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Wölfe in der Mongolei fressen lieber Wild- als Weidetiere

Quelle/Bild: Nina Tiralla/Universität Göttingen. Nina Tiralla von der Universität Göttingen verfolgt eine Wolfsspur in der Mongolei.

Rund drei Millionen Menschen leben in der Mongolei, die damit der am dünnsten besiedelte Staat der Welt ist. Dazu kommen mehr als 40 Millionen Weidetiere, die einerseits als Lebensmittel dienen, andererseits aber auch für mehr als die Hälfte der Bevölkerung die einzige Einnahmequelle darstellen. Die Tierhaltung führt in der Mongolei zu einem massiven Landschaftswandel: Naturnahe Landstriche werden zunehmend zu Weideland umfunktioniert – mittlerweile wird ein Drittel des Landes entsprechend genutzt. Dies führt unweigerlich auch zu Konflikten mit den dort beheimateten Wildtieren, allen voran mit den großen Raubtieren wie dem Wolf.

Die Biologin und Forstwissenschaftlerin Nina Tiralla von der Universität Göttingen hat das Fressverhalten der Wölfe für ihre Masterarbeit untersucht. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Senckenberg Museums analysierte sie 137 Wolfslosungen, die bei Feldarbeiten zwischen 2008 und 2012 in der Mongolei gesammelt wurden. „Dabei konnten wir zeigen, dass der Speiseplan der Wölfe zu 89 Prozent aus wilden Huftieren besteht, überwiegend aus Sibirischen Rehen“, sagt Tiralla. „Die restlichen 11 Prozent bestanden aus kleinen Säugetieren wie Hasen oder Mäusen.“ Sogar Reste von Insekten und Beeren ließen sich in den Losungen nachweisen – von Nutztieren fehlte allerdings jede Spur. „Dies war für uns insofern überraschend, weil bisherige Studien Weidetiere als Hauptnahrungsquelle für die Wölfe aufgezeigt hatten“, so Tiralla.

Der entscheidende Unterschied könnte in der Ausgangssituation liegen: Anders als bei den früheren Studien zu mongolischen Wölfen stammen die nun untersuchten Proben aus naturnahen Regionen mit hoher Artenvielfalt. „Obwohl hier ebenfalls ein Angebot an Weidetieren besteht, scheinen die Wölfe dennoch lieber auf Wildtiere wie das Sibirische Reh als Beutetiere zurückzugreifen, womöglich, weil diese einfacher und gefahrloser zu jagen sind“, erläutern die Autorinnen und Autoren. Sie schließen daraus, dass Wölfe, wenn sie in einer naturnahen und artenreichen Landschaft mit ausreichend Beutetieren leben, für Weidevieh nur eine sehr geringe Gefahr darstellen. Dies könnte nicht nur für die Mongolei gelten, sondern prinzipiell auch auf europäische Länder übertragbar sein.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift Mammalian Biology erschienen.

 

Georg-August-Universität Göttingen


 

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19.2.2021