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Petition: Schützt die Biene vor Gentechnik!

Quelle/Bild: PollyDot/pixabay.

Die Biene ist ins Fadenkreuz der "neuen Gentechnik" geraten. Unter dem Vorwand sie schützen zu wollen, greifen Biotechnologinnen und Biotechnologen tief ins Erbgut der Honigbiene ein. Mit sogenanntem "Genome Editing" soll das nach Rind und Schwein drittwichtigste Nutztier gentechnisch "optimiert" werden.

So soll beispielsweise mit genveränderten Darmbakterien in das Immunsystem der Honigbiene eingegriffen werden, um sie vor Krankheiten zu schützen. Andere Gentechnikfirmen arbeiten daran, das Erbgut der Biene mit der "Gen-Schere" CRISPR/Cas resistenter gegen Pestizide zu machen. Die Überlegungen gehen sogar so weit, Bienen gentechnisch so zu manipulieren, dass sie durch gezieltes Ein- und Ausschalten von Genen zur Bestäubung auf ausgewählte Felder gelenkt werden können. Das dafür vorgeschlagene gentechnische Verfahren namens "Gene Drive" ist schlimmstenfalls in der Lage, ganze Arten auszulöschen. Selbst der Entwickler der Gene-Drive-Technologie Kevin Esvelt warnt: "Ich habe die Büchse der Pandora geöffnet."

Nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern!

Um Umwelt und Verbraucher vor den unkalkulierbaren Risiken zu schützen, die mit der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) verbunden sind, hat der Europäische Gerichtshof 2018 entschieden, dass auch die "neue Gentechnik" als Gentechnik reguliert und gekennzeichnet werden muss. Dieses Urteil möchten Gentechnikfirmen aufweichen, um beispielweise die Umweltrisikoprüfung für neue Gentechnik auszusetzen. Dabei ist bereits die bestehende Zulassungsprüfung für GVO "sehr industriefreundlich". (Dr. Angelika Hilbeck, ETH Zürich, Beirat der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler)

Imker*innen und Wissenschaftler*innen fordern daher von der Bundesregierung: Gemäß dem Vorsorgeprinzip der EU darf es keine Freisetzung genveränderter Organismen geben, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann. Es muss die einfache Regel gelten, nichts freizusetzen, was nicht aus der Umwelt zurückgeholt werden kann. Das Vorsorgeprinzip muss für alle Organismen der alten und der "neuen" Gentechnik gelten. Gleiches gilt für die Kennzeichnungspflicht für Gentechnik, die Transparenz sowie Wahl- und Gentechnikfreiheit für Verbraucher und Erzeuger gewährleistet.

Wissenschaftler warnen vor unverantwortbaren Risiken

Als offenstes aller landwirtschaftlichen Produktionssysteme ist die Imkerei in besonderem Maße von den Verfahren der neuen Gentechnik betroffen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Versuche mit gentechnisch veränderten Darmbakterien zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten warnt Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin: "Da Bakterien außerordentlich schnell mutieren, lässt sich nicht ausschließen, dass sie ihre Wirkungen auf andere Tiere und den Menschen übertragen. Welche Auswirkungen damit verbunden sein können, ist nicht vorherzusehen. Aus diesen Gründen halte ich die Anwendung dieser Methode außerhalb des Labors für nicht verantwortbar.“

Insbesondere für "Gene Drives", ein gentechnisches Verfahren, mit dem die natürlichen Vererbungsregeln außer Kraft gesetzt werden können, braucht es ein weltweites Freisetzungsverbot. Denn mit dieser Technik lassen sich wildlebende Arten gentechnisch manipulieren und ausrotten, was im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme führen könnte. Dr. Doug Durian-Sherman, Senior Scientist Consultant SET LLC USA, sagt deshalb über Gene Drives: "Ich denke, jetzt brauchen wir wirklich ein Moratorium für jegliche reale Nutzung."

Das Übel an der Wurzel packen: Die Ursachen des Artensterbens bekämpfen

Um die Biene und andere Arten zu schützen, müssen die Ursachen des Artensterbens bekämpft werden. Diese hat der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) klar dokumentiert und benannt. Verantwortlich sind Eingriffe des Menschen in die Natur wie Flächenfraß, Klimawandel und der übermäßige Einsatz von Pestiziden. Eine pestizidgestützte Landwirtschaft, die mit Hilfe der neuen Gentechnik eine "pestizidresistente" Honigbiene züchten will, ignoriert wissentlich die Auswirkungen von Pestiziden auf Wildbienen und andere Insekten. Bereits jetzt sind von den rund 560 Wildbienenarten in Deutschland die Hälfte stark bedroht. Und Experten warnen: "Gentechnik könnte das Artensterben noch beschleunigen", so Dr. Christoph Then, Geschäftsführer des Vereins Testbiotech e.V. – Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie. Die Natur an den Menschen anpassen zu wollen, ist eine Sackgasse. Nicht die Natur, nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern. Wir brauchen nicht noch mehr Manipulation an der Natur. Was wir brauchen, ist mehr Respekt gegenüber der Natur und ihren komplexen Ökosystemen.

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Petition: Schützt die Biene vor Gentechnik. https://www.biene-gentechnik.de/

Forderungen an die Bundesregierung:

1. Schützt die Biene vor Gentechnik! Keine Deregulierung der neuen Gentechnik!

Mit der der neuen Gentechnik kann viel tiefer ins Genom eingegriffen werden als bisher. Das Gentechnik-Grundsatzurteil des EuGH darf daher nicht dereguliert werden. Auch "neue" Gentechnik ist Gentechnik.

2. Vorsorgeprinzip & Wahlfreiheit für Bürger*innen und Verbraucher*innen!

Gemäß dem Vorsorgeprinzip der EU darf es keine Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) geben, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann. Es darf nichts freigesetzt werden, was nicht zurückgeholt werden kann. Jede Gentechnik muss risikogeprüft, zugelassen und gekennzeichnet werden. Nur so haben Verbraucher*innen die Wahlfreiheit, keine Lebensmittel mit GVO zu kaufen.

3. Keine Freisetzung von Gene Drive Organismen!

Entsprechend der Resolution des Europäischen Parlaments, das ein weltweites Moratorium für die Freisetzung von Gene Drive Organismen fordert, muss auch die Bundesregierung auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention für ein Gene Drive Moratorium eintreten.

Nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern. Wir brauchen keine Genmanipulationen an Biene und Natur. Was wir brauchen, ist mehr Respekt vor der Natur und ihren komplexen Ökosystemen. Was wir brauchen, ist eine echte Agrarwende und mehr Ökolandbau, um Bauern und Bienen zu retten und um das Artensterben zu stoppen.

Mit Ihrer Online-Unterschrift bei unserer Petition unterstützen Sie zugleich auch die europäische Initiative "Stop Gene Drives", die aktuell Unterschriften für ein europaweites Gene-Drive-Moratorium sammelt. Ihre Stimme für die Bienen unterstützt also auch das Moratorium der EU und der UN Biodiversitätskonvention.

Aurelia Stiftung


 

Lesen Sie dazu auch: 

78 Organisationen fordern in einem Brief an die EU-Kommission die internationale Ächtung der Gene Drive Technologie (30.6.2020)

sowie die 

Schwerpunktausgabe 5-2020 von Natur und Landschaft: Neue Gentechnik in Natur und Landschaft?

Mit neuen Genomeditierungsverfahren wie CRISPR/Cas, die das gezielte Schneiden von DNA ermöglichen, lassen sich Organismen schneller, billiger und effektiver gentechnisch verändern. Diese neuen Gentechniken eröffnen ganz neue Anwendungsgebiete, wodurch es künftig vermehrt zu Freisetzungen von GVO auch außerhalb von Agrarökosystemen kommen könnte – insbesondere um bestimmte Naturschutzziele zu erreichen. Solche Überlegungen, z. B. Wildpopulationen außerhalb des Labors direkt in der Natur gentechnisch zu verändern, stellen für den Naturschutz ein Novum dar. Die Schwerpunktausgabe beleuchtet neben neuen Herausforderungen für die Umweltrisikoprüfung von GVO auch rechtliche und konzeptionelle Fragen des Naturschutzes, die sich beispielsweise aus Anwendungen wie sogenannten Gene-Drives ergeben.

Folgende Artikel finden Sie in dieser Ausgabe:

 

12.08.2020