Natur und Landschaft

Aktuelles

Positionspapier zur GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) ab 2021

Die Fachgruppe Vögel der Agrarlandschaft  der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft e.V. hat ein aktuelles Positionspapier vorgelegt. 

Gefährdete Agrarvogelarten von 55 % auf 68 % gestiegen

In der Gegenüberstellung der Kurzzeittrends der Vogelschutzberichte 2013 und 2019 (Trendperioden 1998–2009 und 2004–2016, jeweils 12 Jahre) fällt auf, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Agrarvogelarten von 55 % auf 68 % gestiegen ist, und weniger Arten im Bestand zunehmen. Dies lässt eine weitere Verschlechterung der Bestandssituation der Agrarvogelarten erkennen. Hohe Anteile abnehmender Arten finden sich insbesondere unter den bodenbrütenden Vogelarten, unter den Arten extensiv genutzter Agrarlandschaften, unter den Insektenfressern, sowie unter Arten, die Strukturelemente innerhalb der landwirtschaftlichen Nutzfläche benötigen. Dies deutet darauf hin, dass die Intensivierung der Landwirtschaft die Ursache für viele Bestandsverluste ist (Gerlach et al. 2019): eine intensive Grünlandbewirtschaftung führt zu Gelegeverlusten, Insektenfresser leiden unter zurückgehenden Insektenbeständen (auch durch den Einsatz hochwirksamer Pestizide), und eine zunehmende Tendenz zur Vergrößerung und Homogenisierung der landwirtschaftlichen Schläge führt zu einem Verlust von Strukturelementen wie unbefestigten Wegen oder kleinen Brachen.

Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2021: Erfordernisse zum Erhalt unserer Agrarvögel

Leider hat das in der laufenden Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU verankerte „Greening“ die vorab formulierten Anforderungen nicht erfüllt und die Situation der Agrarvögel nicht verbessert. Dabei stehen durchaus wirksame und in der Praxis erprobte Maßnahmen für die Förderung der Vögel der Agrarlandschaft zur Verfügung. Bisher fehlt aber die kontinuierliche und großflächige Umsetzung von hochwirksamen Maßnahmen. Aus fachlicher Sicht wird ein Flächenanteil geeigneter Maßnahmen von insgesamt 20 bis 25 % in Ackerbaugebieten und 25 bis 50 % in Grünlandgebieten als notwendig erachtet.

Hierzu gehören als Grundanforderungen die Erhaltung und Förderung von bestehenden Landschaftselementen und von Dauergrünland sowie die Schaffung eines Verbund-Netzes von Lebensraumflächen durch ausreichend breite Pufferstreifen an Gewässern, Wald- und Feldrändern, flächige Ackerbrachen und Extensivgrünland auf zusammen mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Die Ausgestaltung der Grundanforderungen sollte so spezifiziert werden, dass sie eine größtmögliche Wirkung entfalten. Dies umfasst zum Beispiel Mindestgröße bzw. -breite, die Verwendung von geeignetem Saatgut und die Bearbeitungstermine. Diese Maßnahmen sollten in die Bedingungen für den Erhalt von Direktzahlungen der ersten Säule („Konditionalität“) und als Teil der Anforderung der Erhaltung der Flächen in einem „guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“ (GLÖZ) integriert werden.

Zusätzlich sollten zum Erreichen der oben genannten Flächenanteile als weitere freiwillige „breitenwirksame Maßnahmen“ biodiversitätsfördernde Nutzungsformen attraktiv über die erste Säule gefördert werden (sogenannte Eco-Schemes), z.B. extensiv genutzte Ackerkulturen, Mischkulturen und Extensivgrünland sowie Maßnahmen zur Begrenzung der Schlaggröße. Diese müssen durch weitere gezielte und hochwirksame, für Landwirte attraktive Maßnahmen zur Förderung naturverträglicher Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden im Rahmen der zweiten Säule (Agrarumweltmaßnahmen) ergänzt werden. Für die Berechnung von Ausgleichsvergütungen für Agrarumweltmaßnahmen sollte eine wirksame Anreizkomponente vorgesehen und bestehende bürokratische Hemmnisse abgebaut werden.

Die Förderung und Flächenausweitung des ökologischen Landbaus hat hohe Priorität. Um eine größere Wirksamkeit der Maßnahmen zu erreichen, ist eine Beratung und Kontrolle der Betriebe durch naturschutzfachlich und landwirtschaftlich geschultes Personal erforderlich. Hinzu kommt die dringend notwendige Reduktion des Einsatzes von Pestiziden und des Nährstoffeintrags. Für die großflächige Umsetzung kann die gezielte Förderung landschaftsbezogener kooperativer Ansätze eine wirkungsvolle Strategie sein. Das bestehende Monitoring sollte fortgesetzt und durch Untersuchungen zur Aufklärung der Ursache-Wirkungs-Beziehungen ergänzt werden.

Inhalt:

  1. Einleitung
  2. Rückblick auf langfristige Verluste - Shifting baseline syndrome
  3. Aktuelle Situation der Agrarvögel
  4. Ursachen für Bestandsveränderungen
  5. Das Greening hat kaum zur Verbesserung beigetragen
  6. Wirksame Maßnahmen sind bekannt und erprobt
  7. Auf den Umfang und die flächige Umsetzung kommt es an
  8. Ökolandbau
  9. Bedarf für die Artenvielfalt fördernde Maßnahmen in der Gemeinsamen
      Agrarpolitik (GAP)„Grüne Infrastruktur“, Konditionalität„ Breitenwirksame
      Maßnahmen“ (Eco-Schemes)„Spezielle Maßnahmen“
      (Agrarumweltmaßnahmen)
10. Steigerung der Effizienz durch gezielte Beratung und Ausbildung der
      Landwirte
11. Reduktion des Einsatzes von Pestiziden
12. Reduktion der Nährstoffüberschüsse
13. Landschaftsbezogene und kooperative Ansätze, Modellregionen
14. Monitoring
Literatur

Deutsche Ornithologen-Gesellschaft e.V.


 

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Natur und Landschaft  / Schwerpunktausgabe  6-2018:
Naturschutz in der Agrarlandschaft – Rolle der Agrarpolitik

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28.10.2019