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Weltbiodiversitätsrat IPBES stellt lang erwarteten Globalen Bericht vor

Arten und Ökosysteme schwinden in nie dagewesener Geschwindigkeit, und diese steigert sich noch. Das ist eine der Kernbotschaften des neuesten Berichtes des Weltbiodiversitätsrates IPBES, dessen Zusammenfassung für Politikschaffende heute auf einer Pressekonferenz in Paris vorgestellt wurde. Nur schnelle und weitreichende gesellschaftliche Veränderungen könnten massive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen weltweit verhindern.

Eine Million Arten, rund ein Achtel der geschätzten Gesamtzahl, sind vom Aussterben bedroht. Dieser Verlust ist eine direkte Folge menschlichen Handelns und stellt eine unmittelbare Bedrohung für das Wohlergehen in allen Weltregionen dar“, sagt Prof. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ. Settele ist einer der drei Berichtsleiter des Globalen Berichtes.

Da funktionierende Ökosysteme unmittelbar mit den Lebensgrundlagen der Menschheit verbunden sind, etwa zur Bereitstellung fruchtbarer Böden, gesunden Trinkwassers oder Erholungsgebieten, bedroht der Verlust auch das menschliche Wohlergehen. Erstmals gewichtet der Bericht auch die Ursachen. Der größte Teil des Verlustes ist auf die intensive Landnutzung zurückzuführen, gefolgt von direkter Entnahme der Organismen (Jagd, Fischerei etc.), Klimawandel, Umweltverschmutzung und gebietsfremden Arten. Die indirekten Ursachen dahinter sind vor allem das globale Bevölkerungswachstum und der steigende Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen.

Die Autoren des Berichtes sagen deutlich: Die bisherigen Gegenmaßnahmen reichen nicht aus, um den Verlust der natürlichen Systeme zu stoppen und die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Für den Bericht wurden dazu verschiedene Szenarien entworfen, die die künftige Entwicklung der biologischen Vielfalt und deren Beitrag zu menschlichem Wohlergehen in Abhängigkeit bestimmter politischer Wege vorhersagen, darunter ein Business-as-usual-Szenario. Diese Szenarien zeigen deutlich: Ein Weiter-wie-bisher ist keine Option.

Die zukünftige Nutzung der Ökosysteme zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung ist nur mit starken Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft und Politik möglich: „Die verschiedenen Politikbereiche müssen sich besser koordinieren, beispielsweise bei Klimaschutzmaßnahmen, das Wirtschaftssystem muss auf Nachhaltigkeit ausgelegt werden, Produzenten müssen die Verantwortung für ihre Produkte von der Herstellung bis zum Konsumenten übernehmen, sagt Eduardo Brondízio, der den Bericht zusammen mit Sandra Diaz und Josef Settele geleitet hat.  „Wir müssen weg von der Argumentation, dass Wohlstand und Umweltschutz sich gegenseitig ausschließen.“

Die offizielle IPBES-Pressemitteilung mit allen Zahlen und Fakten finden Sie hierhttps://www.ipbes.net/news/Media-Release-Global-Assessment

Zusammenfassung für Politikschaffende des neuesten Berichtes des Weltbiodiversitätsrates IPBES: IPBES Global Assessment Summary for Policymakers (PDF)

Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) hat in seinem Blog über die Vollversammlung des IPBES berichtet: http://www.biodiversity.de/blog/ipbes-7-paris-2019

NeFos tagesaktuelle Auswahl von Pressemitteilungen aus Biodiversitätsforschung und -politik finden Sie unter www.biodiversity.de und Twitter @Ne_Fo.

Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) ist ein Projekt zur inter- und transdisziplinären Vernetzung und Sichtbarmachung der Biodiversitätsforschung in Deutschland über Institutionsgrenzen hinweg. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und maßgeblich durchgeführt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig - UFZ sowie dem Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung.

Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo)

07.05.2019