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Vorstellung der EU-Biodiversitätsstrategie und Farm-to-Fork-Strategie

Am 22.5. hat die EU ihre neue Biodiversitätsstrategie und die „Vom Hof auf den Teller“-Strategie für eine umweltfreundlichere Produktion von Lebensmitteln vorgestellt. 

Presseinformation der EU

EU Biodiversitätsstrategie für 2030

Vom Hof auf den Tisch – eine Strategie für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem

 

30 Prozent der Landes- und Meeresflächen unter Schutz: die neue Biodiversitätsstrategie der EU

  • Aus verschiedenen Quellen (darunter EU-Gelder sowie nationale und private Gelder) werden Mittel in Höhe von jährlich 20 Milliarden Euro für die biologische Vielfalt bereitgestellt.
  • "Zum Wohle unserer Umwelt und unserer Wirtschaft und um die Erholung der EU von der COVID-19-Krise zu unterstützen" sollen mindestens 30 Prozent der Landfläche und 30 Prozent der Meere in der EU geschützt werden, davon 10 Prozent der EU-Landflächen und 10 Prozent der EU-Meeresgebiete mit strengen Schutzvorgaben. Hierzu sollen alle verbleibenden Primär- und Urwälder der EU bestimmt, erfasst, überwacht und streng geschützt werden. Hinzu kommt die Integration ökologischer Korridore als Teil eines echten transeuropäischen Naturschutznetzes.
  • Teil der Mitteilung ist auch ein EU-Plan zur Wiederherstellung der Natur. Da die Renaturierung in den Mitgliedstaaten "erhebliche Umsetzungs- und Regulierungslücken" aufweist, will die EU-Kommission 2021 rechtsverbindliche EU-Ziele zur Wiederherstellung der Natur vorlegen. Meeresökosysteme (nachhaltige Nutzung, Nulltoleranz gegenüber illegalen Praktiken, Aktionsplan zur Erhaltung der Fischereiressourcen und zum Schutz der Meeresökosysteme 2021) und Süßwasserökosysteme (bis 2030 mindestens 25.000 Flusskilometer wieder in frei fließende Flüsse umwandeln; gemäß der Wasserrahmenrichtlinie bis spätestens 2027 einen guten Zustand oder ein gutes Potenzial aller Oberflächengewässer und einen guten Zustand des gesamten Grundwassers erreichen) sollen ebenfalls einbezogen werden.
  • Der besorgniserregende Rückgang bei Feldvögeln und Insekten "muss umgekehrt werden". Verknüpft mit der ebenfalls heute vorgelegten Strategie "vom Hof auf den Tisch" soll die Verwendung und das Risiko chemischer Pestizide sowie der Einsatz hochriskanter Pestizide jeweils bis 2030 um 50 Prozent verringert werden. Mindestens 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sollen wieder mit Landschaftselementen mit großer Vielfalt gestaltet, 25 Prozent der landwirtschaften Fläche ökologisch bewirtschaftet werden.
  • Bodenökosysteme liegen der EU-Kommission ebenfalls am Herzen: Die Anstrengungen zum Schutz der Bodenfruchtbarkeit, zur Verringerung der Bodenerosion und zur Erhöhung der organischen Substanz des Bodens sind zu verstärken. 2021 will die EU-Kommission ihre thematische Strategie für den Bodenschutz der EU aktualisieren; auch der Null-Schadstoff-Aktionsplan für Luft, Wasser und Boden, ist für 2021 geplant. Die Bodenversiegelung und die Sanierung kontaminierter Brachflächen sollen in der künftigen Strategie für eine nachhaltige bauliche Umwelt behandelt werden.
  • Die EU soll die Quantität, Qualität und Widerstandsfähigkeit ihrer Wälder verbessern: Die Kommission will 2021 eine spezielle EU-Forststrategie vorschlagen sowie neue Nachhaltigkeitskriterien für die energetische Nutzung forstwirtschaftlicher Biomasse ausarbeiten. Bis 2030 sollen in der EU mindestens 3 Milliarden neue Bäume gepflanzt werden.
  • Mehr Grün in der Stadt: Die Kommission fordert europäische Städte ab 20.000 Einwohnern auf, bis Ende 2021 ehrgeizige Pläne für die Begrünung der Städte auszuarbeiten, 2021 soll eine entsprechende EU-Plattform eingerichtet werden.

(Zusammenfassung: 
Deutscher Naturschutzring, Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen (DNR) e.V.)

 

Stellungnahmen:

 

WWF Deutschland

Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, begrüßt die Ankündigung verbindlicher EU-Ziele zur Wiederherstellung von zerstörten Ökosystemen bis 2021. “Das ist ein großer Schritt, da das Prinzip der Freiwilligkeit in der Vergangenheit spektakulär gescheitert ist. Neben der Artenvielfalt leistet die Wiederherstellung von zerstörten Ökosystemen auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und damit für die Gesellschaft: Moore, Wälder und Küstenökosysteme zum Beispiel sind wichtige Kohlenstoffsenken“, betont Heinrich. 
Hinsichtlich der Finanzierung der Strategie gebe es noch Nachholbedarf. Die genannten 20 Milliarden Euro zur Umsetzung und 25 Prozent des EU-Budgets für Klima und Biodiversität seien aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Relevanz und globalen Herausforderungen von Klima- und Biodiversitätskrise nicht ausreichend. Der WWF fordert insgesamt 50 Prozent des EU-Budgets.
Eine große Lücke im Text ist nach Heinrichs Ansicht die fehlende Verpflichtung zum Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen, die nur im internationalen Kontext erwähnt wird. Die Strategie werde der Prämisse des Green Deal von “do no harm” somit bisher noch nicht gerecht.

https://www.wwf.de/2020/mai/aufbruch-zu-naturschutz-und-nachhaltiger-landwirtschaft/

 

Deutsche Umwelthilfe

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: "Die neue EU-Biodiversitätsstrategie greift wichtige umweltpolitische Forderungen auf. Wir brauchen allerdings nicht nur eine pauschale Reduzierung der Pestizidmenge, sondern ein Verbot der gefährlichsten Pestizide, die Bienen und andere Bestäuber bedrohen. Die Vorschläge der Kommission zur weiteren Reduzierung der Stickstoffmenge begrüßen wir. Sie müssen in das deutsche Düngerecht aufgenommen werden." 

https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/deutsche-umwelthilfe-fordert-nachbesserungen-bei-eu-strategie-2030-zur-biodiversitaet-und-nationalen/

 

BUND

Antje von Broock, Geschäftsführerin Politik und Kommunikation beim BUND: "Die EU macht hier mit guten Konzepten und Strategien auf sich aufmerksam. Jetzt braucht es konkrete Schritte, die zu mehr Natur- und Umweltschutz führen."
Die Ziele der "Farm-to-Fork"-Strategie führen laut von Broock zu einem grundsätzlichen Änderungsbedarf: "Die jetzige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) passt nicht zu den Zielen der 'Farm-to-Fork'-Strategie. Der Verordnungsentwurf zur Reform der EU-Agrarpolitik aus dem Jahr 2018 wird den Herausforderungen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität sowie den Anforderungen beim Erhalt der Bauernhöfe nicht gerecht. Er ist weder mit dem European Green Deal noch mit der 'Farm-to-Fork'- oder der Biodiversitätsstrategie in Einklang zu bringen. Dieser Verordnungsentwurf muss daher konsequenterweise zurückgezogen werden.“

https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/bund-begruesst-eu-strategien-fuer-mehr-naturschutz-und-eine-umweltfreundliche-landwirtschaft/

 

Greenpeace

Greenpeace kritisierte die «Vom-Hof-auf-den-Teller»-Strategie als nicht weitreichend genug. «Die EU-Kommission hat heute die Chance vertan, das Ende der Massentierhaltung einzuleiten», sagte Christiane Huxdorff. Ohne verbindliche Maßnahmen für weniger Fleischkonsum könnte die Klimaziele nicht erreicht werden. 

https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/europa-soll-gruener-werden-mehr-artenschutz-und-gesunde-lebensmittel-von-michel-winde-und

 

Slowfood

Marta Messa, Leiterin von Slow Food Europe in Brüssel: "Die EU-Farm to Fork- und Biodiversitätsstrategie sind ein großer Schritt in die richtige Richtung." Slow Food bedauert allerdings, dass die EU-Kommission die neue Gentechnik in die Farm to Fork-Strategie aufgenommen hat und das trotz des EuGH-Urteils von 2018 und der heftigen Kritik von Slow Food und vieler anderer NGOs zu diesem Thema. 

https://www.slowfood.de/wirueberuns/presse/pressemitteilungen-2020/eu-farm-to-fork-und-biodiversitaetsstrategie-eu-kommission-wagt-vielversprechenden-schritt-fuer-mehr-nachhaltigkeit

 


 

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Europäische Bürgerinitiative: Bienen und Bauern retten

90 Organisationen aus 17 EU-Ländern haben eine europäische Bürgerinitiative gestartet und wollen innerhalb eines Jahres insgesamt eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Ländern sammeln. Damit kann die EU-Kommission verpflichtet werden, sich mit den gestellten Forderungen zu befassen.

Die Kernforderungen

  1. Schrittweiser Ausstieg aus synthetischen Pestiziden

    Der Einsatz von synthetischen Pestiziden in der EU-Landwirtschaft soll bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden. Bis 2035 sollen die EU-Mitgliedstaaten komplett pestizidfrei sein.

  2. Maßnahmen zur Erholung der Artenvielfalt

    Biotopflächen sollen wiederbelebt und landwirtschaftliche Flächen so gestaltet werden, dass sie die Artenvielfalt fördern.

  3. Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern

    Die Landwirt*innen müssen beim notwendigen Übergang zur Agrarökologie unterstützt werden. Kleinteilige, vielfältige und nachhaltige landwirtschaftliche Strukturen sollen unterstützt, der Ökolandbau ausgebaut sowie die Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau gefördert werden.

22.5.2020