprojekt wurde eine ackerbauliche Nutzung der Flächen ausgeschlossen und die Grünlandnutzung deutlich extensiviert.

Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz

Die Entwicklung des sachsen-anhaltinischen Drömlings erzählt eine Erfolgsgeschichte: einst Naturpark und Naturschutzgebiet, jetzt auch Biosphärenreservat – und künftig wohl auch Teil eines Nationalen Naturmonuments. Der Drömling umfasst etwa 280 Quadratkilometer in Sachsen-Anhalt und rund 40 Quadratkilometer angrenzend in Niedersachsen. Es handelt sich um eines der größten durch Niedermoore geprägten Niederungsgebiete Norddeutschlands. Der sachsen-anhaltinische Drömling wurde in den Zeiträumen 1992 bis 2003 sowie 2008 bis 2012 als chance.natur-Projekt gefördert, das konkrete Fördergebiet umfasste dabei 10.365 Hektar. Das Projekt beinhaltete folgende zentrale Projektziele: Erhaltung und Wiedervernässung des Niedermoores, Erhaltung und Entwicklung des Feuchtgrünlandes, Extensivierung des Grünlandes, Entwicklung naturnaher bzw. ungenutzter Wälder, Wiederherstellung von Flutmulden und Tümpeln, Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Hauptfließgewässer wie der Ohre.

Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz

Auch die Erfolgsaussichten von Naturschutzmaßnahmen schwinden durch den Klimawandel. Können Anpassungsmaßnahmen helfen? Und wenn ja, welche? Dieser Frage geht das Projekt "Kompensationsflächenmanagement im Klimawandel", kurz "KommKlima", in Bremen nach. Im Umfeld der Stadt befinden sich zahlreiche Grünlandflächen, die als Kompensation für Eingriffe angelegt wurden. Im neuen Grünlandpolder in Niedervieland wird mit Hilfe eines Windrads Wasser aus umliegenden Fleeten zugeführt und so der Boden auch bei ausbleibenden Niederschlägen feucht gehalten. Schon kurz nach der Inbetriebnahme des errichteten Windschöpfwerkes konzentrierten sich die Wiesenvögel in diesem Bereich. Das zeigt, wie wichtig zukünftig solche feuchten Oasen im Grünland für seltene und gefährdete Wiesenvögel sein werden.

Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz

Bundesamt für Naturschutz

 

Diese Artikel von Natur und Landschaft könnten Sie auch interessieren:

  • "Umsetzung und Ergebnisse des Naturschutzgroßprojekts "Drömling/Sachsen-Anhalt" von Kausche und Scherfose in Ausgabe 1-2019
  • "Moore im Rechtssystem der Europäischen Union. Eine Analyse anhand ausgewählter Mitgliedstaaten" von Peters und von Unger in Ausgabe 2-2019
  • "Naturschutzgroßprojekt 'Allgäuer Moorallianz'" von Weiland et al. in Ausgabe 1-2017
  • "Die neuen MoorFutures® – Kohlenstoffzertifikate mit ökologischen Zusatzleistungen" von Joosten et al. in Ausgabe 4-2015

Weitere interessante Fachbeiträge finden Sie über die Artikelrecherche. ♦

 

15.8.2019