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Wie praxisnaher Gewässerschutz erfolgreich ist - Diemel

Wie schnell sich ein Gewässer zum Positiven weiterentwickelt, wenn man der Natur wieder ihren Lauf lässt, ist an der Diemel zu sehen: Innerhalb kurzer Zeit hat sich ein renaturierter Flussabschnitt deutlich erholt. Nun ist auch ein Flussabschnitt der Eder in Nordhessen im Rahmen eines universitären Lehr-Lern-Projekts für eine Renaturierung vorgesehen. 

Bachforelle, Bachneunauge, Groppe, Elritze – auch diese vier Fischarten tummeln sich jetzt wieder in der Diemel nahe Marsberg im Sauerland. Diese Arten haben die neu geschaffenen Lebensräume sofort angenommen, ein deutliches Zeichen für den Erfolg der Maßnahme. Durch Kontrollbefischungen ist das messbar: Wurden im Mai 2021 in dem renaturierter Flussabschnitt gerade mal zwei Arten gezählt und weniger als zehn Fische insgesamt, waren es im September 2021 bereits drei Arten und 102 Fische. Anfang 2022 wurde die Elritze als vierte Fischart nachgewiesen. Diese typische Art der Mittelgebirgsflüsse fehlte bislang in weiten Teilen der Diemel. „Das ist besonders erfreulich, insbesondere auch der erstmalige Nachweis von Jungtieren des Bachneunauges und der hohe Anteil an Groppen“, so Jens Eligehausen. Er ist Lehrbeauftragter am Fachgebiet Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Universität Kassel. Die neu nachgewiesenen Fischarten stellen sehr hohe Ansprüche an die Wassergüte und Gewässerstruktur. „Dass sie jetzt in der Diemel wieder einen Lebensraum gefunden haben, spricht für den Erfolg der Maßnahme“, so Eligehausen weiter.

Im Rahmen eines Praxisseminars an der Universität Kassel hat Eligehausen seit 2020 mit Studierenden der Landschaftsplanung und des Umweltingenieurwesens einen Teil des Flussabschnitts der oberen Diemel wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Neben dem Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie der Universität Kassel sind das Planungsnetzwerk für nachhaltige Regionalentwicklung (Planar e.V.) und der Wasserverband Diemel in Marsberg Kooperationspartner.

Übergeordnetes Ziel des Projektseminars ist, die Widerstandsfähigkeit von Fließgewässern im Kontext der Klimakrise nachhaltig zu erhöhen, dabei dem Biodiversitätsschwund entgegenzuwirken und die Naherholungsfunktion von Gewässern zu stärken. Das geschieht in Form von praxisnaher Lehre an realen Problemfällen, die mithilfe von Geoinformationssystemen (GIS) identifiziert werden. Bei der Renaturierungsmaßnahme haben die Studierenden Uferbefestigungen entfernt sowie Nebengerinne und strömungsberuhigte Flachwasserzonen als Reproduktionsorte und Aufwuchslebensraum für Jungfische, Amphibien und andere Arten angelegt bzw. erweitert.

Den Projekterfolg wies eine Studentin im Rahmen einer begleitenden wissenschaftlichen Arbeit nach. Sie belegt, dass sich die -Naturnähe gemäß dem amtlichen siebenstufigen Bewertungssystem je nach Abschnitt um zwei bzw. drei Klassen von der „Klasse 5 - stark verändert“ zur „Klasse 2 - gering verändert" bzw. „Klasse 3 - mäßig verändert“ verbesserte.

„Unser Diemel-Projekt hat eindrucksvoll gezeigt wie praxisnaher Gewässerschutz betrieben werden kann und wie die universitäre Lehre hierzu einen entscheidenden Beitrag leistet“, so Eligehausen. Daher verwundert es nicht, dass es im Sommersemester 2022 im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu GIS-basierter Gewässerentwicklungsplanung auf die Eder in Nordhessen übertragen wird: „Das ist ein weiterer praktischer und sehr erfolgversprechender Beitrag zur Gewässerentwicklung an einem naturschutzfachlich besonders bedeutenden Gewässersystem“, betont Eligehausen. Darüber hinaus möchte Eligehausen im Rahmen seiner Lehre an der Universität Kassel gemeinsam mit Kooperationspartnern weitere Renaturierungsprojekte durchführen und dafür Landesmittel beantragen.

Weitere Infos: www.diemel-entfesselt.de

Kontakt:
Jens Eligehausen
E-Mail: info@diemel-entfesselt.de