Natur und Landschaft

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Ökologie zwischen Wissenschaft und Weltanschauung – Schwerpunktausgabe 9/10-2020

Quelle/Bild: © Verlag W. Kohlhammer.

Schwerpunktausgabe

Ökologie zwischen Wissenschaft und Weltanschauung

Die moderne Ökologie entstand im 19. Jahrhundert als Teilgebiet der Biologie. Sie war ursprünglich eine rein naturwissenschaftliche Disziplin, entwickelte sich aber seit der Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss der weltweiten Umweltbewegung (in Deutschland vor allem seit den 1970er-Jahren) auch zu einer ökologischen Weltanschauung. Dies ging einher mit einer zunehmenden Ökologisierung der Gesellschaft – insbesondere der Ökonomie und Politik – und führte zur Entstehung neuer Disziplinen innerhalb der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften wie der Sozialen Ökologie, Humanökologie, Politischen Ökologie, ökologischen Ethik, Ökopädagogik und Ökologischen Ökonomik. Die Schwerpunktausgabe beleuchtet, wie diese Disziplinen im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und ökologischer Weltanschauung entstanden sind und was sie für die Gesellschaft und speziell für den Natur-, Landschafts- und Umweltschutz zu leisten vermögen.

Folgende Artikel finden Sie in dieser Ausgabe:

  • Einführung: von der Ökologie als Wissenschaft zur ökologischen Weltanschauung
    von Thomas Kirchhoff
    Das Wort „ökologisch“ hat zwei verschiedene Bedeutungen. Einerseits bezeichnet es die Perspektive einer Naturwissenschaft, die untersucht, wie Organismen in ihrer Existenz durch ihre Umwelt beeinflusst werden. Andererseits bezeichnet es eine Weltanschauung, die ein neuartiges, richtiges Verhältnis der Menschen zur Natur einfordert – „Ökologiebewegung“ heißt die zugehörige gesellschaftliche Bewegung. In diesem einführenden Beitrag wird zunächst dargestellt, wie die Naturwissenschaft Ökologie und die ökologische Weltanschauung entstanden sind, was ihre Charakteristika sind und dass sie, obwohl kategorial verschieden, substanziell miteinander verbunden sind. Anschließend wird thematisiert, dass die Ökologiebewegung nicht nur zu einer Ökologisierung der Gesellschaft geführt hat, sondern auch dazu, dass im Spannungsfeld von Ökologie als Naturwissenschaft und ökologischer Weltanschauung zahlreiche nicht (rein) naturwissenschaftliche Sekundärökologien sowie auf ökologische Fragen spezialisierte Bereichsdisziplinen neu entstanden oder einflussreich geworden sind.
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  • Die Soziale Ökologie und ihr Beitrag zu einer Gestaltung des Naturschutzes
    von Engelbert Schramm, Diana Hummel, Marion Mehring
    Soziale Ökologie erforscht die wechselseitigen Beziehungen zwischen Menschen und ihrer (natürlichen) Umwelt. Entstehung und Selbstverständnis der Sozialen Ökologie in deren unterschiedlichen Entwicklungslinien werden skizziert; in Europa ist die Soziale Ökologie aus dem ökologischen Diskurs entstanden. Sie wird derzeit in Europa als akademisches Fach etabliert, ist aber keine eigenständige Disziplin. Vielmehr wird in einer problemorientierten fächerübergreifenden Forschung versucht, alternative Entwicklungsmöglichkeiten der Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur zu identifizieren. 
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  • Human-, Kultur- und Ethnoökologie
    von Parto Teherani-Krönner und Bernhard Glaeser
    Humanökologische Forschungen zielen auf eine umfassende Analyse der Beziehungen von Menschen zu ihrer belebten und unbelebten Umwelt. Dies wird anhand von Fallstudien zur Güllewirtschaft in Norddeutschland sowie zur Ökoentwicklung in Tansania erläutert. Es wird gezeigt, wie humanökologische Untersuchungen – indem sie in einem ganzheitlichen Ansatz die ökologische, ökonomische, politische und moralische Ebene integrieren – wesentlich zum Verständnis von Problemen des Natur- und Landschaftsschutzes beitragen und damit auch Wege zu deren Lösung aufzeigen können. 
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  • Politische Ökologie
    von Matthias Schmidt
    Der zentralen Prämisse der Politischen Ökologie zufolge ist Umweltwandel oder die Degradation von Naturräumen politisiert sowie Ausdruck und Folge politischer Konflikte und Machtverhältnisse. Der Beitrag gibt einen Einblick in Entstehung und Selbstverständnis der Politischen Ökologie, benennt zentrale Themenschwerpunkte und reflektiert über ihr Verhältnis zur Ökologie und ihre dezidiert kritische Position, etwa auch gegenüber Naturschutzbestrebungen. Mögliche Anwendungsfelder des Analyseansatzes der Politischen Ökologie werden am Beispiel innerökologischer Konflikte bei der Umsetzung klimapolitischer Maßnahmen knapp skizziert.
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  • Ökologische Ethik: denken wie ein Berg und handeln wie ein Mensch
    Uta Eser
    Die ökologische Ethik als philosophische Disziplin formierte sich angesichts globaler Umweltprobleme, um ein fraglich gewordenes Mensch-Natur-Verhältnis grundsätzlich neu zu bestimmen. „Ökologisch“ ist sie, indem sie bei der Suche nach dem ethisch guten und moralisch richtigen Handeln die wechselseitigen Abhängigkeiten in ökologischen Systemen für fundamental erachtet. Ein Kernthema der ökologischen Ethik ist der moralische Status der nichtmenschlichen Natur. 
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  • Ökologie- und Naturbezüge in der Umweltbildung
    Ulrich Gebhard und Annette Scheersoi
    Die unterschiedlichen Ansätze der Umweltbildung sind historisch als eine Reaktion auf die ab den 1970er-Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit geratenen ökologischen Krise zu verstehen. Das Ziel dieser Bildungsbemühungen ist es, der ökologischen Krise in geeigneter Weise zu begegnen. Im vorliegenden Beitrag werden verschiedene Varianten der Umweltbildung (Umwelterziehung, Ökopädagogik, Naturerfahrungspädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung/BNE) skizziert und daraufhin untersucht, welche expliziten und impliziten Annahmen über Ökologie- und Naturkonzepte ihnen jeweils zugrunde liegen und in welchem Verhältnis die an sie jeweils geknüpften umwelt- und naturethischen Grundüberzeugungen zu den Anliegen des Naturschutzes stehen.
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  • Ökologische Ökonomik – Entstehung und heutige Stellung
    Ulrich Hampicke
    Die „klassische“ Umweltökonomik empfiehlt, knappe natürliche Ressourcen mit Preisen zu versehen, um einen haushälterischen Umgang mit ihnen zu erwirken. Globale Umweltprobleme erzwangen eine Erweiterung um die Ökologische Ökonomik, deren Prinzipien „efficient allocation“, „fair distribution“ und „scale“ sind. Insbesondere wird die Begrenztheit des Planeten Erde gewürdigt. Die Ökologische Ökonomik vertritt das Prinzip der starken Nachhaltigkeit, wonach das natürliche Kapital (u. a. Bodenfruchtbarkeit, Wasserressourcen und der Bestand an Arten) nicht der Substitution durch technische Errungenschaften zur Verfügung steht (schwache Nachhaltigkeit), sondern unabhängig davon zu erhalten ist. An Bedeutung hat die Klimaökonomik gewonnen.
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Außerdem finden Sie im Rubrikenteil der Printausgabe sowie auch im Rahmen des Online-Abonnements viele aktuelle Informationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • aus der Rubrik "Neues aus dem Bundesamt für Naturschutz":
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    Erfassung von Brutvögeln: Publikation soll den Einstieg in das Vogelmonitoring erleichtern (BfN, DDA, LAG VSW);
  • aus der Rubrik "Nationale Biodiversitätsstrategie":
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    Neues Bildungsprojekt in Leipzig fördert Schmetterlingsvielfalt" von BfN, BMU;
  • aus der Rubrik "Übereinkommen über die biologische Vielfalt":
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    Synergien nutzen – Wie der neue globale Rahmen für biologische Vielfalt internationale Abkommen und Prozesse einbinden sollte" von Malte Timpte (ibn), Andreas Obrecht und Lennart Kümper-Schlake (BfN);
  • aus der Rubrik "Nachrichten und Kommentare":
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    25 Jahre Bundesverband Naturwacht e. V. – nicht nur ein Rückblick" von Carsten Wagner (Vorsitzender Bundesverband Naturwacht e. V.)
  • aus der Rubrik "Österreich-Fenster"
  • "Die Politische Ökologie der Umweltpolitik und der aktuellen Corona-Krise" von Dr. Mag. Alina Brad, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand, Mag. Mathias Krams;
  • aus der Rubrik "Meinungen und Stellungnahmen"
    "Thesen und Forderungen zur Nachhaltigkeitspolitik" von Prof. Dr. Konrad Ott, Kiel;
  • aus der Rubrik "Natur und Recht":
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    Schwerpunkt: Tierhaltung und Umweltschutz" von Dr. Stefan Möckel (UFZ).

Informationen zur Bestellung der Ausgabe als gedrucktes Heft und zum Download der Gesamt-PDF und der Einzelartikel-PDFs unter https://www.natur-und-landschaft.de/de/zeitschrift/natur-und-landschaft-910-2020-154

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