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Respekt für das Insekt? Analyse des Aktionsprogramms Insektenschutz der deutschen Bundesregierung unter besonderer Beachtung transformativer Zugänge

Quelle/Bild: Foto: Nicolas Schoof

Aus Ausgabe 7-2020

Nicolas Schoof, Rainer Luick und Niko Paech

Der drastische Insektenrückgang hat in Deutschland zu einer intensiven öffentlichen Debatte geführt, auf die die Bundesregierung mit einem Aktionsprogramm Insektenschutz (AP) reagierte. Die vorliegende Arbeit analysiert die geplanten Maßnahmen des AP und benennt Schwachstellen. Die einzelnen Maßnahmen des AP wurden mit den Maßnahmen der Insektenschutzpläne des Deutschen Naturschutzrings und einer Gruppe von Wissenschaftlern verglichen. Das Ergebnis wurde mit den Erkenntnissen einer Literaturrecherche zusammengeführt. Das AP behandelt das Insektensterben als ein mehr oder weniger isoliertes Problem, das von anderen globalen Herausforderungen (z. B. vom Klimawandel) weitestgehend losgelöst behandelt wird. Dem AP fehlt die adäquate Thematisierung einiger wichtiger Fokusräume des Naturschutzes. Unter anderem werden die Potenziale extensiver Weiden zu wenig aufgegriffen. Auch das defizitäre Zulassungsverfahren von Pestiziden wird nicht wirksam adressiert. Positiv zu bewerten ist unter anderem, dass der Glyphosatausstieg terminiert wurde und die für Insekten besonders problematischen Pestizide aus Schutzgebieten verbannt werden sollen. Der förderrechtliche Rahmen bleibt hingegen weitestgehend unangetastet. Das AP verspricht eine Symptombekämpfung des Insektenrückgangs innerhalb einer grundsätzlich nicht nachhaltigen ökonomischen und sozialen Ordnung. Es geht auf unabdingbare, weitreichende gesellschaftstransformative Lösungsansätze nicht ein. In vielen Punkten bleibt das AP interpretationsoffen.

Insektenschutz – Insektensterben – Insektenrückgang – gesellschaftliche Transformation – Nachhaltigkeit – Agrarpolitik – Pestizide

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1.7.2020