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Per App auf bedrohte Arten aufmerksam machen

Feldhamster sind unglaublich niedlich! Große Ohren, weiches Fell, rosa Schnuffelnase. In Deutschland gibt es jedoch kaum noch Feldhamster. Sie stehen auf der Roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht. Und der Feldhamster ist nicht allein, die Wissenschaft warnt vor einem Massensterben vieler ganz unterschiedlicher Arten – in Europa und weltweit. Um dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu entwickeln, hat sich eine Geoökologin der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg mit Studierenden im Rahmen der Innovation Challenge des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales zusammengetan. Das Ergebnis ist ein Projekt für eine App, die vor allem auf die spielerische Vermittlung von Wissen setzt – und dafür ausgezeichnet wurde.

Anne Lewerentz ist Promotionsstudentin in der AG Ökosystem-Modellierung bei Prof. Dr. Juliano Sarmento Cabral am Center for Computational and Theoretical Biology an der JMU. Biodiversität ist ihr Forschungsthema: „Dass wir uns mitten in einem Massenaussterben befinden, ist nur wenigen bewusst. Der Grund dafür sind wir Menschen, durch Landnutzungsänderungen, Wilderei, Klimawandel, Umweltverschmutzung und der Einschleppung invasiver Arten. Wenn aber vom Verlust der Arten gesprochen wird, denkt man eher an den Verlust des Regenwaldes oder das Aussterben der Arktisbewohner, aber selten an den Artenrückgang vor der Haustür“, sagt Lewerentz.

Spielerisch ein Bewusstsein schaffen

Mit der App „SAVEDiversity“ wollen sie und ihr Team den Nutzerinnen und Nutzern die bedrohten Arten aus der eigenen Region vorstellen. „Das kann ein erster Schritt sein, das Thema verstärkt in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken.“

Vor allem für Naturbegeisterte dürfte die App in Zukunft Spaß machen. Der Grundgedanke: möglichst viele bedrohte Arten zu sammeln. Dafür gibt es drei Möglichkeiten. Im ersten Modus heißt es Rausgehen, Arten finden und diese fotografieren. Die Tiere auf den Fotos werden dann per Bilderkennung bestimmt und in die persönliche Sammlung der Nutzerinnen und Nutzer aufgenommen. Der zweite Modus funktioniert per Firmenkooperation: Wer bio oder regional einkauft, bekommt im Laden QR-Codes. Wer diese scannt, bekommt Arten für seine Sammlung. Der dritte Modus ist als Spiel gedacht: Es wird eine zufällige bedrohte Art – zum Beispiel der Feldhamster – angezeigt, für den dann im Freien diverse leichte Aufgaben zu erledigen sind.

Jury-Preis beim Digitalgipfel gewonnen

Für dieses Konzept wurde das Team nun ausgezeichnet. Im Rahmen des bayerischen Digitalgipfels „Code Bavaria 2020“, mit Ministerpräsident Markus Söder und Digitalstaatsministerin Judith Gerlach, konnte das Team den Jury-Preis der Innovation Challenge #FutureTech4Climate gewinnen.

Nun heißt es für das Team Kooperationspartner zu finden, um die App fertigzustellen. Denn die steckt noch in den Kinderschuhen. Neben Lewerentz, die vor allem die fachlichen Themen übernommen hat, gehören noch Veronika Kriz (Masterstudentin „Digital Marketing“ an der Hochschule Ansbach), Fabio Maienschein (Masterstudent „Wirtschaftsinformatik“ an der Hochschule Karlsruhe) und Marie Rathmayer (Bachelorstudentin „Wirtschaftsingenieurwesen“ an der Hochschule der bayerischen Wirtschaft) zum Team. Gecoacht wurden sie von „Bayern Innovativ“, die das Team auch weiterhin unterstützen werden. Interessierte an einer Beta-Version können sich auf der Website des Projekts für Neuigkeiten registrieren.

Weitere Informationen unter https://www.savediversity.de/.

 

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

 


 

♦ Lesen Sie von Natur und Landschaft auch die Beiträge 

  • „Digitale Medien und Technologien im ehrenamtlichen Naturschutz“ von Richter in Ausgabe 3-2019
  • „Der Einsatz neuer Medien in der Umweltbildung – ein Praxisbeispiel“ von Günther in Ausgabe 6-2013

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4.12.2020