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Neue Nagetierarten in Ecuador entdeckt


Die neue Art Chilomys percequilloi aus den Bergwäldern Ecuadors. (Foto: Jorge Brito)

Fünf bislang unbekannte Nagetier-Arten in den Bergwäldern Ecuadors entdeckt

Bisher nur als eine einzelne Art erfasst, verbergen sich mindestens fünf weitere neue Spezies unter dem bisherigen Namen Chilomys instans. Nach elf Jahren Feldarbeit in verschiedenen Regionen der ecuadorianischen Anden konnte ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) fünf neue Arten der Mausgattung Chilomys beschreiben (Brito et al. 2022, PeerJ 10: e13211, DOI: 10.7717/peerj.13211) wie z. B. Chilomys percequilloi. Die im Volksmund „Nebelwaldmäuse“ genannten Nager leben in Höhen zwischen 1.200 und 4.050 m. Die Gattung Chilomys entpuppt sich als eine Gruppe morphologisch unverwechselbarer Anden-Nagetiere, die einzigartige Spezialisierungen aufweisen.
Die Forscherinnen und Forscher sammelten eine beträchtliche Anzahl von Individuen der Maus-Gattung Chilomys. Grundlagen für die Nachweise waren genetische Untersuchungen sowie morphometrische Analysen und dreidimensionale Schädel-Rekon-struktionen, die mittels Computertomographie angefertigt wurden. Obwohl die Gattung Chilomys seit ihrer Beschreibung 1897 die meiste Zeit als monotypisch galt, bestand sie vor den jüngsten Entdeckungen aus nur zwei Arten: C. fumeus, die auf die nördlichsten Anden in Kolumbien und Venezuela beschränkt ist, und der weit verbreiteten C. instans, der Typusart der Gattung, die von Zentralkolumbien bis Nordperu vorkommt. Beide Arten ähneln einander sehr stark und wurden lediglich durch subtile metrische Merkmale voneinander unterschieden.
Auf der Grundlage neuer Erkenntnisse liefert das Forschungsteam eine überarbeitete Gattungsdiagnose, die um mehrere wichtige kraniodentale Merkmale erweitert ist, wie z. B. nach vorne gerichtete obere Schneidezähne und Mikrodontie. Die Spezialisierungen der Arten hängen mit der Stellung der Schneidezähne zusammen und weisen vermutlich auf eine auf Wirbellose spezialisierte Ernährungsweise hin. Die Ergebnisse lassen auch vermuten, dass 
Chilomys in weiten Teilen Kolumbiens und Perus wahrscheinlich eine zusätzliche Vielfalt aufweist, was eine Revision der gesamten Gattung erforderlich macht. Die Autorinnen und Autoren der fünf neuen Chilomys-Arten schließen ihre Untersuchung mit dem Hinweis, dass die neu entdeckte Vielfalt auf allopatrische Speziation (Artbildung infolge geographischer Isolation) zurückzuführen ist, die mit den Auswirkungen der quartären Gletscherzyklen auf die Vegetationsgürtel zusammenhängt. Die kleinen Tiere sind schwer zu fangen, weshalb die umfangreichen Feldstudien mehrere Jahre dauerten.


Quelle: LIB, Museum Koenig Bonn