Natur und Landschaft

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Praxisleitfaden Ziegenbeweidung erschienen

Über Jahrhunderte hinweg wurden die sehr wertvollen Magerrasen insbesondere auf den Steilhängen der Flußtäler Sachsen-Anhalts mit Schafen und Ziegen beweidet. Mit der Aufgabe dieser traditionellen Bewirtschaftung aufgrund mangelnder Rentabilität vergrasten und verbuschten viele Standorte, was einen Verlust von gefährdeten Arten zur Folge hatte.

Die Eigenschaft der Ziege, einen Großteil ihres Futterbedarfs über Gehölzmaterial zu decken, wurde lange Zeit negativ bewertet. In jüngster Vergangenheit hat die Ziege in der Biotoppflege aufgrund ihres Weideverhaltens und der Eignung für unwegsames Gelände jedoch an Bedeutung gewonnen.

Vor diesem Hintergrund wurde das mit Fördermitteln aus dem ELER-Fond (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums), dem Land Sachsen-Anhalt und der Heidehofstiftung ausgestattete Ziegenprojekt initiiert. Die ersten Beweidungsflächen im Unteren Saaletal wurden im Jahr 2007 eingerichtet. Aktuell werden 16 Flächen im Unteren Saaletal mit Ziegen, teilweise gemeinsam mit Schafen, beweidet.

Gekennzeichnet sind die Flächen durch abschnittsweise stark verbuschte Strukturen in zum Teil extremer Steillage. Die Flächen befinden sich in Natura 2000-Gebieten und weisen eine noch artenreiche Trockenrasen-Flora und -Fauna auf, die aber durch Vergrasung und Verbuschung akut bedroht ist.

Jetzt wurde als ein Ergebnis dieser Arbeit ein

Praxisleitfaden Ziegenbeweidung veröffentlicht

Er stellt das Modellprojekt, die Ergebnisse der Erfolgskontrollen und die gesammelten Erfahrungen im Management praxisnah dar. Darüber hinaus werden weitere Landschaftspflegeprojekte mit Ziegen vorgestellt, um den Stellenwert der Ziegenbeweidung auf Naturschutzflächen über die Region des Unteren Saaletals hinaus abbilden zu können.

Literaturangabe: Elias, D., Mann, S., Necker, M. & Tischew, S. (Hrsg.) (2019): Praxisleitfaden Ziegenbeweidung - Einsatz von Ziegen zur Beweidung verbuschter Trockenstandorte im Unteren Saaletal. Hochschule Anhalt, Bernburg. 64 S.

www.offenlandinfo
Projekt der Hochschule Anhalt, Abteilung Bernburg, Fachbereich 1 (LOEL), Prof. Dr. habil. S. Tischew und Prof. Dr. Annett Baasch


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Doppelausgabe 9/10-2019

Schwerpunkt: 
Naturparke – 
Großschutzgebiete mit Entwicklungspotenzialen

Mit etwas mehr als 28 % der Landesfläche weisen die insgesamt 105 deutschen Naturparke große Potenziale zum Schutz sowie zur Pflege und Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaften mit einer Fülle an unterschiedlichen Lebensräumen auf.

Diese Schwerpunktausgabe behandelt u. a. die strukturellen Voraussetzungen einer erfolgreichen Naturparkarbeit, die Fortschritte der seit 2006 laufenden Qualitätsoffensive und die Erfahrungen aus anderen europäischen Naturparken. Weiterhin werden die Schutzgebietsanteile der deutschen Naturparke analysiert und Überlegungen zur Weiterentwicklung der Gebietskulissen vorgestellt. Viele Parke verfolgen aktuell das Ziel, verstärkt in die Planungen zu erneuerbaren Energien einbezogen zu werden. Des Weiteren können die Naturparke die Umsetzung von Natura 2000 in ihren Gebieten unterstützen, denn etwa ein Drittel der Natura-2000-Flächen liegen in Naturparken. Außerdem verfügen Naturparke über Potenzialflächen für Wildnisgebiete und große Prozessschutzflächen, die dazu beitragen können, die von der Bundesregierung festgelegten Wildnisziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erreichen.

Inhalt:

  • Entwicklung, Stand und Herausforderungen der Naturparkarbeit in Deutschland
    Ralf Forst
    Vor über 60 Jahren wurden die ersten Naturparke in Deutschland gegründet. Die maßgeblichen Meilensteine, die die Naturparkentwicklung seitdem genommen hat, werden aufgezeigt. Inzwischen gibt es im deutschen (Groß-)Schutzgebietssystem 105 Naturparke mit einem Bundesflächenanteil von ca. 28 %. Aufgrund der Erweiterung des Aufgabenspektrums in den letzten Jahrzehnten dienen Naturparke heute sowohl dem Schutz und der Erhaltung der Kulturlandschaften mit ihrer Biotop- und Artenvielfalt als auch der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung sowie der Bildung für nachhaltige Entwicklung...
  • Was kann Deutschland von anderen europäischen Staaten für die Weiterentwicklung der Naturparkarbeit lernen?
    Katharina Denkinger
    Im Projekt „Europe?s Nature, Regional and Landscape Parks“ wurden die europäischen Naturparke erstmalig gemeinsam als eine Gruppe von Schutzgebieten in Europa beschrieben. Dieser Beitrag liefert eine Übersicht über die Projektergebnisse und beleuchtet anhand von Beispielen, was wir in Deutschland von Frankreich, Österreich, Spanien und weiteren europäischen Staaten für die Weiterentwicklung der Naturparkarbeit lernen können…
  • Strukturelle Voraussetzungen einer erfolgreichen Naturparkarbeit. Schlussfolgerungen aus der Evaluation der baden-württembergischen Naturparke
    Ulrich Gehrlein, Christoph Mathias und Christiane Steil
    Die Verabschiedung des Wartburger Programms als neueste Leitlinie der deutschen Naturparke unterstreicht die zukunftsweisende Bedeutung von Naturparken in den Bereichen Naturschutz und Biodiversität, Nachhaltigkeit und Lebensqualität, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Erholung, Gesundheit und Naturerlebnis, setzt aber zugleich auch die Handlungsfähigkeit von Naturparken voraus, um der hohen Bandbreite an Aufgaben gerecht zu werden. Eine erfolgreiche Naturparkarbeit hängt demnach von diversen strukturellen bzw. extrinsischen, aber auch intrinsischen Faktoren ab. Die in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführte Evaluation der baden-württembergischen Naturparke beleuchtet Handlungspotenziale und -hemmnisse…
  • Qualität zählt! – Vorteile und Nutzen der Qualitätsoffensive Naturparke
    Jörg Liesen und Annette Schäfer
    Seit 2006 führt der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN) die Qualitätsoffensive Naturparke durch, die mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und Mitteln des Bundesumweltministeriums entwickelt wurde. Die Qualitätsoffensive bildet für die Naturpark-Trägerorganisationen ein Instrument zur Selbsteinschätzung, zur Lenkung von Ressourcen und zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität der Naturparkarbeit. Sie bietet außerdem eine Grundlage, fördernde und hemmende Faktoren zu erkennen sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Naturparkarbeit zu erhalten. In diesem Beitrag wird das Verfahren beschrieben und es werden aktuelle Umfrageergebnisse zur Qualitätsoffensive genannt. Außerdem wird der konkrete Nutzen der Qualitätsoffensive anhand von drei Beispielen innerhalb Deutschlands dargestellt…
  • Flächenpotenziale und Entwicklungskonzepte zur Realisierung des 2 %-Wildnisziels in Naturparken in Deutschland
    Sebastian Brackhane, Jörg Liesen, Maike Bieber, Jochen Godt, Nicolas Schoof, Gert Rosenthal und Albert Reif
    Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) der Bundesrepublik Deutschland hat das Ziel, bis zum Jahr 2020 auf 2 % der terrestrischen Bundesfläche Wildnisgebiete auszuweisen. Naturparke können mit ihrer Infrastruktur und ihren lokalen Netzwerken eine wichtige Rolle bei der Realisierung und dem Management von Wildnis spielen. In der vorliegenden Studie wurden im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens die Naturparkpotenziale für Wildnisgebiete im Sinne der NBS (Flächen ≥ 1000 ha) identifiziert und um eine Suchkulisse für große Prozessschutzflächen in Wäldern (≥ 100 ha) ergänzt. Insgesamt wurde in den Naturparken ein Potenzial für Wildnisgebiete von 463 076 ha ermittelt, was rund 1,3 % der terrestrischen Bundesfläche entspricht…
  • Naturparke als Akteure zur Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung
    Annika Horstick und Susanne Schubert
    Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) will Menschen in die Lage versetzen, nachhaltig zu denken und zu handeln. Die UN-Dekade zur BNE sowie das aktuell laufende Welt-Aktionsprogramm (2015-2019) zielen auf eine stärkere strukturelle Verankerung und Transformation der Gesellschaft – auch im außerschulischen Bildungsbereich. In Deutschland wurden die Ziele des Welt-Aktionsprogramms im Nationalen Aktionsplan (NAP) BNE verankert. Durch die Änderungen von § 27 BNatSchG im Jahr 2018 haben nun auch Naturparke die gesetzliche Aufgabe, BNE umzusetzen. Naturparke bieten die Chance, auf mehr als einem Viertel der Fläche Deutschlands BNE voranzutreiben und somit den Bewusstseinswandel zu befördern. Dabei können sie auf ihren langjährigen Erfahrungen in der Umweltbildungsarbeit aufbauen…
  • Rolle, Leistungen und Perspektiven im Bereich der nachhaltigen Regionalentwicklung am Beispiel des Naturparks Südschwarzwald
    Roland Schöttle und Christina Cammerer
    Als Vorbildregionen für eine nachhaltige Regionalentwicklung agieren Naturparke in vielfältigen Aufgabengebieten wie Naturschutz, Landschaftspflege, Tourismus, Regionalentwicklung und Bildung. Jedoch erfolgt die Umsetzung nachhaltiger Regionalentwicklung in den einzelnen Naturparken auf unterschiedliche Weise. Der Beitrag zeigt am Beispiel des Naturparks Südschwarzwald, wie nachhaltige Regionalentwicklung in einem Naturpark umgesetzt werden kann. Als Handlungsleitfaden aller Aktivitäten dient dabei der Naturparkplan. Dieser wurde im Naturpark Südschwarzwald im Rahmen eines Beteiligungsprozesses mit regionalen Akteuren und der Bevölkerung erarbeitet…
  • Tourismus und nachhaltige Entwicklung in deutschen Naturparken
    Lisa Majewski, Manuel Engelbauer und Hubert Job
    Dieser Beitrag untersucht den Tourismus in Naturparken im Kontext der nachhaltigen Entwicklung. Seit ihrer Entstehungsphase hat sich das Aufgabenspektrum der Naturparke stetig gewandelt. Heute versuchen sie in einer Doppelrolle den Schutz und die Erhaltung der Natur-/Kulturlandschaft einerseits und die nachhaltige Regional- und Tourismusentwicklung andererseits zu bedienen. Aktuelle Zahlen zum Tourismus in Naturparken liefern Untersuchungen in den beiden Naturparken Südharz und Kyffhäuser in Thüringen. Beide Naturparke weisen zusammen mehr als 1,3 Mio. Besuchstage auf, wobei in beiden der Tagestourismus dominiert…
  • Schutzgebietsanteile der deutschen Naturparke und Überlegungen zur Weiterentwicklung der Naturpark-Gebietskulissen
    Volker Scherfose
    Deutsche Naturparke sollen sich gemäß § 27 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) überwiegend aus Landschaftsschutzgebieten (LSG) und Naturschutzgebieten (NSG) zusammensetzen – diese Vorgabe gilt seit 1976. Vor 1976 – als der Begriff „Landschaftsschutzgebiet“ im Gesetz noch gar nicht existierte – waren aber bereits rund die Hälfte der heutigen 105 Naturparke ausgewiesen. Zudem kommen seit 1992 als wichtige wertgebende Schutzgebiete Natura-2000-Areale innerhalb der Naturparkkulissen hinzu. Deshalb wurden die Anteile der NSG, LSG und Natura-2000-Gebiete für alle Naturparke errechnet. Es zeigte sich u. a., dass der Anteil strenger Schutzgebiete (NSG plus Natura-2000-Gebiete) in einem Drittel aller Naturparke deutlich unterdurchschnittlich ist (kleiner 15 %)…
  • Weiterentwicklung und Fortschreibung der Aufgaben und Ziele für die Naturparke in Deutschland
    Ulrich Köster
    In diesem Artikel werden die von den Mitgliedern des Verbands Deutscher Naturparke e.V. (VDN) Ende 2018 verabschiedete Strategie für die Entwicklung der Naturparke bis 2030 sowie die daraus abgeleiteten politischen Forderungen im „Wartburger Programm“ vorgestellt. Damit sind die Chancen, die die 105 Naturparke auf 28 % der Fläche Deutschlands bieten, um zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wie Erhaltung der biologischen Vielfalt, Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung ländlicher Räume beizutragen, deutlich formuliert..

09.10.2019