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Neuregulierung genomeditierter Pflanzen in der EU – Leopoldina und DFG veranstalten virtuelle Konferenz

Alle Organismen, die durch Verfahren der Genomeditierung wie CRISPR-Cas verändert wurden, fallen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2018 unter die rechtlichen Regelungen für „genetisch veränderte Organismen“ (GVO). 

Dies erschwert nach Ansicht der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Erforschung, die Entwicklung und den Anbau verbesserter Nutzpflanzen, darunter mehr als 100 bekannte und (potenziell) marktfähige genomeditierte Nutzpflanzensorten wie Sojabohnen mit gesünderen Fettsäuren, glutenreduzierter Weizen, bakterienresistenter Reis, pilzresistente Sorten von Wein, Weizen und Kakao sowie trockentolerantere Sorten von Mais, Weizen und Sojabohnen.

Leopoldina, Akademienunion und DFG haben in einer Stellungnahme 2019 dafür plädiert, dass genomeditierte Pflanzen nicht als genetisch veränderte Organismen (GVO) gelten, wenn keine artfremde genetische Information enthalten ist – in Analogie zu mit konventionellen Züchtungsmethoden veränderten Pflanzen.

Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in diesem Jahr veranstalten Leopoldina und DFG nun eine englischsprachige virtuelle Konferenz, die auf die Beratung von Politik und Gesellschaft abzielt.

"Genome Editing in Europe: New Agenda or New Disputes?"

Donnerstag, 1. Oktober 2020, 11 – 15.30 Uhr, und
Freitag, 2. Oktober 2020, 12.30 – 17 Uhr (MESZ)

Programm

Die gemeinsame Konferenz soll der Diskussion der neuesten Aspekte von GVO in Europa und der Welt dienen. Die 2019 vorgelegte Stellungnahme wird präsentiert und erklärt. 

Die Konferenz wird als eine Reihe von Zoom-Online-Seminaren stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Konferenz wird über YouTube live gestreamt.

Aber die Teilnahme an den Diskussionen (F&As) ist nur in den Zoom-Online-Seminaren möglich. Eine vorherige Registrierung ist erforderlich unter folgendem Link: https://cutt.ly/eu-genome-editing.

Nach erfolgter Registrierung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail mit einem Einwahl-Link für das Online-Seminar und einem Passwort. Zudem werden Sie darüber informiert, wie Sie sich auch per Telefon einwählen können. Bei der Nutzung des Videokonferenzsystems ZOOM gelten die Datenschutzrichtlinien dieses Anbieters: https://zoom.us/de-de/privacy.html

 

Hintergrund: 

Stellungnahme 2019: Wege zu einer wissenschaftlich begründeten, differenzierten Regulierung genomeditierter Pflanzen in der EU (2019)

Kurzfassung (deutsch)

Vor dem Hintergrund des EuGH-Urteils in der Rechtssache C-528/16 vom 25. Juli 2018 zu Genetisch veränderten Organismen (GVO) bat der Europäische Rat die Europäische Kommission am 8. November 2019, bis April 2021 eine Studie über den “Status neuartiger Gentechniken im Unionsrecht” vorzulegen. Die Studie solle einen „Vorschlag“ enthalten, der in einen Legislativvorschlag zur Änderung der bestehenden EU-Verordnung münden könnte. Eine umfassende Überprüfung ausländischer Regelwerke solle die faktische Grundlage dieser Studie schaffen.

Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

 


Lesen Sie dazu auch die Schwerpunktausgabe 5-2020 von Natur und Landschaft

Neue Gentechnik in Natur und Landschaft?

Mit neuen Genomeditierungsverfahren wie CRISPR/Cas, die das gezielte Schneiden von DNA ermöglichen, lassen sich Organismen schneller, billiger und effektiver gentechnisch verändern. Diese neuen Gentechniken eröffnen ganz neue Anwendungsgebiete, wodurch es künftig vermehrt zu Freisetzungen von GVO auch außerhalb von Agrarökosystemen kommen könnte – insbesondere um bestimmte Naturschutzziele zu erreichen. Solche Überlegungen, z. B. Wildpopulationen außerhalb des Labors direkt in der Natur gentechnisch zu verändern, stellen für den Naturschutz ein Novum dar. Die Schwerpunktausgabe beleuchtet neben neuen Herausforderungen für die Umweltrisikoprüfung von GVO auch rechtliche und konzeptionelle Fragen des Naturschutzes, die sich beispielsweise aus Anwendungen wie sogenannten Gene-Drives ergeben.

Folgende Artikel finden Sie in dieser Ausgabe:

 

25.09.2020