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Neues Insektenschutzprogramm ist wichtiger Schritt in richtige Richtung

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: Maßnahmen schnell umsetzen, damit Programm zum Erfolg wird

Der NABU begrüßt das Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung, das am 4.9. vom Kabinett beschlossen wurde. Erstmals gibt es damit in Deutschland ein spezielles Programm zum Schutz einer Gruppe von Lebewesen.

„Die Bundesregierung hat die Systemrelevanz der Insekten erkannt. Die  Leistungen von Wildbienen und Co. als Bestäuber und im Nahrungsnetz können wir gar nicht hoch genug einschätzen. Doch durch Lebensraumverlust, hohen Pestizideinsatz und Überdüngung verschwinden Insekten in rasantem Tempo. Ein bundesweites Aktionsprogramm zu ihrem Schutz ist entscheidend – aber es darf kein Papiertiger werden. Ein Erfolg wird es erst dann, wenn die Bundesregierung jetzt alle Maßnahmen schnell und ohne Ausnahmen umsetzt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Positiv bewertet der NABU, dass die Bundesregierung ab sofort 100 Millionen Euro pro Jahr für den Insektenschutz bereitstellt. Finanziert werden sollen damit Forschungsprojekte, die Erfassung der Insektenbestände in Deutschland und Schutzmaßnahmen in Landwirtschaft, Städten, Wäldern und an Gewässern. Neu ist, dass künftig auch Lebensräume aufgrund ihrer Bedeutung für Insekten geschützt werden können. Dazu zählen etwa Säume und Hecken als Übergänge zwischen verschiedenen Zonen, wie Wald und Feld. Zudem soll es erstmals ein Insektenschutzgesetz geben, das Regelungen zu Biotopen, Abständen zu Gewässern, dem Einsatz von Herbiziden und Pestiziden sowie zur Düngung bündeln soll.

Künftig werden auch in zahlreichen Schutzgebieten Herbizide und Insektizide verboten sein, in denen ihr Einsatz bislang erlaubt war – dies kann für bis zu 20 Prozent der deutschen Landesfläche gelten. Auch bei seinen eigenen Institutionen möchte der Bund künftig auf Insektengifte verzichten, etwa bei der Bundeswehr, an Bundesfernstraßen und Bahngleisen. „Alle diese Maßnahmen müssen jetzt ohne wenn und aber umgesetzt werden. Die dramatische Situation der Insekten duldet keinen Aufschub“, so Miller.

Der NABU begrüßt auch, dass im kommenden Jahr über 70 Millionen Euro zusätzlich an EU-Agrargeldern in Naturschutzmaßnahmen der Bundesländer umgeleitet werden können. Dies reicht nach Einschätzung des NABU allerdings nicht aus: Bis zu 15 Prozent der pauschalen Flächensubventionen können auf diese Weise umgewandelt werden, Deutschland nutzt jetzt jedoch statt bislang 4,5 nur sechs Prozent – und das zunächst auch nur für 2020. „Dieser Schritt war überfällig. Hierzulande klafft eine riesige Finanzlücke von fast einer Milliarde im Naturschutz, da ist diese Umschichtung viel zu gering. Der entscheidende Hebel für das Überleben der Insekten liegt ohnehin in Brüssel: Die Bundesregierung muss jetzt eine naturverträgliche Agrarreform  vorantreiben, die Standards und Anreize für insekten- und klimaschonende Produktion setzt und die umweltschädlichen Flächenprämien beendet“, so Miller.

Forderungen des NABU zum Insektenschutz: www.NABU.de/imperia/md/content/nabude/insekten/180302-aktionsprogramm_insekten_nabu-hintergrund.pdf

NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


♦ Lesen Sie zu diesem Thema auch das Schwerpunktheft 6/7-2019 von Natur und Landschaft:

Rückgang der Insektenvielfalt. Fakten, Folgen und Handlungserfordernisse

  • Insektenvielfalt und ihre Funktion in Ökosystemen
    von Thomas Schmitt
  • Zur ökonomischen Bedeutung der Insekten und ihrer Ökosystemleistungen
    von Bernd Hansjürgens, Christoph Schröter-Schlaack und Josef Settele
  • Analyse der bundesweiten Roten Listen zum Rückgang der Insekten in Deutschland
    von Melanie Ries, Timm Reinhardt, Ursula Nigmann und Sandra Balzer
  • Insektenvielfalt und ökologische Prozesse in Agrar- und Waldlandschaften
    von Christoph Scherber, Hannah Reininghaus, Jana Brandmeier, Georg Everwand, Vesna Gagic, Tabea Greiwe, Urs G. Kormann, Michael Meyer, Stefanie Nagelsdiek, Verena Rösch, Stephanie Sobek-Swant, Carsten Thies und David Ott
  • Bestandsrückgänge von Insekten in Schutzgebieten – bisherige Erkenntnisse aus einem laufenden Forschungsprogramm
    Martin Sorg, Axel Ssymank und Thomas Hörren
  • Insektenrückgang und -schutz in den fragmentierten Landschaften Mitteleuropas
    Thomas Fartmann, Dominik Poniatowski, Gregor Stuhldreher und Merle Streitberger
  • No Insect Respect. Eine kritische Analyse der Risikobewertung und -regulierung von Pflanzenschutzmitteln vor dem Hintergrund des Insektenrückgangs
    von Klaus Swarowsky, Steffen Matezki, Tobias Frische und Jörn Wogram
  • Handlungsperspektiven für eine insektenfreundliche Landnutzung
    von Rainer Oppermann, Constanze Buhk und Sonja Pfister
  • Was tun gegen das Insektensterben? Empfehlungen für naturschutzfachlich wertvolle Flächen
    von Thorsten Aßmann, Jörn Buse, Claudia Drees, Katharina Homburg und Dorothea Nolte
  • Instrumente der Datenerhebung und Handlungsfelder zur Verbesserung der Datenlage zu Insekten im Naturschutz
    von Sandra Balzer und Wiebke Züghart
  • Bestandsentwicklungen und Schutz von Insekten. Analysen und Aussagen des Weltbiodiversitätsrats (IPBES)
    von Josef Settele
  • Der Verlust der Insektenvielfalt – ein Kommentar der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE)
    von Jürgen Gross und Olaf Zimmermann

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04.09.2019