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Waldexperten und Bürgerinitiativen warnen in Offenem Brief vor Aktionismus in der Waldkrise und fordern Ende von ‚Plantagenwirtschaft‘ und ‚Holzfabriken‘

Angesichts der aktuellen Waldkrise fordert eine Gruppe von Waldexperten, Forstpraktikern, Waldbesitzern, Verbändevertretern, die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) mit den ihr angeschlossenen Bürgerinitiativen in einem offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft. Die Unterzeichner „fordern die staatliche Forstwirtschaft auf, anstelle teurem Aktionismus endlich eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens vorzunehmen und dabei alle Akteure mit einzubeziehen. Gefordert werden eine konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt“.

Die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) hat diese Forderung bereits 2018 in ihrer online-Petition „Wald statt Holzfabrik“ erhoben, die bereits 98.000 Unterschriften erzielt hat. Das Positionspapier der BBIWS ist das „Manifest zum Wald in Deutschland“, in dem die gegen­wärtige Situation des Waldes und die Forderungen der BBIWS detailliert aufgeführt sind.

„Die Forstreformen im öffentlichen Wald, unserem Bürgerwald, haben eine desaströse Bilanz,“ so Claudia Blank, Sprecherin der BBIWS. „Für kurzfristigen Gewinn wurden nicht nur enorme wirtschaftliche Schäden verursacht. Weitaus schlimmer sind die langfristigen Schäden am Ökosystem Wald. Die Holzgewinnung hatte bisher Vorrang vor dem Schutz des Öko­systems. Dies muss sich endlich ändern! Die BBIWS fordert eine schonende Waldbehandlung und ausrei­chend holznutzungsfreie Schutzgebiete im öffentlichen Wald.“

Mitunterzeichner des Offenen Briefs Wilhelm Bode, ehemaliger Leiter der saarländischen Forstverwaltung und Autor des Buchs „Waldwende“, betont: „Wir brauchen endlich eine Waldwende, die die natürlichen Produktionskräfte des Waldes stärkt und nicht weiter schwächt. Darum ist zunächst die Forstwirtschaft selbst gefragt, betriebliche Stressoren zurückzunehmen und bei der Wiederbewaldung auf die Natur zu setzen.“

Der Waldökologe Prof. Pierre Ibisch sagt: „Die derzeitige Waldkrise in Deutschland ist nicht allein eine Folge des Klimawandels – auch die Art der Waldbewirtschaftung trägt eine erhebliche Mitverantwortung. Es gibt zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch zu viele Wege zerschnitten wurden. Waldböden werden zu intensiv befahren, und vielerorts ist das Waldinnen­klima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt“. Kritisiert wird zudem der Plan, die aktuellen Waldschäden aktionistisch durch rasche Beräumung geschädigter Bäume und Aufforstung anzugehen.

Mit-Initiator und Waldschützer Norbert Panek betont: „Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Wald, – keinen hektischen „Waldumbau“, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.“

Die von allen Bürgerinnen und Bürgern über ihre Steuern zu bezahlenden Hilfen für die Wald­besitzenden seien gerechtfertigt – aber nur, wenn sie genutzt würden, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen. Definitiv sei geboten, Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden. László Maraz, Koordinator der AG Wald vom Forum Umwelt und Entwicklung: „Es wäre Steuergeldverschwendung, jetzt Millionen von Bäumen zu pflanzen, wenn diese vom Wild gefressen werden wie bisher. Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes ist dringender als je zuvor“.

Zu den Unterzeichnern des Briefes an Ministerin Julia Klöckner gehören neben Naturwissen­schaftlern Forstexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, Vorsitzende von Umweltverbänden wie etwa dem Deutschen Naturschutzring, Greenpeace, NABU, Naturfreunde und die Deutsche Umweltstiftung, Aktive der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) und ihren vertretenen Bürgerinitiativen, sowie namhafte Autoren wie Franz Alt oder Peter Wohlleben.

Die Erstunterzeichner laden Organisationen, Vereine, Verbände und Initiativen dazu ein, unter folgendem Link diesen Appell  zu unterstützen: https://www.deutscheumweltstiftung.de/waldkrise/

Ein weiterer Offener Brief an Umweltministerin Svenja Schulze nimmt Bezug auf den vorangegangenen Brief an das BMEL. "Wir fordern Sie auf, sich dezidiert und öffentlich zur aktuellen Waldkrise zu äußern und für ein modernes und ganzheitliches Ökosystemmanagement einzutreten, wie es seit vielen Jahren im Sinne des Ökosystemansatzes des Übereinkommens über die biologische Vielfalt auch in Deutschland angewendet werden soll. Dies bedeutet, dass das Waldökosystemmanagement nicht allein aus der Perspektive der Holzwirtschaft und unter alleiniger Federführung des BMEL erfolgen kann. Zudem muss das Waldökosystemmanagement mit einem angemessenen Management der Gesamtlandschaft einschließlich der Wasserressourcen integriert werden und sektorale Beschränkungen hinter sich lassen. Es ist Zeit, in Deutschland das Leitbild einer ganzheitlichen ökosystembasierten nachhaltigen Entwicklung zu verfolgen"

BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS)

 


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05.09.2019