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Verheerende Waldverluste nehmen weltweit stark zu

Sehr geringe Fortschritte bei der Wiederherstellung natürlicher Wälder, trotz Chancen für den Klimaschutz 

Fünf Jahre nach der bahnbrechenden Zusage der internationalen Gemeinschaft, natürliche Waldverluste bis zum Jahr 2020 zu halbieren und 150 Millionen Hektar Land wieder aufzuforsten, hat sich der globale Waldzustand dramatisch verschlechtert. Dies zeigt ein aktueller Bericht, die im Vorfeld des diesjährigen UN Klimagipfels in New York erscheint. 

Die Ergebnisse des Berichtes zeigen, dass seit 2014, als Regierungen und Unternehmen, die New York Declaration on Forests (NYDF) unterzeichneten, die jährliche Fällung von Bäumen um 43% gestiegen ist. Dies entspricht über 26 Millionen Hektar pro Jahr – in etwa der Fläche Großbritanniens. 

Tropische Wälder, die derzeit im Amazonas und im Kongobecken in Rauch aufgehen, sind am stärksten betroffen und haben seit der Jahrtausendwende über 90% der weltweiten Entwaldung ausgemacht. Besonders besorgniserregend ist der Verlust von tropischen Primärwäldern, den wichtigsten Kohlenstoffsenken außerhalb der Ozeane und Heimat großer Teile unserer Artenvielfalt. Die Verlustrate der tropischen Primärwälder ist ebenfalls um über 40% gestiegen. Dies entspricht 4,3 Millionen Hektar pro Jahr.  

„Seit dem Start des NYDF vor fünf Jahren hat sich die Entwaldung nicht nur fortgesetzt – sie hat sich sogar beschleunigt“, sagt Prof. Dr. Charlotte Streck, Direktorin von Climate Focus und Professorin an der Universität Potsdam.  
 
Der Think Tank Climate Focus koordiniert die NYDF Assessment Partners – eine Koalition aus 25 Umweltorganisationen, die gemeinsam die jährlichen Berichte zum Zustand des Waldes verfassen. Der aktuelle Bericht unter dem Titel „Protecting and Restoring Forests: A Story of Large Commitments Yet Limited Progress“ (Schutz und Wiederherstellung von Wäldern: Eine Geschichte von großen Verpflichtungen und begrenztem Erfolg) analysiert die neuesten Forschungsergebnisse zum Schutz und zur Wiederherstellung von Tropenwäldern und präsentiert neue Daten zu Umfang, Lage und Status von weltweit bereits laufenden Restaurierungsprojekten. 

 „Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um den Waldverlust, insbesondere in tropischen Primärwäldern, zu stoppen und so viele Wälder wie möglich wiederherzustellen, bevor die irreversiblen Auswirkungen der Waldverluste unser Klima und unsere Ernährungssicherheit weiter gefährden“, so Streck.  

Obwohl einige Unterzeichner der NYDF, darunter El Salvador, Äthiopien und Mexiko, Fortschritte beim Pflanzen von Bäumen gemacht haben, wurden bislang weniger als 20% der angestrebten Restaurierung erreicht, heißt es in dem Bericht.  

„Der Bericht macht zudem deutlich, dass die Wiederherstellung natürlicher Wälder den Verlust von Primärwäldern nicht kompensieren kann“, sagt Streck. „Es kann Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern, bis die Wälder ihre volle Fähigkeit zur Kohlenstoffaufnahme und zur Regulierung des Wetters wiedererlangt haben. Wir müssen Wälder restaurieren und schützen. Fortschritte in beiden Bereichen sind notwendig – und ergänzen sich sogar.“ 

Zu den Staaten mit dem höchsten Waldverlust seit 2014 gehören die vier Länder des Amazonasbeckens: Brasilien, Bolivien, Kolumbien und Peru. Alleine im Juni 2019 stiegen die Entwaldungsraten im brasilianischen Amazonasgebiet im Vergleich zum Vorjahresmonat um 88%. 

Zudem gibt es neue Krisenherde mit zunehmendem Waldverlust in Westafrika und im Kongobecken – die Demokratische Republik Kongo hat ihre Entwaldung in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. In Asien geht der größte Teil des Waldes in Indonesien, Malaysia und Kambodscha verloren. Der Bericht zeigt jedoch, dass es in der Region auch positive Trends gegeben hat. 

Climate Focus
Climate Focus berät öffentliche und private Organisation in Fragen der internationalen Klimapolitik. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Gestaltung und Umsetzung von Klimazielen. Thematisch liegt unser Schwerpunkt auf Regenwaldschutz und nachhaltiger Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Dabei sind wir sowohl in der Politikberatung als auch der konkreten Umsetzung vor Ort tätig. Häufig bereiten wir Politik- und Vorstandsentscheidungen durch wissenschaftliche Analyse und Handlungsempfehlungen vor.   Climate Focus wurde 2004 gegründet und hat Niederlassungen in Amsterdam, Rotterdam, Berlin, Washington DC, und Bogotá. Das Team aus 25 Beratern wird komplementiert durch einen breiten Pool an Experten in den jeweiligen Projekt-Ländern. 



Über die New York Declaration on Forests 

Die NYDF wurde 2014 auf dem UN-Klimagipfel als freiwillige, unverbindliche internationale Erklärung für Maßnahmen gegen den weltweiten Waldverlust ins Leben gerufen. Derzeit gibt es mehr als 200 Unterstützer, darunter nationale Regierungen wie Kolumbien, Deutschland, Norwegen, Peru, Großbritannien und die Vereinigten Staaten sowie subnationale Regierungen wie Acre, Amapa und Amazonas in Brasilien. Große Unternehmen wie McDonalds, Johnson & Johnson, Walmart und Unilever sind ebenfalls Unterzeichner. Über 60 Nichtregierungsorganisationen sind Befürworter, ebenso über 20 Gruppen, die indigene Gemeinschaften vertreten. 
 
Über die New York Declaration on Forests Progress Assessments 
Dieser Bericht wurde von den NYDF Partners recherchiert und verfasst und von Climate Focus koordiniert. Es ist eine gemeinschaftliche Anstrengung, die sich auf die Beiträge unzähliger Einzelpersonen und Organisationen stützt. Der Bericht und die dazugehörigen technischen Anhänge wurden einem umfassenden internen und externen Peer-Review-Prozess unterzogen, bei dem über 700 Kommentare von über 50 Experten aus der ganzen Welt eingingen. 


Zu den NYDF-Bewertungspartnern gehören: CDP, Center for International Forestry Research (CIFOR), Chatham House, Clean Cooking Alliance, Climate Focus, Conservation International (CI), Environmental Defense Fund (EDF), Forest Foundation Philippines, Forest Trends, Global Canopy, Institute for Global Environmental Strategies (IGES), Instituto de Manejo e Certificação Florestal e Agrícola (Imaflora), the International Center for Tropical Agriculture (CIAT), International Union for Conservation of Nature (IUCN), National Wildlife Federation (NWF), Overseas Development Institute (ODI), Rainforest Alliance, Rights and Resources Initiative (RRI), Stockholm Environment Institute (SEI), The Nature Conservancy (TNC), The Sustainability Consortium (TSC), Woods Hole Research Center (WHRC), World Resources Institute (WRI), World Wildlife Fund (WWF-US), und the Zoological Society of London’s (ZSL) Sustainability Policy Transparency Toolkit (SPOTT) initiative. 

Dies Projekt wird unterstützt von der Climate and Land Use Alliance (CLUA), der Good Energies Foundation, der International Climate Initiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) basierend auf einer Entscheidung des Deutschen Bundestages.  
 


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