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Seite 445 - 451

Mehr Bewusstsein für Bodenbiodiversität: Defizite, Bedarfe, Transferansätze und -formate in Deutschland

Raising awareness of soil biodiversity: Shortcomings, needs, transfer approaches and formats in Germany

DOI: 10.19217/NuL2024-09-03 Manuskripteinreichung: 2.10.2023, Annahme: 5.6.2024

Willi E. R. Xylander

Zusammenfassung

Das Wissen in der Gesellschaft zu Bodenbiodiversität und deren ökologischen Bedeutung ist gering. Dies ist ein Imageproblem, aber auch auf mangelndes Wissen von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zurückzuführen. Es bedarf daher gezielter Maßnahmen zur Information von Lehrenden zu diesem Thema. Notwendig sind bspw. die Aufnahme in die Curricula der Lehrkräfte in Theorie und Praxis und die Bereitstellung von Materialien für den Unterricht. Außerschulische Lernorte wie etwa Museen können durch Ausstellungen, aber auch durch den Einsatz immersiver Formate (wie Virtual-Reality-Animationen) breiten Schichten der Bevölkerung das Thema näherbringen. Ansätze einer transdisziplinären Vermittlung durch Musik, bildende Kunst sowie durch die Vermittlung im fächerübergreifenden Unterricht an Schulen erscheinen Erfolg versprechend, werden allerdings nur vereinzelt in der Praxis umgesetzt. In Politik und Medien fehlt ebenfalls eine der Relevanz der Bodenbiodiversität entsprechende Wahrnehmung der Bedeutung von Bodenorganismen für die Funktion terrestrischer Ökosysteme. Es ist Aufgabe von Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie von Bildungseinrichtungen, die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite für diese Themen zu sensibilisieren.

Bodenbiodiversität – Emotionalisierung – Multiplikatorinnen und Multiplikatoren – Ausstellungen – gesellschaftliche Wahrnehmung

Abstract

Knowledge in society about soil biodiversity and its ecological importance is low. This is an image problem, but also due to a lack of expertise among multipliers. Therefore, there is a need for targeted measures to inform multipliers on this topic, e. g. by inclusion in teachers' theoretical and practical curricula and the provision of materials for education. Extracurricular learning venues such as museums can make the topic accessible to broad sections of the population through exhibitions, but also through the use of immersive formats (such as virtual reality animations). Approaches to transdisciplinary communication through music, visual arts or handicrafts, but also teaching in interdisciplinary lessons at schools seem promising, but are only sporadically implemented in practice. In politics and the media, there is a lack of awareness of the importance of soil organisms for the functioning of terrestrial ecosystems, too. It is the task of professional scientists and educational institutions to sensitise society as a whole to these issues.

Soil biodiversity – Emotionalisation – Multiplier – Exhibitions – Societal perception

Inhalt

1 Einleitung

2 Emotionen – Bodentiere selbst erleben

3 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewinnen

4 Ausstellungen

5 Innovative, immersive Formate des Vermittelns – Chancen der Technik

6 Populärwissenschaftliche Bücher und andere Druckwerke

7 Citizen Science

8 Kunst und Bodenbiodiversität

9 Mediale Präsenz

10 Politische Wahrnehmung

11 Literatur

Dank

1 Einleitung

Der Boden und seine Bewohner haben meist ein unverdient schlechtes Image: Schon in früher Kindheit werden Kontakte zum Boden oft mit „Spiel nicht im Dreck!“ oder „Mach dich nicht schmutzig!“ honoriert. Bodentiere wie Regenwürmer irritieren mit einem beinlosen, schleimigen Körper und der peristaltisch-wabernden Bewegung; Asseln, Tausendfüßer oder Spinnen sind für viele Kinder auf Grund ihrer Vielbeinigkeit und ungewohnter Bewegungsmuster eine unbekannte Erfahrung. Erwachsene verstärken die Irritation und bremsen die bei vielen Kindern vorhandene Neugier durch ihre eigenen Vorbehalte (Gebhard, Scheersoi 2020). Daher ist es nicht verwunderlich, wenn die Organismen im Boden und ihre Vielfalt bei Erwachsenen und auch bei Kindern eine geringe Wertschätzung genießen und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit deren essenziellen Bedeutung für das Funktionieren terrestrischer Ökosysteme weit hinter dem zurückbleibt, was die Bodenbiodiversitätsforschung sich wünscht.

Wie so oft resultiert mangelndes Wissen über Vorgänge aus einer Abneigung gegenüber deren Protagonisten. Wenn auch Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer diese Zurückhaltung teilen und wenig oder kein Wissen über und keine Empathie für das Leben im Boden vermitteln können, kann dieses Defizit nicht abgebaut werden. Es wird an die nächste Generation weitergegeben. Denn Inhalte zu Böden und deren organismischer Vielfalt sind in Lehrplänen der verschiedenen Klassenstufen und Schultypen, aber auch in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern oft unzureichend vertreten. Zudem stellen die Bildungsangebote von Museen, Umweltbildungsträgern oder Nichtregierungsorganisationen eher Vögel, Säugetiere, Amphibien und Schmetterlinge in den Mittelpunkt. Bodentiere scheinen hier kaum auf, nicht zuletzt, weil Materialien, die einen einfachen Zugang zu dieser Thematik eröffnen, fehlen oder schwer zugänglich sind. Erst in den letzten Jahren sind Angebote für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die außerschulische Bildung – auch im familiären Kontext – entstanden, die Bodenbiodiversität und deren Ökosystemfunktionen im Fokus haben und einen zielgruppengerechten Zugang eröffnen.

Der vorliegende Beitrag fokussiert auf die Situation in Deutschland und möchte Defizite in Bezug auf eine unzureichende Wahrnehmung von Bodenbiodiversität und deren Ursachen beleuchten, gleichzeitig aber auch vielversprechende Ansätze und erfolgreiche Positivbeispiele vorstellen.

2 Emotionen – Bodentiere selbst erleben

Gerade die unmittelbare Auseinandersetzung mit Bodenbiodiversität bietet die Möglichkeit, emotionales Erleben zu fördern und das Lernen durch eigenes Erfahren und Ausprobieren in den Mittelpunkt zu stellen (Xylander 2020a). Bewährt haben sich Unterrichtseinheiten, in denen Schulklassen lebende Vertreter der Makrofauna aus Laubstreuproben und der Mesofauna aus extrahierten Bodenproben makroskopisch und unter Binokularen beobachten können (Ansorge et al. 2006; Abb. 1). Erfahrungsgemäß stellt sich bei den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern schnell eine spürbare Faszination für diese unbekannte Welt ein; sie bietet Ansätze für die Vertiefung, etwa zu Themen wie taxonomischer Vielfalt, ökologischer Funktionalität oder Naturschutz.

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Abb. 1: Jugendliche bei der Bearbeitung von Boden- und Falllaubproben.
Fig. 1: Young people processing soil and litter samples.

Im Rahmen von Exkursionen – besonders mit Kindern – können Bodentiere in der Laubstreu, in tieferen Bodenschichten oder unter der Rinde von Bäumen gesammelt werden, um die Besiedlung der verschiedenen Lebensräume zu vermitteln. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten darauf achten, dass der Umgang mit den Tieren diese nicht schädigt und sie am Ort des Aufsammelns wieder freigesetzt werden. Das Interagieren mit den Bodentieren baut Ängste ab und eine emotionale Nähe zu den Organismen und deren Lebensraum auf. Für den Unterricht in den Klassen bieten sich Materialien wie der „Bodenkoffer“ oder die „Wurmkisten“ an.

Für höhere Klassen wurden Anleitungen für einfache, auch ohne großen technischen Aufwand durchführbare Experimente entwickelt, um z. B. das Verhalten und die Lebensraumansprüche von Bodentieren, aber auch die Reinigungs- und Filterfunktionen des Bodens vorzustellen (Roch 2010). Neben Angeboten für Schulklassen liegt ein Schwerpunkt in der Vermittlung für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, v. a. für Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Klassenstufen. Die Einbeziehung außerschulischer Lernorte wie der Umweltmobile („LUMBRICUS“ in Nordrhein-Westfalen sowie „Grashüpfer“ in Niedersachsen), Naturschutzzentren oder der an verschiedenen Orten entstandenen Bodenlehrpfade ist für die praktische Arbeit – besonders mit älteren Kindern und Jugendlichen – zu empfehlen.

Ein vielversprechender emotionaler Zugang zum Thema Bodenbiodiversität in solchen Veranstaltungen, aber auch in Printmedien, Ausstellungen und anderen Formaten ist die Einbindung biologischer Fakten in eine Geschichte, also die Nutzung der Instrumente des Storytelling, sowie die Visualisierung der Themen mit aussagestarken Bildern (siehe auch Ansorge et al. 2006; Beblek et al. 2017). Die Ausstellungen „Die dünne Haut der Erde“ und „Bodenschätze“ des Museums in Kalkriese nutzen das Storytelling als Vermittlungsformat. In „Bodenschätze“ sind es allerdings die Böden selbst, die die Geschichten erzählen.

3 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewinnen

Solange Lehrkräfte sich unsicher fühlen, wenn sie sich der Bodenbiodiversität im Unterricht widmen wollen, wird das Thema keinen nachhaltigen Eingang in den Unterricht finden. Die Chance, über das Schulsystem junge Menschen flächendeckend für den Schutz der Böden zu sensibilisieren, wäre vertan. Es erscheint daher sinnvoll, ein besonderes Augenmerk auf die Unterstützung von Lehrkräften zu richten.

Die Implementierung des Themas Bodenbiodiversität in der Gesellschaft steht und fällt nämlich mit engagierten, gut informierten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Grundlagen zum Lebensraum Boden und zu dessen Organismen müssen daher Inhalt der Fachlehrerinnen- und Fachlehrerausbildung in Biologie und Geographie an den Universitäten und in der Referendariatsausbildung werden. Für diese Zielgruppe wurden inzwischen praxisrelevante Materialien entwickelt, die – bezugnehmend auf Lehrpläne, Schultypen und Klassenstufen – neben Arbeitsblättern und einfachen Bestimmungsschlüsseln für Bodentiere auch Hintergrundinformationen zu deren Biologie, Experimentieranleitungen, Spiele und Beispiele für fächerübergreifenden Unterricht enthalten (z. B. Roch 2010; Böhme 2018). Die (Weiter-)Entwicklung von Lehrerinnen- und Lehrerhandreichungen, Medien und anderen Formaten, deren Einsatz im Unterricht den Aufwand für die Lehrkräfte verringert, wäre eine Aufgabe der Kultusministerien und nachgeordneten Behörden.

Darüber hinaus sollten regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen für die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowohl an den Hochschulen als auch in Forschungseinrichtungen angeboten werden, die sich mit Bodenbiodiversität befassen. Diese Veranstaltungen sollten Theorie und Praxis miteinander verbinden und auf die Transferierbarkeit der Inhalte in den schulischen Unterricht abzielen (z. B. Asshoff et al. 2011). Besuche in Laboren, von Versuchsflächen oder thematisch passenden Museumsausstellungen können Teile der Schulungen sein.

4 Ausstellungen

Naturkundliche Ausstellungen in Museen bieten die Möglichkeit, spezielle Themen an eine breite Öffentlichkeit zu adressieren; sie dienen darüber hinaus oft als „Schaufenster der Forschung“. In den vergangenen etwa 20 Jahren haben sich nur wenige naturkundliche Ausstellungen dem Thema Boden und Bodenbiodiversität intensiver gewidmet. Das Museum am Schölerberg in Osnabrück zeigte ab dem Jahr 2000 eine Ausstellung zu Bodentieren sowie ein Vivarium mit Bodentieren in Kooperation mit dem benachbarten Zoo. Auch die neue, 2023 eröffnete Dauerausstellung des Museums greift die Bodenbiodiversität und deren Funktionen auf, z. B. über vergrößerte Tiernachbildungen, ein (Mykorrhiza-)Pilztelefon und einen Flüsterboden, der Geschichten einer Assel und eines Hundertfüßers erzählt. Im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz veranschaulicht eine 6 m hohe Bodensäule die Schichtung eines Waldbodens, die Verteilung von Bodenorganismen in den verschiedenen Horizonten und anhand stark vergrößerter Modelle und eines Films zahlreiche Bodentiere.

Im Gegensatz zu diesen Dauerausstellungen, die meist über mehr als ein Jahrzehnt unverändert gezeigt werden, sind Wander- und Sonderausstellungen nur für einen begrenzten Zeitraum zu sehen. Sie können aktuellere Forschungsergebnisse präsentieren; Wanderausstellungen erreichen außerdem über eine große Zahl von Standorten in der Regel ein breiteres Publikum als Dauerausstellungen (Xylander 2020b). Im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz entstanden daher seit 1995 drei internationale Wanderausstellungen zum Thema Bodenbiodiversität, die an über 30 Standorten im In- und Ausland mehr als 1,2 Mio. Besucherinnen und Besucher sahen.

Die aktuelle Senckenberg-Wanderausstellung zum Thema Boden „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ präsentiert vier Themenschwerpunkte: Bodenbiodiversität, Bodentypen, Bodenschutz und Bodenforschung (Zumkowski-Xylander et al. 2017). Die auf das Thema abgestimmte Szenographie, provokante Überschriften und fokussierte Tafeltexte, Objekte und Themenauswahl, aber auch die Einstiegshöhe, die keine Vorkenntnisse erwartet, sprechen unterschiedliche Zielgruppen an, v. a. aber Schulklassen und Familien, schaffen einen emotional dichten Raum und fördern eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Themen (Xylander, Zumkowski-Xylander 2018).

Der größte Teil der Ausstellung ist der Bodenbiodiversität gewidmet und als Tunnelsystem gestaltet, das nach oben durch fenestrierte Laubblätter begrenzt wird (Abb. 2). Das Narrativ fokussiert auf die Ökosystemfunktionen von Bodenorganismen, mit Dekomposition als Schwerpunkt, und auf die Anpassungen von Räubern und Beutetieren. Jeweils ein Modell der Makro-, Meso- und Mikrofauna veranschaulicht die Größenklassen von Bodentieren, aber auch den sequenziellen Abbau von Laubstreu. Hands-on-Stationen ermöglichen, die Funktionsweise verschiedener Mundwerkzeuge von Bodentieren auszuprobieren oder sich die unglaublichen Zahlen von Organismen unter einem Quadratmeter Waldboden zu visualisieren. Zahlreiche Filme und digitale Medien wie die Animation „Let's talk about soil“ des Umweltbundesamtes oder eine Virtual-Reality(VR)-Präsentation ergänzen die Ausstellung. Seit Oktober 2015 haben mehr als 350.000 Besucherinnen und Besucher an 15 Standorten in drei Ländern „Die dünne Haut der Erde“ gesehen.

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Abb. 2: Blick in die Senckenberg-Wanderausstellung „Die dünne Haut der Erde“ mit einer Zersetzerkette und fenestriertem Falllaub als Höhlendach.
Fig. 2: View into the Senckenberg traveling exhibition “The Thin Skin of the Earth” showing a decomposer chain and fenestrated litter as roof.

5 Innovative, immersive Formate des Vermittelns – Chancen der Technik

Teil der Ausstellung „Die dünne Haut der Erde“ ist die weltweit einmalige VR-Animation „Abenteuer Bodenleben“, die das Senckenberg Museum im Rahmen des Projektverbunds museum4punkt0 gemeinsam mit der Firma .hapto aus Köln entwickelt hat (siehe Kurzpräsentation unter https://vimeo.com/channels/hapto/333094945, aufgerufen am 1.10.2023). Mittels einer HTC-Vive-Brille werden die Besucherinnen und Besucher auf die Größe einer Assel geschrumpft und begegnen lebensnah animierten Bodentieren in der Laubstreu, in den Bodenporen einige Zentimeter unter der Oberfläche sowie in Wasserfilmen des Bodens (siehe Wesenberg et al. 2019; Westermann et al. 2018; Xylander 2024). Über einen Bildschirm können Begleiterinnen und Begleiter (z. B. Familienangehörige oder Mitschülerinnen und -schüler) in Echtzeit beobachten, was die Nutzerin oder der Nutzer in der Brille sieht, und mit ihr oder ihm interagieren.

Dieses digitale Format ermöglicht das Eintauchen in eine ansonsten für den Menschen nicht zugängliche Welt und eine größenskalenveränderte, immersive Erfahrung des Bodenlebens (Abb. 3). Bei einer Befragung von 1.500 Nutzerinnen und Nutzern gaben über 70 % an, nach dem virtuellen Erlebnis ein größeres Verständnis für die Bodentiere entwickelt zu haben. 88 % der Kinder und 44 % der Erwachsenen bezeugten ein gestiegenes Interesse an den Tieren (Baber et al. 2019). Die VR wandert mit der Ausstellung zu den Präsentationsorten. Ein Zweitgerät kann bspw. zum Einsatz auf Messen oder für Wissenschaftstage ausgeliehen werden.

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Abb. 3: Die Virtual-Reality-Animation „Abenteuer Bodenleben“ verkleinert die Nutzerinnen und Nutzer auf die Größe einer Assel und ermöglicht einen völlig neuen Blickwinkel auf die Organismen im Boden. (Quelle des Screenshots: .hapto/Köln, bearbeitet von Ekkehard Mättig/Senckenberg)
Fig. 3: The virtual reality animation “Adventure Soil Life” shrinks users down to the size of an isopod and provides a completely new perspective on organisms in the soil. (Source of the screenshot: .hapto/Cologne, modified by Ekkehard Mättig/Senckenberg)

Eine Weltneuheit unter den digitalen Anwendungen ist ein Gerät, das Hologramme von Bodentieren erzeugt, basierend auf einer Erfindung der Firma Voxon, zur Museumsreife entwickelt durch die Firma .hapto. Es erlaubt die dreidimensionale, holographische Darstellung von 10 verschiedenen Bodentieren und findet v. a. bei älteren Kindern und Jugendlichen Anklang. Mit Hilfe einer Handsteuerung kann die Nutzerin oder der Nutzer die Hologramme drehen, vergrößern oder verkleinern. Die Möglichkeit, „pseudohaptisch“ mit den virtuellen Tieren zu interagieren, regt zur Auseinandersetzung mit der Morphologie der Tiere an und hilft, Ressentiments abzubauen.

6 Populärwissenschaftliche Bücher und andere Druckwerke

Während zu anderen Umweltthemen inzwischen viele allgemeinverständliche Publikationen – sowohl für naturinteressierte Erwachsene als auch für Kinder – und Spiele vorliegen, fehlten diese für den Boden lange Zeit. So blieb das (Fach-)Buch „Tiere im Boden“ (Dunger 1983) über viele Jahre eines der wenigen deutschsprachigen Beispiele für einen initialen Zugang zum Thema Bodenbiodiversität. In den letzten Jahren sind jedoch einige aktuelle, gut recherchierte, in die Tiefe gehende populärwissenschaftliche Publikationen zum Thema Boden und Bodenökologie im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden (z. B. Dohrn 2019; Schwinn 2019). Auch für Kinder und Jugendliche liegen zielgruppengerechte Bücher zum Thema mit unterschiedlichen Formaten und Narrativen vor (z. B. Zumkowski-Xylander 2017a; Guillain et al. 2018; BMBF 2021).

Das Kartenspiel „Der Bodenbauer“ (Abb. 4), bei dem man die Elemente eines gesunden Bodens (Bodentiere, Mikroorganismen, Humus, mineralische Bestandteile, Luft und Wasser) sammeln muss und dabei von „Störkarten“ (Erosion, Bodenverdichtung, Pestizideinsatz) behindert wird, öffnet einen spielerischen Zugang zum Thema Boden und Bodenschutz (Zumkowski-Xylander 2017b).

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Abb. 4: Beim Kartenspiel „Der Bodenbauer“ müssen sieben Ingredienzien eines gesunden Bodens gesammelt werden, während anthropogene Einflüsse wie Pestizideinsatz, Erosion oder Versiegelung das Einsammeln stören.
Fig. 4: In the card game “Der Bodenbauer” (The soil builder), seven ingredients of a healthy soil have to be collected, while anthropogenic impacts such as pesticides, erosion or sealing interfere.

7 Citizen Science

In der Vergangenheit haben sich Citizen-Science-Aktivitäten nicht nur als wertvolle Datenquelle für das Biodiversitätsmonitoring, sondern auch als Basis für ein tieferes Verständnis ökologischer Zusammenhänge erwiesen (Xylander 2016). Bürgerwissenschaften zu fördern, wäre ein geeigneter Ansatz für eine verbesserte Wahrnehmung der Bodenbiodiversität. Die allermeisten Bodentiere sind jedoch sehr klein und ohne langjährige Erfahrung und eine sehr gute mikroskopische Ausstattung nicht bestimmbar.

Das Senckenberg Museum hat in den letzten Jahren eine App entwickelt, die Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Bestimmung von drei Gruppen der Bodenmakrofauna – Hundertfüßer (Chilopoda), Doppelfüßer (Diplopoda) und Landasseln (Isopoda) – deutlich erleichtert (Abb. 5; Decker et al. 2019; siehe auch Kasten 1). Gefördert durch das Verbundprojekt museum4punkt0 wurden in den letzten Jahren zahlreiche Einführungskurse für interessierte Nutzerinnen und Nutzer angeboten, die die Bestimmungsqualität und die Bereitschaft, auch in Zukunft Daten zu sammeln und zur Verfügung zu stellen, signifikant erhöht haben (Neu et al. 2022).

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Abb. 5: Citizen-Science-App BODENTIERhoch4. a) Screenshot aus einem Artprofil mit Informationen zur Verbreitung und Lebensweise. b) Screenshot aus dem Bestimmungsschlüssel. (Quelle der Screenshots: Neu et al. 2022)
Fig. 5: Citizen science application „BODENtierhoch4“ (Soil animal to the power of 4). a) Screenshot from a species profile with information on distribution and traits. b) Screenshot from the identification key. (Source of the screenshots: Neu et al. 2022)
Kasten 1: Bodentiere neu gelernt – eine Citizen-Science-App zur Bestimmung von Bodenmakrofauna.
Box 1: Soil animals newly learnt – a citizen science app for the identification of soil macrofauna.

Tausende Arten von Bodentieren leben unter unseren Füßen. Unsere Kenntnisse über deren Verbreitung, Lebensweise und mittel- oder langfristige Bestandsänderungen sind allerdings bescheiden im Vergleich zu „attraktiven“ Tiergruppen wie Vögeln, Amphibien oder Schmetterlingen. Bürgerinnen und Bürger, die sich für Bodentiere interessieren, finden kaum einen allgemeinen Überblick. Bestimmungsliteratur, die auch für interessierte Laiinnen und Laien anwendbar ist, gibt es nur für ganz wenige Gruppen. Literatur über die Lebensweise ist zudem meist in Fachsprache geschrieben, enthält wenige Abbildungen und ist oft weder online noch über den Buchhandel erhältlich.

Daher hat das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz im Rahmen des Verbundprojekts „museum4punkt0“ ein deutschsprachiges Onlineportal mit Informationen zu Bodentieren und deren Bestimmung entwickelt. Die Anwendung mit dem Namen „BODENTIER hoch 4“ (www.bodentierhochvier.de) ist seit 2020 online und soll naturbegeisterten Jugendlichen und Erwachsenen das Erkennen, Erfassen und Erforschen von Bodentieren deutlich erleichtern.

Tausende heimische Bodentierarten, so etwa viele Springschwänze (Collembola), Milben (Acari) und Fadenwürmer (Nematoda), sind nicht einmal 1 mm groß; ohne gutes Mikroskop ist oft nur die grobe Zuordnung zur Tiergruppe möglich. Deshalb wurden für das Portal vergleichsweise große, aber wichtige Bodentiere ausgewählt: die Landasseln (Oniscoidea; ca. 60 Arten), die Doppelfüßer (Diplopoda; ca. 140 Arten) sowie die Hundertfüßer (Chilopoda; ca. 60 Arten). Alle drei Gruppen sind in Deutschland weit verbreitet (Abb. K1-1), in fast allen Biotopen anzutreffen, 5 – 70 mm lang und daher oft auch ohne Mikroskop bestimmbar. Sie eignen sich also besonders für den Einstieg in die Welt der Bodentiere. Mit der kostenlosen mobilen App (Abb. K1-2) können Nutzerinnen und Nutzer Bodentiere bestimmen und ihre Funde melden. Die Programmierung von „BODENTIER hoch 4“ übernahm eine Firma, die bereits Erfahrung in der Entwicklung von Apps zur Bestimmung wirbelloser Tiere hatte; die fachliche Begleitung übernahm Dr. Peter Decker, unterstützt wurde er durch Dr. Karin Voigtländer und Andreas Allspach, die alle für die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung tätig waren.

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Abb. K1-1: Vielfalt an Doppelfüßern, Hundertfüßern und Asseln unter einem Stück Totholz.
(Foto: Jörg Spelda)
Fig. K1-1: Diversity of millipedes, centipedes and woodlice under a piece of dead wood.
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Abb. K1-2: Mit der mobilen App kann man die Tiere auch in der Natur bestimmen und dokumentieren.
(Foto: Peter Decker)
Fig. K1-2: With the mobile app, you can also identify and document the animals in nature.

Die App „BODENTIER hoch 4“ deckt vier Angebote ab:

1.

Erleben: Das Portal enthält allgemeinverständlich verfasste Texte, Beschreibungen und Steckbriefe zu den verschiedenen Tiergruppen und -arten, Artenlisten, Angaben zur Verbreitung und Ökologie sowie zahlreiche Bilder. Die Nutzerinnen und Nutzer lernen etwas über die Artenvielfalt und Lebensweise der Organismen und werden angeregt, ihre Umwelt neu zu erleben.

2.

Erkennen: Für rund 250 in Deutschland vorkommende Bodentierarten sowie die wichtigsten Gruppen von Bodentieren entwickelte das Team gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen anderer Institutionen sowie mit Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern interaktive Bestimmungsschlüssel. Die Nutzerinnen und Nutzer, ob Neulinge oder Fortgeschrittene, sollen über leicht zu erkennende Merkmale und viele eindeutige Illustrationen und Bilder rasch zu einem sicheren Bestimmungsergebnis gelangen. Die Grundlage hierfür bilden umfangreiche Merkmalstabellen, oft mit mehreren Tausend Einträgen von Merkmalsausprägungen. Eine weitere Herausforderung war es, die mehr als 1.500 benötigten Bilder (mit den erforderlichen Nutzungsrechten) für die Schlüssel zusammenzutragen oder sie selbst am Mikroskop zu erstellen. Dieser hohe Aufwand hat sich aber gelohnt. Denn Bilder sagen oft mehr als tausend Worte!

3.

Erfassen: Das Bestimmungsergebnis kann zusammen mit Fotos und Angaben zum Fundort an das Portal übermittelt werden. Die eingehenden Fundmeldungen werden nach Überprüfung durch Expertinnen und Experten für diese Tiergruppen im Datenportal freigeschaltet bzw. öffentlich sichtbar gemacht und an das vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz entwickelte bodenzoologische Data Warehouse Edaphobase (https://www.edaphobase.org) übermittelt. Bei Fehlbestimmungen und Problemen steht eine Tiergruppenexpertin oder ein Tiergruppenexperte den Nutzerinnen und Nutzern unterstützend zur Seite.

4.

Erforschen: Durch die Beschäftigung mit einer Tiergruppe, das neue Wissen und die zunehmenden Artenkenntnisse werden die Nutzerinnen und Nutzer zu Bürgerwissenschaftlerinnen oder -wissenschaftlern für Bodentiere und tragen mit jeder Fundmeldung aktiv zu deren Monitoring bei. Für viele Bundesländer sind Erstnachweise von Arten nicht ausgeschlossen, Wissenslücken hinsichtlich der Verbreitung lassen sich schließen und Faunenlisten für bislang unerforschte Regionen aufstellen. Die Auseinandersetzung mit der Tiergruppe schafft gleichzeitig ein tieferes Verständnis für Biodiversität und die Wissenschaft als solche. Die übermittelten Ergebnisse der Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wurden und werden zudem weiter genutzt, etwa um die aktualisierte Fassung der Roten Listen für Doppel- und Hundertfüßer Deutschlands zu erstellen.

Das Verbundprojekt wurde gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.

Autor

Dr. Peter Decker

Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Am Museum 1

02826 Görlitz

E-Mail: decker@myriapoden-info.de

8 Kunst und Bodenbiodiversität

Ein Erfolg versprechender transdisziplinärer Ansatz zur Sensibilisierung für Umweltthemen liegt in einer Verbindung mit künstlerischen Formaten (siehe Feller et al. 2015). Allerdings gibt es nur wenige solche Formate, die die Bodenbiodiversität thematisieren. Das Theater des Anthropozän unter Leitung von Frank Raddatz hat in den vergangenen Jahren die Revue „Critters“ zum Thema Boden inszeniert und aufgeführt, in der auch die Bedeutung der biologischen Vielfalt thematisiert wird (Abb. 6). Die Schauspielerin Barbara Geiger umreißt als Fräulein Brehm in Sketchen das Leben von Bodentieren, u. a. von Regenwürmern und Engerlingen (siehe https://www.brehms-tierleben.com). Bodentiere sind auch häufig positiv belegte Protagonisten von Kinderliedern.

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Abb. 6: Der Tänzer Ziv Frenkel visualisiert die Biologie und Bewegung von Bodentieren während einer Aufführung von „Critters“ des Theaters des Anthropozän am 7. Juli 2021 in Berlin. Im Hintergrund die Virtual-Reality-Animation „Abenteuer Bodenleben“. .
(Foto: Helga Zumkowski-Xylander)
Fig. 6: Dancer Ziv Frenkel visualises the biology and movement of soil animals during a performance of “Critters” by the Theater of the Anthropocene on 7 July 2021 in Berlin. In the background, the virtual reality animation “Adventure Soil Life”.

Das Thema Boden ist punktuell in der Kunst angekommen. Es gibt zahlreiche Kooperationen zwischen Kunstschaffenden und der Bodenkunde. Malerinnen und Maler nutzen verschiedene Böden, deren Partikel und Struktur oder Metaphorik zur Bildgestaltung oder für Videoinstallationen (Toland, Wessolek 2010). Mit Bodenbiodiversität tut sich die Kunst allerdings deutlich schwerer. So finden Bodentiere (z. B. Tausendfüßer, Spinnen oder Asseln) oder ihre Ökologie kaum Beachtung und bleiben – wenn sie überhaupt Objekt der Auseinandersetzung sind – eher Beiwerk in Stillleben.

9 Mediale Präsenz

Ein wirkmächtiges Defizit für die Wahrnehmung von Bodenbiodiversität ist deren vergleichsweise geringe mediale Präsenz. Der Boden genießt wenigstens einmal im Jahr bei der Bekanntgabe des „Bodens des Jahres“ gewisse bundesweite Aufmerksamkeit, örtlich auch durch Aktionstage. Fernsehsendungen, Radioproduktionen oder die Printmedien thematisieren die Bodenbiodiversität und deren Funktionen hingegen kaum. Dies liegt wohl auch daran, dass die meist kleinen, auf den ersten Blick unauffälligen und unspektakulären Vertreter im Boden kein Massenpublikum binden (von wenigen Ausnahmen wie „Löwenzahn“ oder „Planet Wissen“ abgesehen). In den letzten Jahren gab es allerdings im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einige bemerkenswerte Produktionen zu Bodenorganismen, so etwa „Im Reich des Regenwurms – Der Boden unter unseren Füßen“ (bei ARD und Arte).

Stärker noch fällt das Fehlen der gesamten Thematik in vielen Social-Media-Kanälen auf. Nur einige Verbände (u. a. der Bundesverband Boden oder die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft) sowie ambitionierte Fotografen, die großartige Makroaufnahmen von Springschwänzen, Milben und anderen Bodentieren ins Netz stellen, transportieren Aspekte und Vertreter der Bodenbiodiversität über diese Formate.

Die mangelnde mediale Präsenz ist die Folge eines Circulus vitiosus: Aus mangelndem Wissen über Bodenbiodiversität resultiert ein geringes Interesse der Öffentlichkeit an diesem Thema. Da die Medien auf Themen von allgemeinem Interesse fokussiert sind, generiert Bodenbiodiversität kaum Aufmerksamkeit in den Redaktionen. So bleiben die medienbasierten Kenntnisse der Bürger auf einem eher sehr bescheidenen Niveau (Beblek et al. 2017). Um diese Situation zu verbessern, muss das Thema – zumindest in einer Initialphase – über Pressemitteilungen, Events, Druckwerke, hochwertige, kostenfrei nutzbare Filme, Animationen und andere Formate für die Medien aufbereitet werden – durch die Forscherinnen und Forscher bzw. die Öffentlichkeitsarbeiterinnen und -arbeiter der Forschungsinstitute. Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz hat bspw. Filme zu Bodentieren anfertigen lassen, zeigt diese in seinen Ausstellungen, stellt aber auch Sequenzen auf Anfrage für Produktionen Dritter (und für Bildungseinrichtungen) zur Verfügung.

10 Politische Wahrnehmung

Die Wahrnehmung von Bodenbiodiversität bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern scheint in der jüngeren Vergangenheit gewachsen zu sein: Förderlinien, Bodenschutzstrategien und Gesetzesnovellierungen in Deutschland und der Europäischen Union, aber auch Publikationen mit „enzyklopädischem Charakter“ wie der europäische Bodenatlas (Global Soil Biodiversity Atlas, Orgiazzi et al. 2015) berücksichtigen bzw. inkludieren inzwischen das Bodenleben. In den verbalen oder schriftlichen Äußerungen der Politik war die Wertschätzung von Bodenbiodiversität und deren Ökosystemleistungen jedoch lange nicht erkennbar.

Zwar haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter des hauptamtlichen Naturschutzes (mit Schwerpunkt Bodenbiodiversität) in der Vergangenheit wiederholt Defizite aufgezeigt, Änderungsbedarfe angemahnt und Lösungsmöglichkeiten benannt (z. B. Leopoldina 2020; Mathews et al. 2020), allerdings mit geringem Erfolg. Es bedarf daher weiterer engagierter und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit der Bodenbiodiversitätsforscherinnen und -forscher sowie ihrer Einrichtungen, die – neben anderen Zielgruppen – die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger adressiert, den Status und aktuelle Trends beschreibt, Treiber ausmacht und konkrete Lösungsoptionen vorschlägt. Eine solche Fokussierung erfolgt voraussichtlich im Laufe des Jahres 2024 in den „Fakten für Entscheidungsträger“ des Kapitels zur Bodenbiodiversität aus dem Faktencheck Deutschland (siehe Eisenhauer et al. 2024).

11 Literatur

  Ansorge P., Hohberg K., Xylander W. (2006): Bodentiere und die Frage nach dem „Wozu?“. Standbein-Spielbein – Museumspädagogik aktuell 74: 36 – 38.

  Asshoff R., Fricke A., Eisenhauer N. (2011): Regenwurm ist nicht gleich Regenwurm – Ein Experiment zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Ökologie von Regenwürmern. Biologie in der Schule 60(1): 20 – 24.

  Baber K., Wesenberg J., Xylander W.E. (2019): Perzeption und Evaluierung von Virtual Reality (VR) – Formaten im Naturkundemuseum. Natur im Mu-seum 9: 37 – 39.

  Beblek A., Diehl K. et al. (2017): Boden eine Sprache geben – 10 Thesen für die Kommunikation von Bodenthemen. Umweltbundesamt. Dessau-Rosslau: 22 S.

  BMBF/Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) (2021): Unser Boden-Schatz – Lebendig, fruchtbar, bedroht. Wissenschaftsjahr 2020/21 – Bioökonomie. Ausgabe 1/April 2021. BMBF. Berlin: 25 S.

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Dank

Ich danke dem Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Förderung der Wanderausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien für die Förderung im Rahmen des Projekts museum4punkt0. Weiterhin danke ich meinen Kolleginnen und Kollegen vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz für die fast drei Jahrzehnte dauernde vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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Prof. Dr. Willi E. R. Xylander

Institutsdirektor a. D.

Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Postfach 300 154

02806 Görlitz

E-Mail: willi.xylander@senckenberg.de

Der Autor studierte seit 1977 Biologie an der Universität Göttingen und promovierte dort 1986. Von 1986 bis 1994 war er in verschiedenen Positionen an der Universität Gießen tätig, wo er sich 1992 im Fach Zoologie habilitierte. Im Jahr 1995 wurde der Autor Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Görlitz, seit 2009 Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das er bis zu seinem Ausscheiden 2022 leitete. Seit 1997 lehrte er als Honorarprofessor an der Universität Leipzig; 2016 wurde er als Professor für Zoologie an die Technische Universität Dresden berufen. Er war Abteilungsleiter für Bodenzoologie am SMNG. Der Transfer von Forschungsthemen in die Gesellschaft ist ihm ein besonderes Anliegen.

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