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Nachruf auf die Strand-Schmiele

Die Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) kommt weltweit nur am Bodensee vor – leider womöglich nicht mehr lange. Denn die Süßgras-Art ist inzwischen stark vom Aussterben bedroht.

Bis etwa 2000 gab es auch noch am bayerischen Bodenseeufer große Bestände der Art, dann nahmen diese deutlich ab und verschwanden ab 2005 völlig. 2016 wurden die letzten zwei Exemplare am bayerischen Bodenseeufer gefunden, 2017 waren auch diese verschwunden. Zum einen sind die Ursachen wohl in den massiven Treibholzanlandungen zu suchen, zum anderen in der durch den Klimawandel bedingten Veränderung der Überschwemmungsdynamik. In den wärmeren Wintern wird nicht genügend Niederschlag als Schnee gebunden, so dass das winterliche Trockenfallen des Ufers ausbleibt und die sommerliche Überschwemmung geringer ausfällt.

Die Strand-Schmiele wächst in sogenannten Strandrasen im Bereich der Überschwemmungszone und ist optimal an die natürlichen Wasserstandsschwankungen des Bodensees angepasst. Einzigartig macht diese Pflanze ihre Fähigkeit scheinbar „lebend zu gebären“ (Pseudoviviparie) – sie bildet anstatt Samen direkt junge Graspflänzchen auf ihren Blüten.

Derzeit wird in einem Projekt versucht, die Art am bayerischen Bodenseeufer wieder auszuwildern. Hierzu werden Erhaltungskulturen der Strandschmiele, auch aus ehemaligen bayerischen Herkunftsgebieten, an verschiedenen Standorten ausgebracht und deren Entwicklung untersucht.

Um den Zustand der bayerischen Pflanzenwelt, wie bei der Strand-Schmiele, über Zeit und Raum zu erfassen und zu dokumentieren, wurde 2011 die Initiative „Flora von Bayern“ gegründet. Ziel des Projekts ist es, alle natürlich vorkommenden Gefäßpflanzen einschließlich der neu eingebürgerten, invasiven, aber auch der ausgestorbenen Arten zu beschreiben, analog vorliegende Informationen digital zu sichern und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitsgemeinschaft „Flora von Bayern“, gegründet von meist ehrenamtlich arbeitenden Pflanzenkennern, mobilisiert, optimiert und erweitert ihre Datensammlungen kontinuierlich, um in den nächsten Jahren einen umfangreichen Pflanzenatlas „Flora von Bayern“ zu veröffentlichen.

Neben den vielen engagierten, ehrenamtlichen Kartierern wird das Projekt „Flora von Bayern“ mitgetragen von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft und dem World Wildlife Fund Deutschland (WWF D).

Die Archivierung und Publikation der umfangreichen Datenbestände erfolgt zentral am IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB IT Center). „Die uns derzeit vorliegenden rund 14 Millionen historischen und aktuellen Verbreitungsdaten aus Bayern ermöglichen es Rückschlüsse auf die Dynamik von Rückgang und Ausbreitung von Pflanzen zu ziehen. Dies ist wichtig, um den Gefährdungsgrad einzelner Sippen genauer zu beurteilen und Ereignissen wie dem Aussterben der Strand-Schmiele in Bayern frühzeitig entgegenzuwirken“, erläutert Dr. Dagmar Triebel, fachliche Leiterin im Bereich Biodiversitätsinformatik, SNSB-BSM.

 

Botanische Staatssammlung München

 


 

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11.7.2018