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Streit in der Wissenschaft: Leistet Waldbewirtschaftung einen größeren Beitrag zum Klimaschutz als Waldwildnis?

Im Februar diesen Jahres hat ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Professor Ernst-Detlef Schulze (Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena) eine Studie veröffentlicht, die zu dem Schluss kommt, dass Wirtschaftswälder das Klima besser schützen als Naturwälder. Das Ersetzen fossiler Brennstoffe durch energetische Nutzung von Holz leiste einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz.

https://www.bgc-jena.mpg.de/www/index.php/PublicRelations/PReleasesSingle?jahr=2020&id=1580978885

Schulze, E.D., Sierra, C.A., Egenolf, V., Woerdehoff, R., Irslinger, R., Baldamus, C., Stupak, I., Spellmann, H. (2020). The climate change mitigation effect of bioenergy from sustainably managed forests in Central Europe. GCB Bioenergy 12: 186–197. doi.org/10.1111/gcbb.12672.

 

Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Naturwald Akademie in Lübeck und von Wohllebens Waldakademie haben dieser Studie vehement widersprochen und sie für widerlegt erklärt.

https://www.hnee.de/de/Aktuelles/Presseportal/Pressemitteilungen/Waldschutz-ist-besser-fr-das-Klima-als-die-Holznutzung-Diskussionsbeitrag-zur-Studie-des-Max-Planck-Instituts-fr-Biogeochemie-E10806.htm?b=1

Welle, T., Ibisch, P.L., Blumröder, J.S., Bohr, Y.E.-M.B., Leinen, L., Wohlleben, T., Sturm, K. (2020). Incorrect data sustain the claim of forest-based bioenergy being more effective in climate change mitigation than forest conservation. GCB Bioenergy, doi.org/10.1111/gcbb.12738.

Sie kritisieren auch die Eckpunkte zur Waldstrategie 2050  des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

 

In einer am 17. September 2020 veröffentlichten Entgegnung präzisieren die Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena ihre Position und verteidigen sich gegen den Vorwurf der falschen Datennutzung und -auswertung.

https://www.bgc-jena.mpg.de/www/index.php/PublicRelations/NewsSingle?userlang=de&jahr=2020&id=1600354732&disc

 

Da sich beide Studien auf zwei Bestandesinventuren auf der Gesamtwaldfläche des Hainich-Nationalparks in den Jahren 2000 und 2010 beziehen, hat das Thünen-Institut/Institut für Waldökosysteme zu dieser Auseinandersetzung Stellung genommen. Die Kritik von Welle et al. an Schulze et al. wird in wesentlichen Punkten als nicht nachvollziehbar bewertet. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass durch die geringe Repräsentanz des Hainich-Nationalparks für Wälder in Deutschland und durch die kurzen Betrachtungszeiträume nicht ausreichend belegt werden kann, dass die energetische Nutzung von Wäldern deutschlandweit besser oder schlechter ist als Waldschutz und Nicht-Nutzung.

https://www.thuenen.de/de/wo/aktuelles-und-service/news/detail/News/kurzfristige-klimaschutzvorteile-von-waldschutz-oder-waldnutzung-zur-bioenergieerzeugung-weiterhin-u

 

Die Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Naturwald Akademie in Lübeck und von Wohllebens Waldakademie weisen die Kritik des Thünen-Institus als einseitig und fachlich unzulänglich zurück und bezeichnen die Stellungnahme als irreführend. Sie beharren auf ihrer Kritik einer falschen Datengrundlage und verweisen auf nicht rezipierte Befunde der internationalen Literatur.

https://naturwald-akademie.org/forschung/positionen/reaktion-auf-stellungnahme-des-thuenen-instituts-fuer-waldoekosysteme/


 

 

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24.09.2020