Vogelfunde unter Stromleitungen melden

Quelle/Bild: © succo/pixabay

Mit der Hotline „Vogelfund und Stromleitung“ starten NABU und die Renewables Grid Initiative (RGI) eine Initiative für einen besseren Vogelschutz im Stromnetz. Unter dem Dach von RGI engagieren sich Netzbetreiber und Naturschutzverbände seit 2009 unter anderem für die Belange von Naturschutz bei Netzentwicklung und -betrieb.

Ziel der Hotline ist es, die Informationsgrundlage für künftige Vogelschutzmaßnahmen beim Netzausbau und an bestehenden Leitungen zu verbessern. Über die Hotline können Vogelfunde künftig von jedem telefonisch und auch online beim NABU gemeldet werden. Dort werden alle Informationen von einem Ornithologen systematisch erfasst und ausgewertet.

„Mit der Hotline werden erstmals Daten zu Vögeln als Kollisionsopfern im ganzen Bundesgebiet systematisch erfasst und untersucht. Diese Daten ermöglichen es uns, Handlungsbedarf und geeignete Maßnahmen gegen Vogelkollisionen zu identifizieren und gemeinsam mit den Netzbetreibern umzusetzen“ sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Anders als im Verkehr oder an Windrädern lassen sich die Opferzahlen so mit überschaubarem Aufwand deutlich verringern“, so Miller weiter. Insgesamt sei davon auszugehen, dass in Deutschland jährlich zwischen 1,5 bis 2,8 Millionen Vögel an Hoch- und Höchstspannungsleitungen sterben.

Der NABU und deutsche Übertragungsnetzbetreiber bemühen sich seit Jahren im gegenseitigen Austausch, die Kollisionen von Vögeln mit Stromleitungen zu reduzieren. Vor allem für größere Vogelarten mit seitlichem Sehfeld sind die Leitungen im Flug nicht immer deutlich zu erkennen, so dass Kollisionen dann meist tödlich enden. Häufigste Maßnahme zum Schutz der Vögel ist dabei die Anbringung so genannter Vogelschutzmarker an besonders kritischen Leitungsabschnitten. Bei der Neuplanung von Trassen werden darüber hinaus sensible Vogelvorkommen möglichst frühzeitig berücksichtigt und dann neue Trassen gesucht oder niedrigere Masten eingesetzt. Die durch die Hotline gesammelten Daten werden diese Bemühungen deutlich unterstützen.

Über die Hotline sollen vorrangig Vogelkollisionen mit den Höchstspannungsleitungen gemeldet werden. Aber auch Vogelfunde im Verteilnetz, etwa an stromschlaggefährdenden Mittelspannungsmasten oder andere technisch verursachte Vogeltode werden gesammelt. Diese Daten sind für den NABU auch deshalb von großem Interesse, weil dadurch die Lebensrisiken für unterschiedliche Vogelarten besser verstanden werden können. So ist es möglich Lösungen zu herbeizuführen.

„Ich freue mich, dass die Zusammenarbeit unserer Mitglieder anhand sehr konkreter Projekte vertieft wird“, sagt Antonella Battaglini, CEO der Renewables Grid Initiative. „Dadurch werden unsere Grundprinzipien, wie sie zum Beispiel in der Europäischen Netzerklärung formuliert sind, gemeinsam und damit wirkungsvoller in die Tat umgesetzt.“

Die Vogelfund-Hotline ist werktags unter (0 30) 28 49 84 55 00 erreichbar. Online können Beobachtungen mit dem hier abrufbaren Meldeformular mitgeteilt werden.

Weitere Informationen unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/stromtod/23194.html.

 

NABU

 


 

♦ Lesen Sie von Natur und Landschaft auch die Beiträge

  • "20 Jahre europäischer Naturschutz in Österreich" von Ellmauer et al. in Ausgabe 3-2017 und
  • "Aktuelle Fragen des Vogelschutzes im Wattenmeer und auf der offenen See" von Exo et al. in Ausgabe 6-2016.

Weitere interessante Fachbeiträge finden Sie über die Artikelrecherche. ♦

 

12.10.2017