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Neue Professuren und Promotionskolleg zum Thema „Biodiversitätswandel in Raum und Zeit“

Im Rahmen der Landesinitiative „Integrative Taxonomie“ zur Vermittlung und Stärkung von Artenkenntnis und biologischer Vielfalt werden zwei neue Professuren im Bereich „Integrative Taxonomie der Insekten“ eingerichtet an der Universität Hohenheim und im Bereich „Biodiversitätsmonitoring“ als gemeinsame Berufung von Universität Hohenheim und dem Staatlichem Museum für Naturkunde Stuttgart. Ergänzend wird ein Promotionskolleg zum Thema „Biodiversitätswandel in Raum und Zeit“ die Arbeit aufnehmen. 

Neben dem fortschreitenden Klimawandel stellt das Artensterben das zweite existenzbedrohende Problem für die Menschheit dar. Auch wenn die Lösung dieses Problems eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, werden Experten für Taxonomie, Ökologie und Evolution dabei eine zentrale Rolle spielen. Aufgrund des rasanten wissenschaftlichen Fortschritts der Molekularbiologie in den letzten Jahrzehnten kam es zu einer Neugewichtung der Forschungs- und Lehrinhalte an den Universitäten, sodass gegenwärtig in den grundlegenden biologischen Teilbereichen Taxonomie, Morphologie, Ökologie und Evolution kaum noch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgebildet werden. Wichtig ist es aber, unterschiedliche Methoden aus diesen Bereichen zu kombinieren und die Ergebnisse in Forschung und Lehre optimal zu nutzen, um Strategien gegen das Artensterben zu entwickeln.

„Wir brauchen dringend exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs, um die Expertise zur Biodiversität langfristig zu stärken. Das gemeinsame Promotionskolleg des Naturkundemuseums Stuttgart und der Universität Hohenheim bietet bundesweit eine einmalige Möglichkeit für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Taxonomie zu forschen und für die Erhaltung der Artenvielfalt einen Beitrag zu leisten“, betont Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart und die Universität Hohenheim werden zukünftig verstärkt die dringend benötigten Artenkenner ausbilden und mit einem gemeinsamen Promotionskolleg zum Thema „Biodiversitätswandel in Raum und Zeit“ die Forschung und Ausbildung im Bereich der Taxonomie voranbringen.

Wissenschaftliches Ziel des Promotionskollegs ist die Analyse des aktuellen Zustands der Biodiversität, die Untersuchung wesentlicher Faktoren, die für den zeitlichen und räumlichen Wandel der Biodiversität verantwortlich sind sowie die Erstellung von Prognosen für die zukünftige Entwicklung. „Mit der wissenschaftlichen Expertise und den umfangreichen Forschungssammlungen des Hauses können wir gemeinsam mit der Universität Hohenheim einen wesentlichen Beitrag zur strukturierten, systematischen Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden leisten“, so die Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, Prof. Dr. Johanna Eder. Die Universität und das Museum kooperieren bereits seit vielen Jahren erfolgreich in Forschung und Lehre. Forschungsschwerpunkte des Kollegs werden sein: Ökosysteme im Wandel, Mechanismen der Artbildung, Rückgang von Insekten- und von Pflanzenarten.

„Um dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken, ist es dringend geboten, sowohl die taxonomische Forschung zu forcieren als auch Artenkenntnisse und das Verständnis für ökologische Zusammenhänge zu vermitteln“, betont der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Stephan Dabbert. „Durch die Kooperation zwischen dem Naturkundemuseum und der Universität Hohenheim entstehen Synergien in Forschung und Ausbildung, die im neuen Promotionskolleg voll zum Tragen kommen.“

Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Landesinitiative „Integrative Taxonomie“. Die Landesregierung will damit mehr Bewusstsein für das Artensterben schaffen und die Weiterbildung in diesem Bereich fördern. Mit diesem Ziel wird ein „Zentrum Integrative Taxonomie“ an der Universität Hohenheim und am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart eingerichtet. Das Promotionskolleg stellt eine Ergänzung dazu dar und wird vom Wissenschaftsministerium durch die Förderung von Promovierenden unterstützt.

Zentrum für Integrative Taxonomie

Im Zentrum für Integrative Taxonomie werden Fachexpertise, Daten und Methoden aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, die an den Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Naturkundemuseen in Baden-Württemberg vorhanden sind, zusammengeführt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten dort sowohl mit den klassischen – beschreibenden – taxonomischen Ansätzen als auch mit ökologischen, genetischen und bioinformatischen Methoden, um daraus neue Technologien und Methoden zu entwickeln, die es ermöglichen, den Zustand der Artenvielfalt besser zu erfassen.

Kontakt für Fachinformationen:

Prof. Dr. Lars Krogmann, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Abteilung Insektenkunde,
Universität Hohenheim, Fachgebiet Systematische Entomologie

Prof. Dr. Johannes Steidle, Universität Hohenheim, Fachgebiet Tierökologie

 


Lesen Sie dazu auch:

Nur noch wenige Jahre Zeit: Insektensterben aufhalten

und im Schwerpunktheft 6/7-2019Rückgang der Insektenvielfalt. Fakten, Folgen und Handlungserfordernisse:

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    Martin Sorg, Axel Ssymank und Thomas Hörren
  • Insektenrückgang und -schutz in den fragmentierten Landschaften Mitteleuropas
    Thomas Fartmann, Dominik Poniatowski, Gregor Stuhldreher und Merle Streitberger
  • No Insect Respect. Eine kritische Analyse der Risikobewertung und -regulierung von Pflanzenschutzmitteln vor dem Hintergrund des Insektenrückgangs
    von Klaus Swarowsky, Steffen Matezki, Tobias Frische und Jörn Wogram
  • Bestandsentwicklungen und Schutz von Insekten. Analysen und Aussagen des Weltbiodiversitätsrats (IPBES)
    von Josef Settele
  • Der Verlust der Insektenvielfalt – ein Kommentar der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE)
    von Jürgen Gross und Olaf Zimmermann

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21.11.2019