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Positionspapier des Bundesamts für Naturschutz: "Wälder im Klimawandel – Mehr Anpassungsfähigkeit durch mehr Vielfalt"

Kurz vor dem "Nationalen Waldgipfel" am Mittwoch, 25. September hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ihre Pläne zur Bekämpfung des Waldsterbens vorgestellt.

Gleichzeitig ist auch ein neues Positionspapier des Bundesamtes für Naturschutz veröffentlicht worden, das beschreibt, wie die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel verbessert werden kann. „Wir brauchen Strategien und Handlungsansätze, die den Aspekten der Unvorhersehbarkeit und Wäldern als Ökosystemen stärker Rechnung tragen. Dazu ist es erforderlich, die Waldbewirtschaftung in Deutschland stärker als bislang an dem Ziel auszurichten, die Vielfalt und Heterogenität von Wäldern zu fördern“, fordert BfN-Präsidentin Beate Jessel anlässlich des in dieser Woche stattfindenden Nationalen Waldgipfels.

"Oberstes Ziel und Leitbild muss es dabei sein, auch angesichts der Unsicherheit künftig eintretender Entwicklungen, die Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) von Wäldern zu fördern. Es geht darum, vielfältige, resiliente Wälder zu entwickeln, die mit den Veränderungen des Klimawandels zurechtkommen, sich anpassen oder neu organisieren können und dabei ihre grundlegenden Funktionen und ökologischen Leistungen beibehalten. Einen Schlüsselbegriff stellt die Diversität und Diversifizierung von Wäldern dar, die aus verschiedener Perspektive in den Blick zu nehmen ist (Artenzusammensetzung, Strukturreichtum, Standortausprägungen, Funktionsvielfalt, aber auch Vielfalt der Bewirtschaftungsverfahren). Wälder sind dabei wieder stärker als Ökosysteme zu betrachten, die neben der Holzerzeugung vielfältige und wichtige ökologische Leistungen für Natur und Gesellschaft erbringen." (Seite 2)

"Forstliche Anpassungsmaßnahmen, die den Wert der Vielfalt des Handelns und den Beitrag der Biodiversität für den Erhalt der funktionalen Integrität von Ökosystemen und als Voraussetzung für die Erbringung zahlreicher ökologischer Leistungen von Wäldern nicht beachten, werden langfristig weder einen Beitrag zur Minderung des Klimawandels noch zur Anpassung an den Klimawandel leisten können.

Dagegen kann eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie vom IPCC in seinem jüngsten Sonderbericht „Klimawandel und Landsysteme“ betont (IPCC 2019), die Anpassung an den Klimawandel unterstützen und gleichzeitig einen Beitrag zur Senkung von Treibhausgasemissionen leisten." (Seite 24)

Bundesamt für Naturschutz

 

Weitere Positionspapiere:

Die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) fordert in einem offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft.  Sie hat diese Forderung bereits 2018 in ihrer online-Petition „Wald statt Holzfabrik“ erhoben, die bereits 103.700 Unterschriften erzielt hat.

12-Punkte-Papier des NABU. "Auch in Wirtschaftswäldern müssen Elemente alle Waldentwicklungsphasen vorhanden sein. Daher müssen Altersklassenwälder in naturnahe, dauerwaldartig bewirtschaftete Wälder überführt werden. Die geförderten Baumarten sollen möglichst heimisch sein und keine negativen Einflüsse auf die Funktionalität und Lebensgemeinschaft des Ökosystems haben."

Positionspapier des Deutschen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA)  Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler plädieren in ihrem Papier für eine rasche und aktive Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Dadurch sollen auch zukünftig die vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft an den Wald erfüllt werden, vom Rohstoff Holz über den Klimaschutz und die Erhaltung der Biodiversität bis zur Erholung. Im Rahmen der Waldanpassung sollen alle waldbaulichen Möglichkeiten genutzt werden, um Mischbestände mit Baumarten und Herkünften zu begründen, die sowohl an das herrschende als auch zukünftige Klima angepasst sind.

Carlowitz-Plan des Bundes Deutscher Forstleute. "Selbstverständlich setzen wir in weiten Teilen auch auf eine natürliche Waldentwicklung mit Naturverjüngung und Vorwäldern. Dennoch sind nicht überall geeignete Samenbäume (Entfernung, Baumart) vorhanden bzw. zeigen die Erfahrungen, dass auf zusammengebrochene Fichtenbestände oft wieder Fichtenbestände aus üppiger Naturverjüngung folgen. Das kann aber keine erfolgversprechende Option vor dem Hintergrund des Klimawandels sein. Initialpflanzungen und Ergänzungen mit Mischbaumarten sind daher erforderlich."

23.09.2019