Natur und Landschaft

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Umbruch in der Biotechnologie: Sprung aus dem Labor in die Natur

Quelle/Bild: Grafik: Friess et al. 2020

Aus Ausgabe 5-2020

Johannes L. Frieß, Mathias Otto, Samson Simon, Bernd Giese und Wolfgang Liebert

Derzeit werden neue genetische Technologien entwickelt, mit denen erstmals gezielt eine gentechnische Veränderung von Wildpopulationen angestrebt wird. Sie sollen dazu dienen, invasive Arten, Infektionskrankheiten oder landwirtschaftliche Schädlinge zu bekämpfen. Auch der Schutz gefährdeter Arten wird als ein mögliches Anwendungsfeld genannt. Das gemeinsame Merkmal dieser Technologien ist die Verselbstständigung des genetischen Eingriffs und damit einhergehend dessen Verschiebung aus den kontrollierten Bedingungen des Labors ins Freiland. Dieser „Sprung aus dem Labor“ wirft verschiedene Fragen auf, sowohl zur Kontrollier- und Rückholbarkeit als auch zur Vereinbarkeit mit Naturschutzansprüchen. Der vorliegende Beitrag soll neben einer Einführung in Gene-Drives und horizontal environmental genetic alteration agents (HEGAA) vor allem auch die möglichen Risiken benennen, die mit der gentechnischen Veränderung wild lebender Organismen im Freiland verbunden sein können und möglicherweise neue Probleme für Risikobewertung, Risikomanagement und Monitoring mit sich bringen.

Gene-Drive – horizontal environmental genetic alteration agent (HEGAA) – gentechnisch veränderter Organismus (GVO) – neue Gentechnik – Biotechnologie – Populationsbiologie – prospektive Technikfolgenabschätzung

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"'Gene-Drive-Organismen' zur Bekämpfung invasiver Arten? Nicht reif für die Praxis" von Simon et al. in Natur und Landschaft 9/10-2018

Molekularbiologische Methoden haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und die Möglichkeit eröffnet so genannte „Gene-­Drives“ (GD) künstlich herzustellen, um wilde Populationen zu verändern oder auszulöschen. Mittlerweile gibt es konkrete Forschungsansätze, GD als „Wunderwaffe“ zur Bekämpfung invasiver Arten einzusetzen, beispielsweise gegen invasive Nager auf Inseln. Aus diesem Grund möchten wir in die Technik einführen und auf grundlegende Probleme hinweisen, die mit der Verwendung von GD in Labor und Freiland verbunden sind. Nach unserer Einschätzung ist die Technik noch nicht praxisreif. In Anbetracht weitreichender ökologischer Aus­wirkungen, die eine GD-Freisetzung mit sich bringen kann, empfehlen wir eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen und höhere Anstrengungen im Bereich der Sicherheitsforschung. Vor dem Einsatz von GD sind zudem ethische und gesellschaftliche Fragen zu klären.

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1.5.2020