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Wissenschaftler warnen vor zunehmenden Schäden durch gebietsfremde invasive Arten

Quelle/Bild: WikiImages/pixabay.

Gebietsfremde Arten sind Pflanzen, Tiere oder auch Mikroben, die absichtlich oder versehentlich durch den Menschen in Gebiete gebracht werden, wo sie natürlicherweise nicht vorkommen. Viele davon gedeihen prächtig in der fremden Umgebung und vermehren sich auch entsprechend, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt, die Wirtschaft und die menschliche Gesundheit führt.

In einer eben erschienenen internationalen Studie warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter auch Prof. Ingolf Kühn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), vor den zunehmenden negativen Auswirkungen gebietsfremder invasiver Tier- und Pflanzenarten auf die biologische Vielfalt und die Leistungen der Ökosysteme. Vor allem eine verbesserte internationale Zusammenarbeit sei notwendig, um die Einbringung weiterer Arten zu verhindern, neue Vorkommen zu ermitteln und vorhandene zu kontrollieren.

UFZ-Ökologe Prof. Ingolf Kühn, einer der Co-Autoren, erklärt: "Wir haben in dieser Studie kurz und knapp die wichtigsten Probleme gebietsfremder Pflanzen- und Tierarten zusammengefasst. Und auch wenn die Mehrheit derzeit kaum Probleme bereitet, sind die Auswirkungen einiger Arten so gravierend, dass schnelles und effizientes Handeln nötig ist, um die biologische Vielfalt zu erhalten."

Die soeben in der wissenschaftlichen Zeitschrift Biological Reviews veröffentlichte Studie ist das Resultat einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 13 Ländern – von Afrika über Asien und Australien bis Europa sowie Nord- und Südamerika. Sie stellen darin fest, dass die Anzahl an invasiven gebietsfremden Arten in bedenklichem Ausmaß zunimmt. Rund um den Globus sind aktuell bereits mehr als 18.000 solcher Arten erfasst. 

Das Forschungsteam schreibt die rasante Zunahme dieser biologischen Invasion der ebenfalls steigenden Anzahl und immer breiteren Palette an möglichen Wegen zu, über welche die fremden Arten sich verbreiten können. Sie unterstreichen die Rolle neuer Ausbreitungspfade, etwa dem Online-Handel mit exotischen Tieren oder dem Transport über die Ozeane auf kleinen "Flößen" aus Plastikmüll.

Die Studie zeigt zudem, wie Triebkräfte des globalen Wandels, etwa der Klimawandel, die Landnutzungsänderungen oder auch der internationale Handel, den massiven Anstieg invasiver Arten in fremden Gebieten begünstigen. Arten, die auf Schiffen in neue Regionen gelangen, können sich dank Klimawandel in der neuen Heimat heute problemloser vermehren. Zudem ermöglicht die durch die globale Erwärmung bedingte Eisfreiheit und Schiffbarkeit des Arktischen Ozeans den Transport von Meeresbewohnern zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean.

Als Teil der Initiative "World scientists’ warning to humanity: a second notice" rufen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie zu einer dringenden Änderung des menschlichen Verhaltens in Bezug auf den Umgang mit der Erde und den Lebewesen darauf. Sie betonen, dass biologische Invasionen durchaus kontrolliert und auch gemildert werden können. Sie verweisen auf entsprechende Ansätze, die rund um den Globus funktionieren und machen spezifische Empfehlungen für eine bessere Kontrolle. So habe etwa die Einführung strengerer Grenzkontrollen, inklusive des Einsatzes von Röntgenmaschinen und Spürhunden, in Neuseeland zu einer kontinuierlichen Abnahme an Pflanzenpathogenen geführt. 

World scientists’ warning to humanity:  1992 tat sich eine Gruppe bedeutender Wissenschafter*innen aus der ganzen Welt zusammen und machte in einem Schreiben darauf aufmerksam, dass die Menschheit auf Kollisionskurs sei mit dem Rest der Natur (Union of Concerned Scientists, 1992). Dieses Papier wurde von 1 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterstützt. 25 Jahre später publizieren Ripple et al. (2017) eine Analyse des menschlichen Verhaltens und kamen in dieser zweiten Warnung ("second warning") zum Schluss, dass die Menschheit es nicht geschafft hat, die nötigen Fortschritte zu machen im Umgang mit den umwelttechnischen Herausforderungen. Ganz im Gegenteil: Die meisten der Probleme hätten sich verschlimmert. Über 15 000 Expert*innen unterzeichneten die Deklaration.

Publikation:
Pyšek P., Hulme P. E., Simberloff D., Bacher S., Blackburn T. M. Carlton J. T., Dawson W., Essl F., Foxcroft L. C., Genovesi P., Jeschke J. M., Kühn I., Liebhold A. M., Mandrak N. E., Meyerson L. A., Pauchard A., Pergl J., Roy H. E., Seebens H., van Kleunen M., Vilà M., Wingfield M. J. & Richardson D. M. (2020): Scientists’ warning on invasive alien species. Biological Reviews. DOI: 10.1111/brv.12627

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ)

 

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die über den internationalen Reifenhandel verbreitet wurde, überträgt verschiedene Krankheiten, darunter das West-Nil-Virus oder auch das Dengue-Fieber.

Die aus Südafrika stammende Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) konnte sich aufgrund ihres dekorativen Aussehens rund um den Globus ausbreiten. Sie richtet allerdings große Schäden an, insbesondere in der Fischerei und der Wasserversorgung. In Ostafrika etwa zerstörte ihr Auftauchen die Fischgründe im Viktoriasee. 

Kanadagänse (Branta canadensis) sind heute in Europa weit verbreitet und stellen eine ernst zu nehmende Gefahr für die heimische Biodiversität dar. Sie verursachen auch wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft und können zu Problemen in der Luftfahrt führen, wenn sie mit Flugzeugen kollidieren.

 


 

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26.06.2020