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Rückgang der Schlüsselart Kob-Antilope in Kamerun

Quelle/Bild: Léa Kondasso Taïga. Das Bild zeigt einen Buffon’s Kob (Kobus kob kob), einen Bock, aus dem Faro Nationalpark, Kamerun.

Der Buffon’s Kob ist die am weitesten verbreitete Antilope in Zentral und West Afrika. Er ist der häufigste Herbivore der großen Säugetiere im Netzwerk der Schutzgebiete in der Region Nord Kamerun. Léa Kondasso Taïga vom Department of Biological Sciences, Universität Maroua, Kamerun erwähnt, dass ein gutes Verständnis von Status und Dynamik der Populationen der Schlüsselarten wie des Buffon’s Kob im Ökosystem zu einer erfolgreichen Umsetzung der Schutzbemühungen der Savannen beitragen kann. „Daher haben wir ein Team zusammengestellt, deren Mitglieder in der Erforschung und im Schutz von Antilopen involviert sind“, führt er fort. Das Team besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Maroua und der School for the Training of Wildlife Specialists in Garoua, beide in Kamerun, sowie vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn in Deutschland. „Ich bin sehr erfreut zu diesem Projekt beizutragen, indem ich mein Wissen über Antilopen und das Ökosystem der Savannen einbringe ebenso wie meine Erfahrungen, die aus meinen eigenen Forschungen über die Puku-Antilope (Kobus vardonii) in Sambia resultieren“, erzählt Dr. Vera Rduch vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn. „Das Puku ist nicht nur sehr nah mit dem Kob verwandt, beide haben auch eine ähnliche Lebensweise. Nun ist der Kob in Kamerun im Mittelpunkt ausführlicher Studien.“

Die Feldarbeit fand zu Beginn der Regenzeit im Juni 2018 statt. Der Nationalpark wurde in 146 Quadrate unterteilt, wo Teams aus Helferinnen und Helfern die Datenaufnahme durchführten. Methoden des so genannten Distance Sampling wurden eingesetzt, um Daten über die Häufigkeit und die Verbreitung der Antilope zu sammeln. Zusätzlich wurden Daten über Anzeichen von Menschen bzw. menschlicher Aktivität im Nationalpark aufgenommen.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: die Population des Buffon’s Kob wurde auf 4 094 Individuen geschätzt, was einem Rückgang von 80 Prozent entspricht im Vergleich zu Daten aus dem Jahr 2000. Im Gegensatz zu dieser vorangegangenen Studie waren die Kobs jetzt vor allem in den nördlichen Gebieten des Nationalparks konzentriert in der Nähe der Flüsse Faro und Déo sowie ihrer Zuflüsse. Das kann der Lebensweise der Kobs zugeschrieben werden, von denen bekannt ist, dass sie in Gebieten in der Nähe von permanenten Wasser grasen. Eine schwache negative Korrelation konnte zwischen der Häufigkeit der Kobs und der menschlichen Aktivitäten festgestellt werden. Indem sie im Norden vorkommen meiden die Antilopen die südlichen Gebiete, wo die meisten Zeichen der menschlichen Aktivität beobachtet wurden. Diese ist, neben anderen Faktoren wie Klimawandel, der Grund auf den der Populationsrückgang zurückgeführt wird. Die menschlichen Aktivitäten im Nationalpark sind vor allem im Zusammenhang mit Weidewirtschaft und Wandertierhaltung sowie Wilderei. Weiterhin wurde das Schlagen von Holz, die Entnahme von Honig, Landwirtschaftliche Aktivitäten und die Gewinnung von Gold beobachtet. Folglich haben Menschen eine große Auswirkung auf die Population des Kobs, direkt über Wilderei, aber auch indirekt über die mögliche Ausbreitung von ansteckenden und tödlichen Tierkrankheiten, die von Rindern übertragen werden, sowie über die Veränderung des Habitats. Dennoch gibt es immer noch eine überlebensfähige Population der Kobs im Faro Nationalpark. Zukünftige Schutzbemühungen sollten Maßnahmen zum Schutz der Lebensräume und zur Bekämpfung der Wilderei beinhalten. Um langfristig wirksam zu sein, müssen die Strategien die Bedürfnisse sowohl von Menschen als auch der Wildtiere berücksichtigen.

Diese Kooperation zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Kamerun und Deutschland wird fortgesetzt. Léa Kondasso Taïga berichtet: “Für meine Dissertation werde ich die Ökologie und den Populationsstatus des Buffon’s Kob in einem anderen Nationalpark Kameruns untersuchen: und zwar im Bouba Ndjidda Nationalpark, der ebenfalls in der Region Nord Kamerun liegt. Neben Daten zur Verbreitung, Habitatnutzung und Häufigkeit zielt die Studie darauf ab, Kenntnisse zur Nahrung der Kobs und anderer Boviden über verschiedene Jahreszeiten zu bekommen sowie den menschlichen Einfluss auf dieses Ökosystem.“ Das sind grundlegenden Informationen über diese Antilopenart, die helfen werden diese Art und den ganzen Bouba Ndjidda Nationalpark zu schützen. Das Gebiet verzeichnet aktuell Habitatumwandlung zu landwirtschaftlich genutzten Flächen in einem beträchtlichen Ausmaß. Und die gewonnenen Erkenntnisse der Studie sollen helfen einen nachhaltigen Management Plan zu erstellen, der zum Schutz sowohl der ehemals zahlreichen Kob-Antilopen als auch des gesamten Ökosystems beitragen soll.

Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 Prozent. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 96 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Publikation:
Léa Kondasso Taïga, Serge Alexis Kamgang, Eric Moïse Bakwo Fils, Tsakem Christian Samuel, Vera Rduch (2020): The status and population dynamic of Buffon’s kob (Kobus kob kob, ERXLEBEN 1777) in the Faro National Park, Northern Cameroon. African Journal of Ecology. DOI: https://doi.org/10.1111/aje.12808.

 

Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig,
Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

 


 

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13.11.2020